ATV geht mit einem neuen Reality-Format an den Start: "Machos & Playboys" porträtiert eine Reihe von Kerlen, die noch ganz klare Grenzen zwischen Mann und Frau ziehen – zum Beispiel, wenn es darum geht, wer befiehlt und wer gehorchen muss.

"Wenn ich sagen würde, sie springt vom Dach, dann springt sie vom Dach", erklärt Ingo die Beziehung zu seiner Freundin Claudia. "Nur: Ich hab' die Notwendigkeit noch nicht darin gesehen, das zu tun". Claudia sitzt daneben und nickt brav. "Es gibt keine Grenze, was ich nicht tun würde", bestätigt sie.

Männer mit Format, Format mit Männern

Ingo ist einer der Männer, die im neuen ATV-Reality-Format "Machos & Playboys" vorgestellt werden. Hier werden halbe und ganze Kerle gezeigt, die ganz klare Vorstellungen von ihrer Rolle als Mann haben: Mann schafft an, Frau gehorcht, Mann hat Spaß, Frau dient zum Spaß, Mann steht im Mittelpunkt, Frau bewundert ihn. Und Ingo ist wie geschaffen für das Format.

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"Durch diese ganze Emanzipationsscheiße", erläutert Ingo seine Weltsicht, "versucht jeder Mann, es jedem – oder auch jeder – rechtzumachen, und verkauft sich nach außen hin gerne wie eine Schwuchtel". Da behaupte noch einer, es gäbe kein Bildungsfernsehen mehr!

Liebe ist Geben und Nehmen

Beim Einkaufen schafft Ingo seiner devoten Freundin an, was sie tragen darf – beziehungsweise soll. Eine durchsichtige Bluse findet sein Gefallen, weil man da "die UKW- und Mittelwelle-Knöpfe sieht". Claudia lächelt geschmeichelt und schaut ihn bewundernd an – selbst, als er noch ein wenig Fremdenfeindlichkeit hinterherschiebt: "Wir sind ja hier nicht bei den Moslems – Gott sei Dank, noch nicht!"

Zahlen darf natürlich Claudia – als Zeichen des Respekts vor ihrem verehrungswürdigen Mann. Der Verdacht drängt sich auf, dass Ingo vielleicht einfach ein Schmarotzer sein könnte, aber er schenkt ihr ja umgekehrt sich selber: "Guck mich an, bin ich nicht perfekt?", fragt er den ATV-Reporter. "Als Gott mich schuf, wollte er angeben".

Partylöwe mag junge Kätzchen

Gegen einen solchen Herren der Schöpfung können die anderen beiden Burschen natürlich nur abstinken. Der 41-jährige Jürgen beispielsweise geht vielleicht als Playboy durch – aber das eigentlich nur, weil er ein Partylöwe ist.

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Er flirtet gerne online mit weitaus jüngeren Frauen, die ihn dann auch gerne mal für ein paar Tage besuchen. So wie die 21-jährige Corinna, die er in der ersten Folge der neuen Serie vom Bahnhof abholt und gleich mal mit zum Umtrunk mit diversen Freundin nimmt. Zwischendurch geht er mit ihr auch in den Stall zum Füttern der Kühe – vielleicht, damit die ATV-Zuseher, die auf diesem Programmplatz noch "Bauer sucht Frau" gewohnt sind, nicht allzu verschreckt werden.

Prost!

Freilich hat Jürgen gewisse Vorstellungen: Jung und knackig sollten sie sein, nicht mehr als 50 Kilo wiegen und bei allem Spaß nicht bis zur Besinnungslosigkeit saufen – das erledigt er selber ja schon. Man sollte vielleicht nicht verschweigen, dass er selber einen höchst umfangreichen Körperbau hat und der Lamborghini, mit dem er die Damen abholt, seinem Vater gehört.

Egal: Irgendwann erzählt die Mutter, dass Jürgen am Ende einer sechsjährigen Beziehung betrogen wurde und seitdem nur noch kurze Flirts sucht. Er selber meint, dass er das Thema Beziehung noch nicht abgehakt hat, aber derzeit halt seinen Spaß haben will. Das macht ihn nicht gleich zum Macho – abgesehen vielleicht davon, dass seine pensionierte Mutter (deren Haare ebenso knallig gefärbt sind wie die von Corinna!) die Wirtschaft führen darf, während er sich mit Corinna betrinkt.

Model im Mittelpunkt

Der dritte im Bunde ist das männliche Model Hans Christian Haas. Warum er in der Sendung ist, ist nicht ganz klar – abgesehen vielleicht davon, dass er gern im Mittelpunkt steht, bei den Frauen sehr beliebt ist und zum Fortgehen gleich zwei Freundinnen mitnimmt.

Ein Playboy also vielleicht noch, aber schwerlich ein Macho – zumal Hans Christian darüber redet, dass er seine Begleitung ausgesucht hat, weil er sie als Menschen schätzt, und durchaus differenziert über Männerbilder spricht. Er fühlt sich sicher genug in seiner Männlichkeit, dass es ihm nichts ausmacht, wenn ihn andere Männer interessant finden.

Aber eigentlich ist der Grund viel banaler, warum das Model mit dem langen Rauschebart einfach nicht neben den göttlich perfekten Ingo passen will: Er ist einfach viel zu sympathisch. Ein durchaus beruhigender Gedanke eigentlich, wenn man es umgekehrt betrachtet: Noch so einen wie Ingo haben selbst die Macher von "Machos & Playboys" nicht gefunden.