Trotz Scheidung und verlorener Bundespräsidentenwahl: Richard Lugner ist nach wie vor kein Kind von Traurigkeit. Wo andere 85-Jährige kaum mehr die Geburtstagskerzen auspusten können, packt er flugs eine auserlesene Festgesellschaft zusammen und fliegt zum Feiern nach Mallorca.

Man kann es sich bildlich vorstellen: Sektkorken fliegen durch die ATV-Redaktion, die Chefetage tanzt ausgelassen, es riecht nach Feuerwerk und Gehaltserhöhung. Sogar der Praktikant darf heute mal vom Buffet essen.

Der Grund? Irgendjemand hatte die Idee, Richard Lugner zum 85. Geburtstag Richtung Ballermann zu schicken und daraus einen neuen Reality-Vierteiler zu stricken.

"Die Lugners: Geburtstag am Ballermann" nennt sich die Sause ganz prosaisch, schon in den ersten Sekunden huschen blanke Brüste über den Bildschirm. Eine Stripperin ist sicherheitshalber auch mit an Bord. Irgendwie muss man ja sicherstellen, dass sich nicht heimlich von der Seite ein Fitzerl Würde in den Reigen einschleicht.

Besagte Ausziehexpertin nennt sich Wendy Night und huscht entgegen ihres Namens auch tagsüber durch die Straßen.

Kleinliche Zuseher könnten monieren, dass die Nachtmadame rein gar nichts mit dem Rest der Show zu tun hat – aber vielleicht kann man solch kritische Stimmen damit trösten, dass, wenn sich Frau Night nicht aufopfern würde, Lugner sich selber ausziehen müsste.

Erlesene Gesellschaft

Dafür steht der Rest der grausamen Geburtstagsgang quasi in enger Beziehung zum Baumeister. Gleich drei Ex-Freundinnen hat Lugner im Gepäck: "Bambi" Bruckner und "Käfer" Schönanger, beide im Jahr 2009 an Richards Seite, sowie "Katzi" Sokol, die von 2009 bis 2013 neben ihm zu sehen war. Man kommt sich vor, als würde man die Drummer einer dem Koks nicht ganz abgeneigten Haarmetal-Band aufzählen.

Noch zwei Gestalten wanken als Teil der Entourage mit: Daniela Ried, die sich 2007 im Rahmen der Show "Mörtel sucht das Glück" an Lugner anwanzte, und "Kater" Wüllenweber, der Mann von "Katzi". Es wirkt, als hätte man "The Walking Dead" mit der Klatschspalte der Krone gekreuzt.

Das Gruselkabinett ist noch nicht einmal ins Flugzeug gestiegen, da darf Frau Ried schon die Silikonmöpse von Bambi bewundern. Sie piekt testweise mit dem Finger hinein, dann nochmal, und dann sucht sie nach Worten, um das Gefühl zu beschreiben: "So komisch", tastet sie sich heran. "Wie wenn man eine Kugel anfasst".

Bambi darf derweil die Ärzte auflisten, die dieses Wunderwerk geformt haben, das da aus dem Ausschnitt lugt, als hätte es drei Monate lang keine Miete mehr gezahlt. Schon ist klar, warum Bambi mit von der Partie ist: Ihre Oberweite, vom Kameramann liebevoll umschwärmt, lenkt gekonnt davon ab, dass ständig nur Banalitäten geplappert werden.

Mörtel im Selfie-Rausch

Lugner selbst gibt sich derweil ganz bundespräsidentenhaft und ignoriert die schnatternden Damen um ihn herum. Stattdessen beanstandet er den gekippten Pool der Luxus-Finca, die er für die Reisegesellschaft angemietet hat, und weigert sich auch am Strand, ins Wasser zu gehen, weil er sich ein wenig verkühlt hat.

Für ein wenig Aufmerksamkeit ist der Baumeister dann aber doch noch zu haben: Beim Ausflug auf die Schinkenstraße lässt er sich mit zahlreichen Touristen fotografieren, irgendwann rennt er sogar den jungen Schönheiten nach und radebrecht sie auf Englisch an, um Selfies anzubieten.

Eins der Mädels lehnt mit einem Gesichtsausdruck ab, als wäre sie mit knapper Not einem Lustgreis entkommen.

Beim Frühstück ereilt die Geburtstagsrunde dann eine betrübliche Nachricht: Die zuhause gebliebene Ex-Freundin "Mausi" äußert sich in der österreichischen Presse despektierlich über den Trümmertrupp. "Ich will mir zumindest ein bisschen Niveau behalten", wird sie da zitiert.

Bevor wir zu lange darüber nachdenken, was genau sie da überhaupt meinen könnte, kommt auch schon die Vorschau auf nächste Woche: Da demonstriert Wendy Night endlich ihr berufliches Talent. Happy Birthday, Richard!