Das Team um Hauptkommissar Faber jagt erneut den pädophilen Vergewaltiger Markus Graf. Der hat sich dieses Mal die Tochter von Fabers Kollege Pawlak ausgesucht, um Rache zu nehmen. Doch im Gegensatz zur brillanten Ursprungsepisode kommt "Monster" als reichlich plattes Holzhammer-Drama daher.

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Das Monster ist zurück und es hat seine Kumpane mitgebracht: Die Geschäftsmänner, die nebenher mit kleinen Jungs handeln. Die Familienväter, die sich an ihren Töchtern vergreifen. Freundliche Nachbarn, die sich den niedlichen Nachwuchs teilen.

Traurige Fortsetzung für "Auf ewig Dein"

Das Monster ist Markus Graf (Florian Bartholomäi), ein pädophiler Vergewaltiger und Mörder, den Kommissar Faber (Jörg Hartmann) vor sieben Jahren ins Gefängnis gebracht hat – vor genau sechs Jahren, rechnet man in Fernsehzeit, denn die Dortmunder "Tatort"-Folge "Auf ewig Dein" wurde am 2. Februar 2014 erstmals ausgestrahlt.

Sie erzählt die Vorgeschichte zum aktuellen Tatort "Monster", und weil sie außerdem eine der besten der Krimiserie ist, sollte sie sich jeder anschauen, der sie noch nicht kennt. Allerdings wird dann auch deutlich, wie traurig die Fortsetzung an diesem Sonntag ist.

Wieder geht es um ein entführtes Mädchen – diesmal ist es die sechs Jahre alte Tochter von Kommissar Pawlak aus Fabers Team.

Kurz nach ihrem Verschwinden ist Mia in einem stummen Live-Stream im Darknet zu sehen: Während sie sich in einem holzverkleideten Raum wartend an ihr Stofftier klammert, läuft eine Auktion - und potentielle Käufer hinterlassen entzückte Kommentare zur Ware.

"So eine kleine Schönheit war mal in mich verliebt", schreibt einer, "wir hätten eine wunderschöne Zeit". Mit Herz-Emoji. Da steht das Angebot gerade bei 2.600 Euro.

Die Vorgeschichte zu "Monster"

Schon seit ein paar Dortmunder "Tatort"-Folgen wissen wir, dass Graf aus dem Gefängnis geflohen ist. In dem Fall vor sieben Jahren verschwanden junge Mädchen und wurden kurz darauf vergewaltigt tot aufgefunden. Der depressive Zyniker Faber fand auf seinem Schreibtisch das Bild seiner Frau und Tochter, die bei einem Autounfall ums Leben gekommen sind. (Regelmäßige "Tatort"-Zuschauer wissen natürlich, dass der nie ganz aufgeklärte Unfall der Grund dafür ist, warum Fabers Innenleben und seine Umgangsformen ungefähr so aussehen wie sein zerschlissener Parka.)

Nach ungefähr 30 Minuten stand in "Auf ewig Dein" fest, dass Markus Graf der Entführer der Mädchen ist. Der Rest der Folge war das in zeitgenössischen Thrillern so beliebte Katz-und-Maus-Spiel, in dem der Bösewicht dem Helden als gleichwertiger Gegner gegenübersteht: Als Profi fürs Unmenschliche wühlt der Psychopath fachmännisch in den dunkleren Abgründen der Ermittlerseele und hält die Fäden in der Hand – bis sich zeigt, dass ein Team mit wenigstens ein paar bodenständigeren Beamtenseelen dem selbstherrlichen Teufel doch überlegen ist.

Das Thema von "Auf ewig Dein" war Rache: Faber hatte einst Markus Grafs Vater überführt, auch so ein Monster, das den eigenen Sohn früh an seinen Horrorspielen mit jungen Mädchen teilnehmen ließ und sich im Gefängnis erhängte.

