Die ATV-Show über viel zu junge Eltern geht in die zwölfte Runde. Mit dabei sind wieder einige Protagonisten der vorigen Staffeln – darunter Melanie und Andi, die sich gezielt ins Beziehungsende streiten. Marcel dagegen startet mit neuer Freundin durch, solange er noch jung genug für die Sendung ist.

Eine Kritik
von Christian Genzel, Freier Autor

Melanie und Andi sitzen sich an einem Restauranttisch gegenüber, die Kamera lässt beide wie beim Duell wirken. Immerhin diskutieren sie ja aber auch über ihr Beziehungsende! "Ich sehe keine Zukunft mehr", knallt Andi Melanie vor den Latz – und weil die Worte gar so garstig sind, hört man sie noch ein paar Mal als Echo widerhallen, damit man ihre Tragweite auch ja versteht.

Herzlich willkommen zur sage und schreibe zwölften Staffel von "Teenager werden Mütter", der ATV-Show über lauter junges Gemüse, das viel zu früh mit dem Nachwuchs beginnt. Wenn die Show noch ein paar Staffeln durchhält, könnten die Babys der ersten Staffel auch selber schon wieder Kinder kriegen.

Keine Zukunft für Melanie und Andi

Es wird auch höchste Zeit mit neuen jungen Protagonisten: Melanie und Andi sind nämlich überhaupt keine Teenager mehr – und Mütter werden sie auch nicht. Das Paar geistert mitsamt Tochter schon seit der siebten Staffel durch die Sendung, damit wir an all ihren Lebensfreuden von Heiratsantrag bis hin zu Melanies Silikonbrüsten teilhaben können.

Geschlagene elf Staffeln lang beglückt uns ATV schon mit dem Format "Teenager werden Mütter", pünktlich zum Jahresbeginn droht der zwölfte Durchgang. Zur Einstimmung wird in einer Spezialsendung ein "Best of" der bisherigen Folgen präsentiert. Oder ein "Worst of", so genau kann man das nie sagen.

Und jetzt sieht Andi leider keine Zukunft mehr. Eigentlich hat er Glück: Melanie nämlich auch nicht. Sie stimmt ihm quasi zu und betrachtet die Angelegenheit als erledigt – was ihn wiederum auf die Palme bringt. "Was soll ich jemandem hinterherlaufen, der mich eh nicht mehr will?", erklärt sie durchaus plausibel.

"Da hast du recht", zischt er in betont kontrolliertem Tonfall und schaut starr geradeaus. Überhaupt wirkt er so gezwungen ruhig, dass bald sogar Hannibal Lecter seine Kinder in Sicherheit bringen würde.

Was genau ist denn eigentlich schiefgegangen? Lieber nicht fragen: Einfach alles. Sie schaut permanent auf ihr Handy, was er als höchst provokativ empfindet, während sie eher unzufrieden ist, dass er seinen Job gekündigt hat und tagelang vor der Playstation sitzt. Erwachsenenprobleme halt.

Nachwuchs mit Mengenrabatt

Und noch mehr bekannte Gesichter tauchen auf – die wenigstens noch nicht die 20 erreicht haben: Kerstin und Marcel, die nach zwei gemeinsamen Kindern wieder getrennte Schatten werfen.

Kerstin allerdings sieht man nur noch mit einem einzelnen Kinderwagen durch den Park laufen. Das andere Kind hat sie zu einer Pflegefamilie gegeben, weil sie sich überfordert fühlte. Jetzt hat sie wieder etwas mehr Zeit für sich und das ATV-Kamerateam und kann herzhaft beim Spaziergang über ihren unbrauchbaren Ex schimpfen.

Der hat mittlerweile eine neue Flamme namens Vanessa, die selber schon zwei Kinder hat und jetzt vom 19-jährigen Marcel ihr drittes erwartet – für ihn ist es dagegen schon das vierte. Vielleicht sollte der Fernsehsender aufhören, ihn mit ständig neuen Folgen zu ermutigen.

Immerhin ist der Bursche mittlerweile entspannter als früher. In einer vorigen Staffel brauchte er noch Beistand von seinem Schatz, weil schon wieder ein Mädchen gezeugt hatte: "Ich hab' die urmännlichen Hormone, aber kein einziges männliches Kind in mir!", jammerte er da. Mit der neuen Mama wäre ihm ein viertes Mädchen aber mittlerweile auch recht.

Am Ende der Folge sitzen Melanie und Andi übrigens immer noch im Lokal – nur der Tonfall ist dann doch nicht mehr so ruhig. "Nur wegen dir ist die Familie nicht mehr zusammen", wirft sie ihm vor. "Du bist für mich ein provokantes Arschloch", meint er.

Zugegeben: Da sehen wir auch keine Zukunft mehr. Aber noch acht weitere Folgen!