Die Kommissare Eisner und Fellner untersuchen den Mord an einem Alternativmediziner. In "Krank" geht es um Behandlungsmethoden, die wenig Kontrollen unterliegen und mitunter zu erschütternden Ergebnissen führen können – wir erklären ein paar Hintergründe.

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Tatort aus Wien: Was bedeutet Medicina Lenia?

Das Zentrum für alternative Medizin, das im Mittelpunkt von "Krank" steht, heißt "Medicina Lenia", was aus dem Lateinischen kommt und sich mit "Sanfte Heilkunst" übersetzen lässt: "Medicina" kann sowohl Heilkunst als auch Heilmittel bedeuten; "lenis" übersetzt das Pons Wörterbuch mit "sanft, mild, ruhig fließend".

Hat der Tod der fünfjährigen Rosa ein reales Vorbild?

In "Krank" stand der erschossene Peter Simon vor Gericht, weil er seiner Tochter nach einer Streptokokkeninfektion mit Naturheilmitteln behandelte, die sich als wirkungslos erwiesen. Ähnliche Fälle tauchen regelmäßig in den Medien auf. Diese Geschichte erinnert an einem Fall, der 2017 in Italien Aufsehen erregte.

Wie das Deutsche Ärzteblatt berichtete, entwickelte sich die Infektion eines siebenjährigen Jungen wie im "Tatort" zu einer Mittelohrentzündung. Seine Eltern lehnten Antibiotika ab und ließen ihn nur mit homöopathischen Mitteln behandeln. Erst als er das Bewusstsein verlor, brachten sie ihn in ein Krankenhaus, wo er starb.

Die Staatsanwaltschaft in Ancona ermittelte daraufhin gegen den Homöopathen wegen fahr­lässiger Tötung. Auch gegen die Eltern wurden Ermittlungen eingeleitet.

Was ist ein Humanenergetiker?

Das Praxisschild von Peter Simon weist ihn als Spezialisten für die "Aktivierung und Harmonisierung körpereigener Energiefelder und energetisch-spirituelle Heilarbeit" aus. Kommissar Eisner hat Recht: Humanenergetiker wird man, indem man sich so nennt und einen Gewerbeschein erwirbt, der einen als solchen ausweist.

Die Tätigkeit gehört in Österreich zu den "Gewerben, für die kein Befähigungsnachweis erforderlich ist", die lange Liste der freien Gewerbe enthält als Tätigkeitsbeschreibung nur "Hilfestellung zur Erreichung einer körperlichen und energetischen Ausgewogenheit". Das kann unter anderem durch Bachblüten, Feng Shui, Reiki, Musik, Edelsteine oder "durch Berücksichtigung von Planetenkonstellationen und lunaren Energien" geschehen.

Das Dokument des Bundesministeriums für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort (BMDW) will keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben, damit "dem Ideenreichtum der Unternehmerinnen und Unternehmer" durch die Liste "keine Grenzen gesetzt" werden.

Zu den prominenteren österreichischen Humanenergetikern gehört die Politikerin Margarete Schramböck, die 2018/19 für die Regierungspartei ÖVP Bundesministerin des BMDW war. Auch der Kärntner Landtagsabgeordnete Gerhard Köfer entdeckte nach einer Behandlung seine eigene Begabung: "Ich bin kein Wunderheiler, aber ich kann Menschen helfen", sagte er 2014 dem "Kurier", "das ist das Schönste und vielleicht werde ich irgendwann in ferner Zukunft ausschließlich als Energetiker arbeiten."

In Deutschland nennen sich Energetiker häufiger Heiler, aber es finden sich auch Humanenergetiker und private Institute, die eine Ausbildung anbieten - sie orientieren sich am österreichischen Modell.

Warum dürfen Energetiker dann Kranke behandeln?

Dürfen sie streng genommen nicht. Wer nicht Arzt oder Heilpraktiker ist (ein Beruf, der strengeren Regeln unterliegt), darf keine Diagnosen im klinischen Sinne stellen.

Es geht Energetikern darum, durch energetische Ausgeglichenheit die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren. Sie müssen ihre Kunden ausdrücklich darauf hinweisen, dass ihre Behandlung nicht das Aufsuchen von Heilpraktikern und Ärzten ersetzt. Das tun sie schon allein deshalb, um sich rechtlich abzusichern.

Kunden müssen vor der ersten Behandlung bei einem Energetiker ein Papier unterschreiben, demzufolge ihnen klar sei, dass "die energetische Hilfestellung keinerlei Ersatz für ärztliche Diagnose und Behandlung" stelle und "auch keinerlei Ersatz für psychologische oder psychotherapeutische Behandlung oder Untersuchung. Sämtliche Aussagen und Ratschläge sind keine Diagnosen, sondern stellen reine energetische Zustandsbeschreibungen dar".

Da ein menschliches Energiefeld naturwissenschaftlich nicht erklär- oder beweisbar ist, wird von der Humanenergetik "auch kein Anspruch auf wissenschaftliche Nachweisbarkeit oder Beweisbarkeit erhoben", so das Informationsblatt der österreichischen Wirtschaftskammer.

Was hat es mit Bibi Fellners Kirchenchor auf sich?

In "Krank" führt Bibi Fellner Moritz Eisner in eine Kirche, um ihm ein Bild zu zeigen. Dabei handelt es sich um ein Judasbild in der römisch-katholische Votivkirche, nach dem Stephansdom die zweithöchste Kirche Wiens.

Eisner ist überrascht zu hören, dass die Kollegin in einem Kirchenchor singt, obwohl sie sich als Atheistin bezeichnet. Das ist einer der Aspekte der vielschichtigen Figur der Bibi Fellner, die einige Parallelen zur Darstellerin hat. Der ARD erzählte Adele Neuhauser im Interview von den nächtlichen Dreharbeiten für "Krank": "Der Chorgesang erfüllte das Kirchenschiff – ein magischer Moment. Ich fühlte mich an meine Kindheit erinnert, als ich anlässlich des Besuches unserer Schulklasse bei Kardinal König im Stephansdom das 'Ave Maria' singen durfte."

In ihrer Autobiographie schreibt Neuhauser, wie sie beim Besuch einer Kirche zufällig in die Probe eines Knabenchors geriet und die "engelhaften" Stimmen hörte: "In diesem Augenblick dachte ich: 'Jetzt hat er mich kurz erwischt, der liebe Gott!' Solche erhebenden Momente nehme ich gerne an, woran ich aber eigentlich glaube, ist die Liebe zu den Menschen per se, an diese positive und ansteckende Energie, die uns alle auf dieser Welt verbindet."

"Tatort": Alles Schimanski-Folgen zum 50. Jubiläum

Horst Schimanski ist der beliebteste "Tatort"-Kommissar überhaupt. Götz George spielte zehn Jahre lang den ruppigen Ruhrpott-Ermittler mit Herz. Zum 50. Jubiläum der Krimi-Reihe werden alle Filme mit dem Kommissar noch mal ausgestrahlt.