• Im Fall des in finanzielle Not geratenen Energieversorgers Wien Energie sieht Anton Pelinka einen Fehler bei Wiens SPÖ-Bürgermeister.
  • Dem SPÖ-Kenner fehlte zudem die "Bereitschaft zur Selbstkritik".

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Der renommierte Politologe und intime SPÖ-Kenner Anton Pelinka sieht in der Causa Wien Energie den "ersten schweren Fehler" von Wiens SPÖ-Bürgermeister Michael Ludwig. "Dass er nicht rechtzeitig erkannt hat, dass da etwas explodieren kann, was der Wiener SPÖ und ihm nun auf jeden Fall auf den Kopf fallen wird", sagte Pelinka im APA-Gespräch. Er könne sich nicht vorstellen, wie Ludwig "das übersehen konnte", so Pelinka.

Der Wiener Bürgermeister hätte zudem "von sich aus in die Offensive gehen", eine Pressekonferenz geben und erklären müssen, dass da ein Fehler seitens des Wiener Energieversorgers passiert sei und man nun alles tun werde, um die Nachteile in Grenzen zu halten.

Pelinka in Causa Wien Energie: "Das schadet der Wiener SPÖ"

Pelinka fehlte zudem die "Bereitschaft zur Selbstkritik" sowie das "Angebot zur Kooperation mit dem Bund" und ortete eine gewisse Abgehobenheit der Stadt-SPÖ. "Die Botschaft hätte nicht von ÖVP-Finanzminister Magnus Brunner kommen müssen, sondern vom Wiener Bürgermeister", sah Pelinka stark mangelndes Krisenmanagement des Stadtchefs, der bis zu der Causa erfolgreich agiert habe. So könne die Bundes-ÖVP diese Dinge in Wahrheit politisch "mit Genuss betrachten", meinte Pelinka, der über Jahrzehnte mit den Vorgängen der heimischen Innenpolitik bestens vertraut ist und lange an der Universität Innsbruck lehrte.

"Das schadet der Wiener SPÖ. Und es wird auch nicht so schnell wieder weggehen", zeigte sich Pelinka überzeugt. Eine negative Auswirkung auf die Bundes-SPÖ sah der Politikexperte vorerst nicht und erinnerte an die Causa Bawag im Jahr 2006, als die SPÖ wenige Monate nach Auffliegen des Skandals überraschend die Nationalratswahl mit Alfred Gusenbauer für sich entschied. Als möglicher Kanzlerkandidat würde Ludwig, der dies ohnehin bereits ausgeschlossen hatte, aber nun - mit der Wien Energie-Causa im Gepäck - auf jeden Fall nicht mehr in Frage kommen. Aber der Wiener Bürgermeister sei ohnehin "von vornherein so klug gewesen, sich selbst aus dem Rennen zu nehmen", so Pelinka.  © APA