Zum Tod von "Rosenheim-Cop" Joseph Hannesschläger: Der Mensch hinter Kommissar Hofer

In mehr als 45 Theaterstücken und fast 40 Kino- und TV-Produktionen spielte der Ur-Bayer mit. Bekannt wurde Joseph Hannesschläger aber mit der ZDF-Vorabendserie "Die Rosenheim-Cops". Am 20. Januar 2020 erlag er einem unheilbaren Krebsleiden. © 1&1 Mail & Media/spot on news

Geboren wurde Joseph Hannesschläger am 2. Juni 1962 in München. Er absolvierte zunächst eine Ausbildung als Koch, bevor er Ende der 80er Jahre die Schauspielausbildung antrat. Seine ersten Engagements bekam er beim Theater, später wandte er sich dem Kabarett zu.
Seine erste TV-Rolle im Film “Leporella“ (1991) war so klein, dass er noch nicht mal im Abspann erwähnt wurde. Das sollte sich natürlich ändern. So tauchte er unter anderem 1997 mehrmals in “Der Bulle von Tölz auf“, wirkte im gleichen Jahr bei “Tatort“ mit und erhielt eine größere Rolle in der RTL-Serie “Sinan Toprak ist der Unbestechliche“ (1999, Bild).
Auch den Sprung ins Kino sollte er schaffen: 2001 spielte Hannesschläger einen Barmann in Michael “Bully“ Herbigs Kultfilm “Der Schuh des Manitu“.
Im Jahr 2002 wurde es Zeit für seine Paraderolle. Am 9. Januar lief die erste Folge “Die Rosenheim-Cops“ über die TV-Bildschirme. Im Zentrum des Ermittlergeschehens: Joseph Hannesschläger alias Kriminalhauptkommissar Korbinian Hofer an der Seite von Kollege Ulrich Satori (Markus Böker).
Fast alle Folgen beginnen damit, dass eine Person – meist Sekretärin Frau Stockl – eine Leiche entdeckt und ausruft: “Es gabat a Leich!“ Worauf sie oder der andere Finder zu Hofer eilt und ihn beim Essen stört.
Hofer betreibt nebenbei mit seiner Schwester Marie (Karin Thaler) einen Bauernhof, sodass seine beiden Berufungen immer wieder zu Komplikationen führen. Dieser amüsante Spagat sorgt in der Serie immer wieder für einen gewissen dramaturgischen Clou. Auch weigert er sich, ein modernes Smartphone zu benutzen.
2011 musste Hannesschläger wegen einer Beinverletzung pausieren, worauf seine Serien-Figur kurzerhand für den Bauernverband durch die Weltgeschichte geschickt wurde.
Hannesschläger war sozial sehr engagiert, darunter für die Aktion “Weihnachten im Schuhkarton“ des Vereins “Geschenke der Hoffnung“ oder die Münchner Tafel (Bild). Politisch stand der Bayer der SPD und den Grünen nahe, die er immer wieder bei öffentlichen Wahlkampfveranstaltungen unterstützte.
Mit seiner Stimmungs-Band “Discotrain“ brachte Hannesschläger Songs wie “Bayerisch, aber funky“ oder den Wiesnhit “RadlMadl“ heraus.
Im Sommer 2018 heiratete er seine Lebensgefährtin Bettina Geyer. Im Interview mit “Bunte“ offenbarte er: "Sie ist meine Superheldin, sie leistet Übermenschliches. Wie sie mir hilft, ist unglaublich" (...) Ich bin froh, diese Liebe gefunden zu haben.“
Gut ein Jahr später machte Hannesschläger seine unheilbare Krebserkrankung öffentlich. Der Tumor hatte bereits so weit gestreut, dass er nur noch palliativ behandelt werden konnte. Die letzten Wochen hatte er laut Medienberichten in einem Hospiz verbracht.
Noch im Dezember 2019 verkündete er auf der Premiere seines letzten Films “Schmucklos“: "Grämt euch nicht. Genießt jeden Tag. Es kann mal zu spät sein." Dem Tod sehe er gefasst entgegen, wie er in weiteren Interviews betonte.
Über 17 Jahre war Hannesschläger als sympathisches Polizei-Schwergewicht im ZDF zu sehen, in Folge 446 hatte er schließlich seinen letzten Auftritt. Hofer war die Rolle seines Lebens.