Nun bot der Sohn dem Kommissar einen Deal: Wenn Faber ebenfalls Selbstmord begeht, würde er den Ort eines noch lebenden Opfers verraten. "Als Buße", erklärte Graf, Austern schlürfend, dem kaputten Kommissar damals beim Abendessen. Ganz gelassen, so von vereinsamter Seele zu vereinsamter Seele: "Möchten Sie ihrem Leben nicht einen Sinn geben?"

Der Schnösel des Schreckens ist zurück

In "Monster" ist Graf immer noch sehr gut gekleidet, aber noch affektierter in der Wortwahl, noch raffinierter in seinem Vorgehen. Jetzt soll sich Faber für Mia opfern. Der Schnösel des Schreckens will weiterspielen.

Und dann ist da diese junge Frau, die zeitgleich mit Mias Entführung blutüberströmt neben der Leiche eines erstochenen Online-Händlers für Retro-Spielzeug gefunden wird. Nur mit Faber will Evelyn (Luisa-Céline Gaffron) sprechen. Evelyn klingt wie Grafs Sprachrohr, als sie Faber auffordert, auf Grafs Deal einzugehen: "Wenn das Leben keinen Sinn macht, dann sollte man es wenigstens sinnvoll beenden."

"Monster" (unter der Regie von Torsten C. Fischer) nimmt den Faden von "Auf ewig Dein" wieder auf und erzählt von Buße, Vergeltung und Dämonen, die von innen quälen - nur leider ziemlich platt.

Während "Auf ewig Dein" eher wie ein eiskaltes Kammerspiel daherkam, das sich ganz auf die Dialoge zwischen Graf und Faber verließ, um für Schmerz und Schrecken zu sorgen, ist "Monster" eher ein Holzhammer-Drama.

Ständig wird darauf herumgeritten, wozu ganz "normale" Mitbürger fähig sind. Dauernd sehen wir in verstörte Kinder- und schockierte Polizistengesichter. Die Monster quälen, die Opfer leiden, und die Kommissare bestrafen.

Und ausgerechnet Pawlack (Rick Orton), der Vater des entführten Kindes, bleibt verhältnismäßig blass, als wusste das Drehbuch nichts so recht mit ihm anzufangen, da ja alle anderen schon so furchtbar aufgewühlt sind.

Beklemmender Opfer-Täter-Dialog

Am interessantesten ist in "Monster" Fabers sonst so besonnene Kollegin Martina Bönisch (Anna Schudt), die der Fall besonders mitnimmt. Ausnahmsweise einmal sind ihre Ermittlungsmethoden die unkonventionellen, ist sie es, die die Grenzen der Legalität zu überschreiten bereit ist – aber schließlich ist ja auch sie diejenige, die in den hypothetischen Dialogen mit Faber immer die Rolle des Opfers übernimmt, während sich der Zyniker Faber in den Täter hineinversetzt. Auch diesmal hilft den beiden ihr beklemmendes Brainstorming, mit Faber als Graf und Bönisch als Evelyn, um mit dem Fall voranzukommen.

Die Parallelhandlung von der schweigsamen Mörderin Evelyn, die mit Faber im Verhörraum sitzt, eine blutverschmierte Rachegöttin in steriler Gefängniskluft, könnte eine faszinierende Perspektive auf die Traumata von Gewaltopfern liefern, wird aber wie so vieles in "Monster" vor allem für extra Schockeffekte ausgeschlachtet – und ist zuständig für die küchenpsychologischen Erklärmonologe an den Zuschauer.

Evelyn ist eines dieser hyperreflektierten Fernseh-Opfer, die dafür, dass sie ihr ganzes junges Leben lang in abgelegenen Verstecken misshandelt wurden, erstaunlich analytisch über Täter-Opfer-Beziehungen fachsimpeln können.

Und so bleibt "Monster" als überzeichnetes Designer-Drama in Erinnerung, das trotz seiner Drastik seltsam kalt lässt.

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