In Folge Nummer drei von "Das Sommerhaus der Stars" spielt RTL seine jahrelange Trash-TV-Erfahrung aus. Einfach eine alte Feindschaft am Köcheln halten und auf die vulgäre Sprachgewalt der Bewohner setzen. Am Ende kommt für RTL das gewünschte Ergebnis heraus – und eine Antwort auf die Frage, ob es Gott gibt. Was will man mehr.

Christian Vock
Eine Kritik
von Christian Vock

Zwei Folgen. Gerade einmal zwei Folgen. Mehr hat die Besetzung der aktuellen Staffel von "Das Sommerhaus der Stars" nicht gebraucht, um ihr Trash-TV-Leistungsversprechen überzuerfüllen.

Während sich in manch anderen Dussel-TV-Formaten die Bildschirmproleten nach zwei Folgen gerade einmal in ihre viel zu kurzen Skinny-Jeans gesprengt haben, sorgen die Promis im "Sommerhaus" bereits für mächtig Bambule.

Bachelor a. D., Andrej Mangold, sah sich bereits kurz nach dem Einzug einer Spuckattacke von Georgina Fleurs Medienabschnittsgefährten Kubilay Özdemir ausgesetzt. Was folgte war eine tränenreiche Auseinandersetzung mit der Wirkung fremder Körperflüssigen auf die mentale Gesundheit und der gruppenforcierte Auszug von Fleur und Özdemir, noch bevor das Paar die Eskalationsstufe ins Astronomische hätte treiben können.

Zur gleichen Zeit musste Realitystar Andreas Robens erkennen, dass man mehr als nur Alkohol braucht, um TV-Trunkenheit zum Brand-Building einzusetzen. Vom prätentiösen Beschwipst-Esprit einer Claudia Obert war bei Robens abendlichen Einsatz an der Haus-Bar jedenfalls nichts zu sehen, der Eisenbieger war einfach nur voll.

Und weil es diese unangenehme Art von Vollsein war, wollte der Rest der Truppe Robens wieder aus dem Haus haben – was nur durch eine RTL-Intervention verhindert wurde.

"Sommerhaus der Stars": Eva Benetatou zieht ein

Nach diesem Aufgalopp schien RTL den gleichen Fehler wie Sat.1 gemacht zu haben, das seinerzeit bei der Unterhaltungsgrenzen überschreitenden Eskalation bei "Promis unter Palmen" nicht sofort dazwischen gegangen ist. Die Sender sind eben in einer selbstgemachten Zwickmühle: Passiert nichts, dämmern die Zuschauer weg, bucht man aber Reality-Personal, das sich beim Dosieren schwertut, kommt es eben zu Spuckattacken.

Folge drei war nach diesem fulminanten Auftakt jedenfalls ein einziges Trash-TV-Versprechen, zumal RTL das Ganze diesmal auf stolze zweieinhalb Stunden aufblies, so als ob all die Eskapaden nicht in eine reguläre Ausgabe passen würden. Und in der Tat hatte RTL hier bestmöglich vorgearbeitet, damit die Promis gar nicht erst zivilisatorischen Standard an den Tag legen.

RTL füllt die durch den Fleurschen Abgang entstandene Personallücke mit einem ganz besonderen Paar: Eva Benetatou und ihr Verlobter Chris Stenz.

Nach ihren Auftritten bei "Promi Big Brother" und "Promis unter Palmen" kann Benetatou offenbar gar nicht genug von der eigenen Bildschirmpräsenz bekommen, das Prekäre an ihrer "Sommerhaus"-Teilname ist aber, dass sie seinerzeit mit Jennifer Lange um Bachelor Andrej Mangold buhlte. Die beiden haben laut Benetatou sogar während der Show das Laken geteilt und zwar in einem koitalen Sinn.

Dementsprechend fällt Andrejs Erstreaktion nach Kenntnisnahme von Eva Benetatous Ankunft aus: "Oh mein Gott, Alter!" Während die tatsächliche Begrüßung noch den Regeln der Höflichkeit unterliegt, reden sich Andrej und Jennifer abseits langsam in Rage, was auf ihre Mitbewohner abfärbt: "Die Frau muss sich saven, ansonsten ist sie schneller wieder weg, als sie hier war", erklärt YouTuberin Lisha.

