Im "Tatort: Falscher Hase" drehte sich die Handlung um die Seltenen Erden. Das Ehepaar Lohmann versuchte, über einen fingierten Diebstahl dieser Metalle seine Versicherung zu betrügen. Doch was verbirgt sich eigentlich hinter dem Begriff "Seltene Erden"? Wie selten sind die Rohstoffe wirklich und wofür werden sie benötigt?

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Die wichtigsten Fragen und Antworten zu den "Seltenen Erden" im Überblick:

"Tatort" aus Frankfurt: Was sind Seltene Erden?

Unter Seltene Erden wird eine spezielle Gruppe von 17 Metallen verstanden. Zu ihnen zählen die Elemente Scandium, Yttrium und Lanthan, sowie 14 im Periodensystem auf das Lanthan folgende Metalle – die sogenannten Lanthanoide, die sich zwischen den Ordnungszahlen 57 und 71 finden. Unter ihnen befinden sich Elemente wie Neodym, Europium und Thulium.

Entdeckt wurden die "Seltenen Erden" erstmals Ende des 18. Jahrhunderts von einem schwedischen Offizier in einer Mine nahe der Gemeinde Ytterby. Aus dem Fundort leitet sich der Name des Elements ab: Ytterbium.

Wirklich selten sind Seltene Erden allerdings nicht – im Gegenteil. Viele von ihnen kommen in der Erdkruste häufiger vor als Gold. Nur das radioaktive Promethium, 1945 als Spaltprodukt von Uran entdeckt, kommt in der Erdkruste selten vor.

Wo kommen "Metalle der Seltenen Erden" her?

Was Seltene Erden tatsächlich selten macht, sind wirtschaftlich rentable Förderstätten für die Metalle. Der Frankfurt-"Tatort" deutet auch an, wo sich die meisten dieser Fördermöglichkeiten befinden: in China.

Rund 70 Prozent des weltweiten Bedarfs stammen von dort, genauer gesagt aus dem Autonomen Gebiet Innere Mongolei der Volksrepublik China.

Eine der größten Minen für die Metalle ist der Bayan Obo Minendistrikt, der rund zehn Autostunden nordwestlich von Peking liegt. Die Vorkommen für Seltene Erden gelten als die größten der Welt, zwischen einem Drittel und 50 Prozent der in China jährlich geförderten Menge der Rohstoffe stammen von dort. Teilweise werden die Metalle dort sogar im Tagebau gefördert.

Wie auch im "Tatort" angedeutet, existiert ein globaler Schwarzmarkt für Seltene Erden, auf dem meist illegal abgebaute Rohstoffe gehandelt werden. Laut einer US-Untersuchung von 2016 sollen rund 40 Prozent der chinesischen Produktion an Seltenen Erden aus illegalen Quellen stammen.

Seltene Erden als Waffe in internationalen Konflikten

China hält das Monopol auf die Förderung der begehrten Rohstoffe – und verfügt somit über ein scharfes Schwert in weltweiten Handelskonflikten, insbesondere mit den USA. Noch 2017 deckten die Vereinigten Staaten rund 80 Prozent ihres Bedarfs mit Importen aus der Volksrepublik – inzwischen ist der Wert auf knapp 60 Prozent gesunken.

Sollte China einen Exportstopp auf Seltene Erden für die USA verhängen, könnte das Riesenreich die US-Wirtschaft empfindlich treffen.

Schon einmal hat China in der Vergangenheit seine Vorkommen als Waffe in internationalen Konflikten eingesetzt. Zwischen 2010 und 2015 drosselte die Volksrepublik in einem Streit mit Japan um eine Inselgruppe seine Exporte, die Preise für die Metalle schossen auf dem Weltmarkt in die Höhe.

Kommen Seltene Erden außerhalb von China vor?

Die Chinesen mussten in der Folge allerdings beobachten, dass durch ihre Exportpolitik andere Vorkommen auf der Welt rentabler wurden – und die Preise für Seltene Erden mit der Ausbeutung dieser Lagerstätten wieder fielen.

China mag der größte Förderer von Seltenen Erden sein. Gemessen an den Gesamtvorkommen sitzt es laut dem US-Kartografieinstitut U.S. Geological Survey aber nur auf rund 37 Prozent der weltweiten Vorkommen.

Vorräte an Seltenen Erden kommen etwa in den USA und Kanada vor. Auch in Russland, Brasilien, Indien oder Australien finden sich größere Lagerstätten für die Rohstoffe.

In Deutschland werden die Rohstoffe in letzter Zeit immer häufiger gefunden – nur nicht zwingend in der Erde. Gadolinium zum Beispiel findet sich laut einem Bericht des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) in Abwässern von Krankenhäusern. Dort wird es Patienten in Form von Kontrastmitteln gespritzt.

Wie teuer sind Seltene Erden?

Der Frankfurt-"Tatort" nennt in den 90 Minuten eine einzige Zahl, die den Wert der Seltenen Erden beziffern soll. Etwa 500 Euro soll ein Kilogramm der Metalle wert sein. Um welches Metall es sich dabei genau handelt, gibt der "Tatort" nicht preis, lediglich einen weiteren Anhaltspunkt bekommt der Zuschauer. Die Metalle würden so verarbeitet, dass die Lichtausbeute von Solarzellen steige.

Eines wegen seiner guten Stromleitereigenschaften in der Solarzellenproduktion verwendeten seltenen Metalle ist Indium – der Preis pro Tonne für den Rohstoff liegt aktuell bei rund 470 Euro das Kilogramm. Ein Kilogramm Gallium, ein Grundstoff für die Herstellung von Solarzellen, schlägt auf dem Weltmarkt mit rund 370 Euro zu Buche. Der im "Tatort" veranschlagte Preis scheint also zunächst realistisch.

Allerdings zählen beide Rohstoffe nicht zu den klassischen Seltenen Erden, sondern kommen einfach nur selten in der Erdkruste vor. Ein Rohstoff, der tatsächlich dazu zählt und im Solaranlagenbau verwendet wird, ist Neodym. Dessen Preis liegt allerdings aktuell bei nur rund 70 Euro pro Kilogramm.

Wofür benötigt die Industrie Seltene Erden?

Seltene Erden werden nicht nur in der Solartechnik benötigt. Tatsächlich kommen die Metalle in einer Vielzahl von Industriezweigen zum Einsatz. Yttrium etwa findet sich in Leuchtstofflampen, LCD- und Plasmabildschirmen sowie LED-Lampen.

Lanthan auf der anderen Seite kommt in der Herstellung von Hybridautos, Katalysatoren und Brennstoffzellen zum Einsatz. Und für den Bau von Windkraftanlagen sind zum Beispiel Dysprosium und Neodym unerlässlich. (pcl)  © spot on news

"Tatort": Weniger Folgen mit zehn Millionen Zuschauern

Die Zahl der "Tatort"-Folgen mit mehr als zehn Millionen Zuschauern bei der TV-Ausstrahlung ist im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Während 2018 bis zur Sommerpause neun Krimis die Zehn-Millionen-Marke knackten, waren es dieses Jahr bislang nur drei.