Spitzenquoten von bis zu 2,80 Millionen Zuschauern und eine dritte Staffel, die seit 23. August 2016 stark wie nie in der Primetime zu sehen ist: Die Gründershow "Die Höhle der Löwen" gibt VOX allen Grund zur Freude. Den hatte in der gestrigen Sendung auch ein Schwabe mit jeder Menge Erfindergeist. Damit war er natürlich nicht allein.

Was machen zwei Sportwissenschaftler und ein Jurist im Keller? Sie entwickeln den SensoPro Trainer – ein Sportgerät, das Ausdauer, Schnelligkeit, Kraft und Koordination mithilfe von Gummibändern trainiert. Die Schweizer Kaspar, Florian und Jan pitchen bei den Löwen um 350.000 Euro für zehn Prozent ihrer Firmenanteile, um die deutschen Physiotherapiepraxen und Fitnesscenter zu erobern.

Ein Ziel, das ohne Marketing- und Vertriebs-Know-how in weite Ferne rückt. Und bis auf Geschäftsmann Carsten Maschmeyer rücken auch die Löwen als Investoren ab. Für 33 Prozent ist Maschmeyer an Bord. Die Schweizer schlagen den Deal aus – selbst, als der Löwe ihnen mit 30 Prozent entgegenkommt. Pech für die Gründer.

Begeisternde Problemlösung: die "Very Important Boobs Box"

Ein krasser Fehler kostet Kandidatin bei "Höhle der Löwen" jegliche Chancen.

Zu eng, zu unbequem: SugarShape ist aus Frust beim BH-Kauf entstanden. Der Onlineshop der Schwestern Sabrina und Laura verspricht Abhilfe. Dafür füllt jede Kundin einen Online-Fragenbogen zu Maßen, Brusttyp und Wäschevorlieben aus. Nach Auswertung der Ergebnisse trudelt dann per Post eine "Very Important Boobs Box", kurz "VIB-Box", mit Unterwäsche ein. Der Erfolg gibt den Gründerinnen recht: Allein in den vergangenen drei Monaten belief sich der Umsatz auf eine halbe Millionen Euro. Genau die erhoffen sie sich in der "Höhle der Löwen" für zehn Prozent ihrer Firmenanteile.

Bei den Investoren punkten die Schwestern mit hochwertiger Ware, guten Margen und einem Vorzeige-Geschäftsmodell der Sorte "Problemlöser". Für Homeshopping-Unternehmerin Judith Williams eine Chance, um in einen Milliardenmarkt zu investieren. Im besten Fall gemeinsam mit Technikexperte Frank Thelen. Am Ende steht der Deal mit zwei Löwen, die Online- und Fashion-Kompetenz vereinen. Williams und Thelen investieren für 20 Prozent der Anteile und unterstützen die Gründer mit 500.000 Euro und ihrer Expertise.

App und Hopp in der "Höhle der Löwen"

Manchmal ist es mit einer guten Idee aber nicht getan. Und so geht Informatiker und Forstoberinspektor Manfred Ide leer aus. Obwohl seine Holzverwaltung via App die Löwen begeistert, will niemand 300.000 Euro in FOVEA investieren. Das System ermittelt dank eines Fotos, das der Nutzer schießt und via App hoch lädt, in Sekunden die Anzahl von Holzstämmen. In der Forstwirtschaft eine Revolution. Hier werden Holzstämme bis heute per Hand gezählt und ausgemessen. Die App ersetzt also viele Stunden Arbeit. Lob gibt es dafür von Frank Thelen: "Das ist richtig smart." Dennoch scheint der Markt nicht lukrativ genug für die Investoren.