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Lisha: "Fick dich, ich bin Krebs!"

Es zeugt von Weitsicht, dass RTL in dieser brisanten Ausgangslage noch ein kleines Brustlöser-Spielchen einstreut. Hierbei müssen die Herren Fragen zur eigenen Beziehung beantworten und den Damen bei jeder falschen Antwort eine übelriechende Soße über den Kopf kippen.

Das Spiel hat in der Vergangenheit bereits Kandidaten und Zuschauer an die Grenzen des Erträglichen gebracht, man erinnere sich nur an das "Trennung, Trennung"-Gezeter von Elena Miras.

Diesmal ist es Lou, der Lishas volle Verbalhärte abbekommt, weil er sie astrologisch als Steinbock einstuft: "Fick dich, ich bin Krebs! Du bist so peinlich, Alter, wirklich. Nee, Mann, nix scheiß drauf! Es ist mein Sternzeichen. Willst du mich verarschen? Damit hast du richtig verkackt."

Es fällt Lisha sichtlich schwer, Lous Sternzeichen-Fauxpas abzuhaken und weil die Soßen auch noch ihre Frisur ruiniert haben, fasst sie die bisherige Show bei ihrem Rückweg maximal poetisch so zusammen: "Das Sommerhaus ist ein Hurensohn!"

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So beziehungsgefährdend das Spiel auch gewesen sein mag, die Kerneskalation haben sich die "Sommerhaus"-Insassen für später aufgehoben. Schließlich hat RTL die Benetatou ja nicht gebucht, damit man ihr beim Soßen-Duschen zugucken kann. Also, nicht nur.

Und so dauert es nicht lange, bis sich die beiden Pärchen in die Wolle kriegen. Es ist die alte Geschichte der verschmähten Liebe, die Team Eva und Team Andrej trotz aller gegenteiligen Beteuerungen doch noch nicht abgeschlossen haben.

Gibt es Gott und interessiert er sich für Annemarie Eilfeld?

"Ich versteh sowieso nicht, wieso sie überhaupt hier ist", gibt sich Jennifer über Evas Anwesenheit ahnungslos, obwohl gerade sie doch die Antwort kennen müsste. RTL hätte natürlich auch jemand anderen einladen können, aber der Kreis der Personen, die bei "Der Bachelor" Sex mit Andrej Mangold hatten und dann in den Wind geschossen wurden, ist doch kleiner, als man denkt.

Warum also hätte RTL diesen Eskalationsherd kaltlassen sollen?
Und weil eine nicht belohnte Liebesnacht bei "Der Bachelor" inzwischen ausreicht, um sich eine Trash-TV-Karriere aufzubauen, will auch Benetatou die Geschichte nicht ruhen lassen. Also treibt Folge drei mit ordentlich Puls bei den Beteiligten auf die Entscheidung zu, wer sich bei einem Luftballonspiel in die nächste Runde retten konnte.

Hier hat Annemarie Eilfeld eine Exklusivmeinung: "Wenn's Gott gibt, dann haben wir gewonnen", glaubt die 30-Jährige. Haben sie aber nicht, was die Frage aufwirft: Gibt es jetzt wirklich keinen Gott und wenn doch, warum interessiert er sich nicht für Annemarie Eilfeld?

Stattdessen gewinnen Eva und Chris, was für Andrej und Jennifer der Worst Case, für RTL aber ein Glücksfall ist. Denn so kann sich die Lage im Sommerhaus in reichlich vergifteter Atmosphäre zu ihrem eigentlichen Höhepunkt hochschaukeln.

Ausgangspunkt sind die beiden Hauptzutaten von Folge drei, Eva und Lisha, die sich wegen einer Zwischenabstimmung in die Haare bekommen. Ein herrlicher Anlass für den Rest der Truppe, all die angesammelten Animositäten in eine Rundumschreierei münden zu lassen. Ob das noch gute Fernsehunterhaltung ist, darf man zu Recht anzweifeln, RTL jedenfalls freut sich ein Loch ins Knie.

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