Die Chancen von Karl-Heinz Grasser stehen schlecht: Zumindest nach Ansicht des Weisungsrats ist eine Verurteilung des ehemaligen Finanzministers wahrscheinlicher als ein Freispruch. Zudem drohen weitere Anklagen.

Der Weisungsrat hat der Anklage gegen Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser zugestimmt - vornehmlich wegen des Gesamteindrucks, der sich aus den Ermittlungen ergeben hat.

Nicht nur Karl-Heinz Grasser landet in Causa vor Gericht.

Ausschlaggebend gewesen sei "das Bild, das sich ergibt, wenn man sich die Angelegenheit von Anfang bis zum Ende ansieht", sagte der Vorsitzende des Gremiums, Werner Pleischl, in der Nacht auf Freitag in der ZiB24. "Es geht um verschiedene Gespräche, Zahlungsweisen, Konten, die weiter transferiert werden, die man in Zusammenhang setzen muss mit anderen."

Verurteilung wahrscheinlicher als Freispruch

Letztlich sei der Weisungsrat zur Einschätzung gekommen, dass die Wahrscheinlichkeit einer Verurteilung von Grasser höher sei als die eines Freispruchs.

Pleischl zufolge haben die drei Mitglieder des Weisungsrats die Unterlagen - über 1.000 Seiten, darunter 830 Seiten Anklageentwurf - getrennt voneinander durchgearbeitet und sich danach gemeinsam zur Anklage entschlossen.

Pleischl entschuldigt sich für lange Ermittlungen

Was Sie über den Buwog-Skandal wissen sollten.

Der Ratsvorsitzende entschuldigte sich in der ZiB24 für die sieben Jahre dauernden Ermittlungen. Er verstehe, dass sie eine schwere Belastung für die Betroffenen bedeutet hätten.

Die Ermittlungen seien komplex gewesen, man müsse "penibel Punkt für Punkt nachweisen", was den Beschuldigten vorgeworfen werde. Durch einen Fehler hätten zudem Verfahrensteile wiederholt werden müssen - an sich wäre man in vier Jahren fertig gewesen.

Grasser drohen weitere Anklagen

Ex-Finanzminister Grasser könnte nicht nur in der Buwog-Affäre und der Causa Terminal Tower Linz vor Gericht landen: In einem Finanzstrafverfahren sowie in den Causen Novomatic und Post-Privatisierung wird noch gegen ihn ermittelt. Das bestätigte die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) dem "Standard". (ank)