Seife aus Brausetabletten, ein Buggy mit Sattel und ein Handschuh, der ein Frauenproblem löst - bei "Die Höhle der Löwen" überzeugten die Start-ups mit vielen guten Ideen. Doch für einen "Traum-Gründer" hielt Carsten Maschmeyer nur einen von ihnen.

Felix Reek
Eine Kritik
von Felix Reek

Eine Frage, die sich bei "Die Höhle der Löwen" immer wieder stellt, ist: Wie sollten eigentlich Gründer ihre Idee präsentieren? Voller Selbstvertrauen mstrotzend oder doch lieber zurückhaltend und bescheiden? In der vergangenen Folge der Start-up-Show auf VOX geben zwei Kandidaten die Antwort gleich selbst.

Mariam Vollmar zumindest ist sich bei ihrem Auftritt in "Die Höhle der Löwen" sicher, dass sie eine "mega Idee" hat, die die Art und Weise, wie wir sitzen, verändern wird. Im Beruf, im Auto, einfach überall. Sie sprüht geradezu vor Selbstbewusstsein. Ihr Aha-Erlebnis hatte sie im Reit-Urlaub mit ihren Zwillingen. Auf einem Stuhl konnten die Kinder keine zehn Minuten still sitzen, im Sattel über Stunden. Ihr Schluss: Das liegt an dieser Art des Sitzens, die im Gegensatz zu einem Stuhl alle Muskeln fordert.

Maschmeyer ist irritiert: "Das ist Ihr Businessplan, oder was?"

Im Studio dabei hat sie einen Buggy für Kinder, der aussieht wie ein Sattel mit Rollen: der Lucky Loop. Nebendran ein Therapiestuhl mit elektrischem Motor, der ein wenig an einen elektrischen Bullen in Vergnügungsparks erinnert. Ralf Dümmel steigt belustigt auf, wird ordentlich durchgerüttelt, während die anderen Juroren passend dazu die Titelmelodie von "Bonanza" summen. Als es um die Firma selbst geht, bröckelt aber das Selbstbewusstsein von Mariam Vollmar immer mehr.

Mariam Vollmar und Moritz Ernicke (l.) präsentieren mit "lucky loop" eine reitdynamische Sitzfläche. Investor Ralf Dümmel (r.) macht den Praxistest.

650.000 Euro will sie für 15 Prozent ihrer Firma, obwohl keines ihrer Produkte bisher auf dem Markt ist. Sie selbst hat ihr gesamtes Erbe von 1,7 Millionen Euro investiert. Welche Umsätze sie erwartet, wird sie gefragt. Sie leckt sich nervös über die Lippen, schaut zu ihrem Begleiter: "In der ersten Zeit wird das Geld ausgegeben und dann kommt es zurück durch die Verkäufe", antwortet sie.

Carsten Maschmeyer schaut irritiert: "Das ist Ihr Businessplan, oder was?" Georg Kofler muss ihr dann erstmal erklären, wie ein Investment funktioniert. Am Ende steigt keiner der Löwen ein und Vollmar verlässt ohne Deal und mit geknicktem Ego das Studio.

"Die Höhle der Löwen": Damit verdienen die Juroren ihr Geld

Seit 2014 feiert VOX mit „Die Höhle der Löwen" große Erfolge. Die Juroren oder die sogenannten „Löwen“ gilt es mit Erfindungen oder cleveren Geschäftsideen für ein Investment zu überzeugen. Mehrere millionenschwere Unternehmer wechseln sich auf den fünf „Löwen“-Stühlen ab.

"Die Höhle der Löwen": Seife aus Tabletten

Genauso ergeht es auch Ines Pfisterer aus München. Sie hat eine Backmischung entwickelt, bei der es kein Rühren oder Kneten gibt, die "Bierkruste". Die Juroren streiten sich zwar gleich um das Endstück des Probiertellers, sind aber schnell zurück auf dem Boden der Tatsachen. Pfisterer will ihr Start-up zunächst nebenberuflich betreiben, hat nur diese eine Backmischung im Sortiment - und die kostet 6,90 Euro. Da ist selbst ein Brot beim Biobäcker günstiger. "Das ist heute einfach zu wenig", fasst es Judith Williams zusammen. Wieder kein Deal.

Deutlich mehr in Wallung gerät Judith Williams beim Auftritt von Moritz Simsch und Sebastian Jung. "Sause" heißt ihr Produkt, eine vegane Tablette, die in Verbindung mit Wasser zu Seifenschaum wird - das spart Plastik und Transportkosten. Jung ist Chemiker und hat die Tablette am Küchentisch seiner Wohnung erfunden - inklusive einiger Explosionen.

Nils Glagau fehlt das Alleinstellungsmerkmal, da es solche Produkte schon gibt, doch Ralf Dümmel ist überzeugt und will einsteigen. Bis Judith Williams eine flammende Rede hält. "Ihr seid der Hammer", schmeichelt sie den beiden. "Euer Produkt ist nicht nur klasse, es ist eine Innovation", fügt sie hinzu. "Eure Sause verursacht bei mir hohen Blutdruck." Danach kann es eigentlich nur eine Entscheidung geben. Trotzdem lassen die beiden Williams zappeln, während sie sich Luft zuwedelt: "Die Jungs machen mich fertig." Den Deal bekommt sie letztlich doch - und Ralf Dümmel schaut missmutig.

Das legt sich aber bald wieder, denn zumindest bei "Pinky" kann der Löwe am Ende einsteigen. André Ritterswürden und Eugen Raimkulow haben sich in der Bundeswehr kennengelernt und zusammen in einer WG mit vielen Frauen gewohnt. "Wir sind echte Frauenversteher", erklären sie vollmundig. Die Zeit in der WG hat ihre Idee angeregt: "Pinky", ein Plastikhandschuh mit Klebestreifen. Mit dem können Frauen ihre benutzten Tampons einfach entfernen, direkt zusammenrollen und verstauen. Perfekt für unterwegs.

Carsten Maschmeyer: "Heute haben wir einen Traum-Gründer"

Am meisten Begeisterung erntet in "Die Höhle der Löwen" diesmal aber Informatiker Justus Lauten, der auch gleich die Frage klärt, wie man am meisten Eindruck bei den Investoren macht. Lauten hat eine künstliche Intelligenz entwickelt, die errechnet, wie viele Brötchen, Croissants und so weiter Bäcker wirklich pro Tag benötigen. Denn jedes Jahr landen 1,7 Tonnen Überschuss an Teigwaren im Müll.

Seine Software wird an die Kassen angeschlossen und lernt mit jedem Vorgang. Regnet es, werden weniger Brötchen benötigt, an Sonntagen mehr Kuchen, an Sommertagen belegte Brote - genial, finden die Löwen, zumal sich das auf alle Branchen ausdehnen lässt.

Georg Kofler ist so begeistert, dass er nicht einmal verhandeln will - er bietet die gewünschten 120.000 Euro für 20 Prozent Firmenanteile. Doch dann kommt Carsten Maschmeyer, der zu einer Lobeshymne ansetzt: "Ich habe immer gehofft, dass echte künstliche Intelligenz in 'Die Höhle der Löwen kommt.'" Er lobt: "Heute haben wir einen Traum-Gründer. Selbstreflektierend, bescheiden, realistisch, den Mega-Trend KI nutzend, Hammer."

Wenig überraschend macht er das Geschäft. Für Justus Lauten heißt das: alles richtig gemacht, ganz ohne überbordendes Selbstbewusstsein. Mit Bescheidenheit geht es eben auch in "Die Höhle der Löwen" - wenn die Idee stimmt.

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