In der vierten und letzten Folge von Mörtels Geburtstagsshow ist es endlich soweit: Die Feier des Grauens steht an. Neben einer weiteren Strip-Show müssen Schlagersänger und Ex-Schwiegersöhne ausgehalten werden – und dann darf das Abschiedsständchen von Lugner leider auch nicht mehr fehlen.

Die Menschen in der Redaktion von ATV müssen ein wahrhaft großes Herz haben: Leute, sie sonst eher ein Fall fürs Sondereinsatzkommando wären, finden bei ihnen nicht nur Gehör, sondern kriegen gleich eine ganze Reality-Show verpasst.

Für Richard Lugner und seine Trümmerlotten ließ der Sender sogar ein paar Tickets nach Mallorca springen – aber vielleicht hoffte man ja, der Trupp würde nicht mehr zurückfinden.

Aufgebrochen sind sie, um Mörtels 85. Geburtstag zu feiern – und nebenbei noch das letzte bisschen Verstand in Österreichs in dieser Hinsicht ohnehin nicht üppig bestückter Fernsehkultur gegen den lähmenden Wahnsinn einzutauschen. Gegen Lugners Proll-Karawane wirkt selbst ein Besäufnis am Ballermann wie eine feinsinnige Angelegenheit.

Schon in den letzten drei Folgen machte der Trupp keine Gefangenen: Die Ex-Freundinnen und sonstigen Begleiter von Lugner pöbelten sich an, eine Stripperin wurde erbost nach Hause geschickt, weil sie sich dauernd auszog, und der Kameramann brachte sein Objektiv kaum aus den Dekolleteekluften der verschiedenen Damen heraus.

Und Lugner selbst? Der schleppte sich abgekämpft von einem Selfie zum nächsten Streit – wenn er nicht zum x-ten Mal "I bin da Lugner" krakeelte. Vielleicht fällt das in seinem Alter schon unter Erinnerungsarbeit.

Wo man singt, da wirf dich nieder

In der vierten und gnädigerweise letzten Folge nähert sich nun also die große Festlichkeit. Unendliche Minuten darf man dabei zusehen, wie Lugners Damen Kerzen einkaufen, Luftschlangen aufhängen und Ballons vorbereiten. Eine von ihnen hat aus Knete eine kleine nackte Frau geformt und ist mit Hingabe damit beschäftigt, zwischen den Beinen auch die korrekten Löcher zu bohren.

"Der Lugner ist keine Strip-Show", meinte Mörtel noch vor wenigen Folgen, bevor er Ausziehprofi Wendy Night aus seinem Kuckucksnest vertrieb. Trotzdem kriegt er zum 85. gleich mal eine entsprechende Show geboten: Eine recht umfangreich gebaute Dame gibt ihm mit einer Schweinemaske auf dem Kopf einen Lapdance. Um sein Missfallen anzudeuten, gibt er ihr auch den einen oder anderen Klaps auf den Hintern.

Die Gruselshow geht mit einem Auftritt von Daniela weiter, der vielleicht sinnlosesten Frau aus Mörtels Entourage – angesichts der Besetzung fast schon eine respektable Leistung. Mit blonder Perücke hustet sie "Diamonds Are a Girl's Best Friend" ins Mikro. Lugner ist begeistert – aber als Zuseher befürchtet man, dass in den Schubladen von ATV schon Pläne für eine zehnteilige Reality-Show namens "Daniela singt den Ballermann leer" liegen.

Ein Schrecken ohne Ende

Es folgt ein exklusiver Auftritt des Schlagersängers Lucas Cordalis, der im weißen Anzug schunkelt, als würde er die Heilsbotschaft überbringen. Cordalis ist ein wahrhaft furchtloser Mann, was man schon daran merkt, dass er letztes Jahr ein Weihnachtsalbum mit Daniela Katzenberger aufgenommen hat.

Und noch immer ist die Party des Grauens nicht vorbei: Zu schlechter Letzt taucht auch noch Helmut Werner auf, der beinahe Lugners Schwiegersohn geworden wäre. Nach zwei Jahren mit Lugners Reality-Zirkus stieg er aus der Show aus, weil er sein seriöses Auftreten gefährdet sah – aber offenbar hat er solch absurde Bedenken mittlerweile über Bord geworfen.

Eingeladen hat ihn übrigens keiner – beziehungsweise: Wahrscheinlich wurde er extra von ATV herangekarrt, um ein wenig Stimmung in die schreckliche Runde zu bringen. So beginnt er also brav, die Damen anzupflaumen, wie charakterlos sie seien, wie sinnlos ihre Auftritte in dieser Show wären und wie peinlich ihre Mitwirkung als Reality-Protagonisten sind. Man merkt: Der Mann kennt sich aus.

Am nächsten Tag ist der Horrortrip beinahe zu Ende – aber dann besucht Lugner in einer Disco noch die DJane Micaela Schäfer, die sich gegen die monströse Oberweite von "Bambi" Bruckner prompt im Nachteil sieht.

Sie lädt Lugner zu einem spontanen Auftritt ein – und so steht er wieder vor dem betrunkenen Publikum und grölt "I bin da Lugner". Es steht zu befürchten, dass er das auch die nächsten 85 Jahre noch machen wird.