So auch bei der Kickbase-App der Fußballfans Anatol, Ante, Daniel, und Felix. Sie träumen von 600.000 Euro für zehn Prozent ihrer Firmenanteile. Damit rufen die jungen Gründer eine Bewertung von sechs Millionen Euro auf. Bei derzeit gerade einmal 12.000 zahlenden Kunden und einer halben Millionen Downloads. Die App an sich verbindet die reale Fußballwelt mit dem virtuellen Spiel, bei dem der Nutzer eine eigene Liga gründet und eine Profi-Elf zusammenstellt.

Sobald das echte Bundesliga-Spiel beginnt, erhält der Nutzer für jede Aktion seiner Spieler sofort positive oder negative Punkte. Echtzeitdaten werden intelligent in die App transferiert. Die gelungene Verbindung zwischen Realität und virtueller Welt begeistert die Löwen. Anders als die aktuellen Zahlen und die Bewertung. "Ich verstehe so viel von Fußball wie ihr von euren Zahlen", gibt Judith Williams zu bedenken. Zu recht.

Bodenständigkeit, Ehrlichkeit, Fleiß

"Höhle der Löwen": Alle Investoren reißen sich um diese Geschäftsidee.

Was den Gründern der Kickbase-App an bodenständigem Denken fehlt, hat Stefanie Tomljanovic zu Genüge. Die Gründerin von Malzit stellt nach ihrem eigenen patentierten Verfahren Brot- und Fruchtaufstriche auf Malzbasis her. Sie wünscht sich 40.000 Euro und ist bereit, 30 Prozent ihrer Firmenanteile abzugeben. Ihr Produkt wird in liebevoller Handarbeit hergestellt: Manufaktur statt Masse. Die Löwen überzeugt nicht nur der Geschmack der Aufstriche, sondern vor allem die ehrliche, bodenständige Geschichte der regionalen Herstellung in eigener Fleißarbeit. Am Ende hat die sympathische 56-Jährige die Wahl zwischen Jochen Schweizer und Ralf Dümmel – und entscheidet sich für Letzteren.

Die Schlafweste mit Konditionierungseffekt

Bodenständigkeit bringt auch der Schwabe Marcus Ruoff mit. Er wagt sich mit einer Erfindung in die "Höhle der Löwen", die Langzeitschnarchern den Kampf ansagt und Harmonie in geplagte Schlafzimmer bringen soll. Der Nachtwächter ist eine Schlafweste, die durch einen stark gepolsterten, querliegenden Rückenprotektor die Rückenlage während des Schlafens verhindert. Sieht komisch aus, funktioniert allerdings. Denn 65 Prozent der Betroffenen schnarchen nur in Rückenlage. Eine Position, in die sich – schlafend mit einem eckigen Schaumstoffkasten auf dem Rücken – kaum jemand begeben mag. Sein Wunschdeal: 200.000 Euro für 20 Prozent seiner Firmenanteile.

Und um den versprochenen optimalen Tragekomfort des rucksackähnlichen Produkts zu testen, legen sich Judith Williams und Ralf Dümmel samt Nachtwächter sogar extra ins Bett. Das einhellige Urteil: Die Weste ist unsexy, erfüllt aber ihren Zweck. Anlass zur Hoffnung gibt der Konditionierungseffekt, der nach drei bis sechs Monaten eintreten soll, so dass die Weste im besten Fall danach gar nicht mehr benötigt wird. Ein Dorn im Auge ist jedoch vor allem der hohe Verkaufspreis von knapp 200 Euro und das Risiko, zu einfach kopiert zu werden. Für die Löwen bedient der Nachtwächter außerdem einen Nischenmarkt mit Lautschnarchern. Keine Erfindung für die Masse. Oder etwa doch?

Unternehmer Ralf Dümmel sieht das als einziger Löwe anders. Er bietet 200.000 Euro für 35 Prozent und will den Preis senken, um das Produkt dem Massenmarkt zugänglich zu machen. Ein Deal, den der Schwabe ohne Zögern annimmt. Manchmal macht sich eine gute Idee, gepaart mit Erfindergeist, eben doch bezahlt.