Der rätselhafte Fall des O.J. Simpson

O.J. Simpson war eine lebende NFL-Legende, bis der 17. Juni 1994 alles veränderte: Von Dutzenden Polizeiwagen und zahllosen Reportern verfolgt, floh er live im US-TV vor den Behörden. Danach folgte ein Mordprozess, der die Gesellschaft spaltete.

Verfolgt von Dutzenden Polizeiwagen und unzähligen Reportern flieht der Footballstar O.J. Simpson am 17. Juni 1994 in einem weißen Ford Bronco (Vordergrund) vor den Behörden. Kurz zuvor war Haftbefehl gegen ihn erlassen worden.
Simpson war zu diesem Zeitpunkt dringend tatverdächtig, seine Ex-Frau Nicole Brown Simpson und den Kellner Ron Goldman ermordet zu haben.
Erst nach mehreren Stunden war O.J. Simpson bereit, sich festnehmen zu lassen. Hier wird er nach seiner Flucht von Beamten zur Befragung auf das Polizeirevier gefahren.
Bereits am 20. Juni fand die ersten Anhörung vor Gericht statt. O.J. Simpson wurde des vorsätzlichen Mordes angeklagt. Der Footballstar plädierte "auf nicht schuldig" und setzte 500.000 US-Dollar Kopfgeld auf die Ergreifung der "wahren Täter" aus.
Das Interesse der Medien und der Öffentlichkeit an dem Fall war immens. O.J. Simpson war eine lebende NFL-Legende. Er durchbrach als erster Spieler die 2.000-Yards-Marke in einer Saison und wurde später in die Football Hall of Fame aufgenommen.
Nach seiner NFL-Karriere zog es ihn auf die große Leinwand (wie hier in "Die nackte Kanone"). Ursprünglich war Simpson sogar für eine Rolle vorgesehen, die dann einen Österreicher zum Weltstar machte: O.J. sollte die Rolle des "Terminator" übernehmen, doch Regisseur James Cameron entschied sich schließlich für Arnold Schwarzenegger.
Der eigentliche Strafprozess gegen Simpson begann am 22. Juli 1994 und wurde live in die amerikanischen Wohnzimmer übertragen.
Die Öffentlichkeit war zutiefst gespalten. Viele, vor allem schwarze Amerikaner, warfen dem Justizsystem Rassismus vor. Dass im Laufe des Prozesses auch rassistische Verfehlungen der ermittelnden Beamten öffentlich wurden, verstärkte die Befürchtungen noch weiter.
Am 3. Oktober 1995 dann die Sensation: O.J. Simpson wird von der zwölfköpfigen Jury von allen Anklagepunkten freigesprochen. Er verlässt das Gericht als freier Mann. In einem anschließenden Zivilverfahren wurde Simpson dennoch schuldig gesprochen und zur Zahlung von über 33 Millionen Dollar an die Opferfamilien verpflichtet.
Es war nicht das letzte Mal, dass Simpson vor Gericht erscheinen musste: Im Jahr 2008 wurde er wegen Bewaffneten Raubüberfalls zu 9 bis 33 Jahren Haft verurteilt. Er hatte am 13. September 2007 mit Komplizen zwei Sammler von Fan-Artikeln mit Waffengewalt zur Herausgabe von Erinnerungsstücken gezwungen. Zuvor ...
... war sein Buch "If I Did It" erschienen. Darin beschreibt Simpson, wie er die Morde begangen hätte, wäre er der Mörder. Viele Experten sahen in der Veröffentlichung in indirektes Schuldeingeständnis.
Im Jahr 2017 wurde Simpson schließlich auf Bewährung entlassen. Die Morde an Nicole Brown Simpson und Ron Goldman sind bis heute nicht aufgeklärt.