Zugegeben, die Vorstellung klingt ziemlich gruselig: ein Ort, an dem unzählige tote Körper unter freiem Himmel herumliegen. Die Rede ist hier nicht etwa vom Schauplatz eines Horrorfilms, sondern von einer Body Farm. Was das ist, was genau dort passiert und weshalb es so etwas gibt, erklären wir hier.

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Ein Leichenfund wirft immer viele Fragen auf. Aus diesem Grund untersuchen Gerichtsmediziner den Verwesungsprozess von Leichen in einer sogenannten Body Farm. Dabei handelt es sich um ein Gelände, auf dem die Zersetzung menschlicher Leichen an der freien Luft beobachtet und ausgewertet wird. Denn je nach Klima oder Temperatur verwesen sie schneller, langsamer oder schlichtweg anders.

Auf einer Body Farm können die Rechtsmediziner außerdem die Fundorte von Toten nachstellen. Dadurch gewinnen sie Erkenntnisse für Kriminalfälle, etwa die Todesumstände oder den Zeitpunkt des Todes.

Body Farmen in den USA und den Niederlanden

Bisher gibt es Body Farmen nur im Ausland. Das größte dieser Freiluft-Labore existiert in Tennessee (USA) und umfasst ein Gebiet von 12.000 Quadratmetern. Dort befinden sich laufend etwa 40 Leichen in den verschiedensten Verwesungsstadien.

Auch die Niederlande beherbergen eine Body Farm, jedoch eine deutlich kleinere. Diese befindet sich in Amsterdam und hat lediglich eine Größe von 20 mal 25 Metern. Anders als in den USA werden die Leichen hier jedoch vergraben und nicht offen auf dem Gelände abgelegt.

Rechtliche Hürden für deutsche Einrichtungen

In Deutschland waren Body Farmen bisher aufgrund der hiesigen Gesetzeslage verboten. "Hierzulande ist es schon schwierig, einen Schweinekörper unter freiem Himmel verfallen zu lassen", so Dr. Jens Amendt, Biologe am Institut für Rechtsmedizin der Frankfurter Goethe-Universität. "Schon dafür wären jeweils Genehmigungen erforderlich." Außerdem müssen Leichen frühestens 48, spätestens 96 Stunden nach dem Tod bestattet werden.

In den vergangenen Monaten waren die Wissenschaftler deswegen auf einige Widerstände gestoßen. Nach den hessischen Landtagswahlen sieht die Lage allerdings etwas anders aus. Jetzt wolle man noch einmal mit den zuständigen Ministerien sprechen, denn auch in Deutschland soll in naher Zukunft eine Body Farm entstehen.

Verwesungsgelände in Deutschland gesucht

Dafür sucht die Uni Frankfurt derzeit ein geeignetes Gelände im Rhein-Main-Gebiet. Das Grundstück soll etwa einen Hektar groß sein, aus Wald und Wiesen bestehen sowie unterschiedlich feuchte und trockene Abschnitte haben. Auch ein Gebäude auf der Fläche wäre wünschenswert.

Außerdem muss das Gelände so geschützt werden, dass Unbefugte es nicht betreten können. Denn der Zutritt ist lediglich für die Mitarbeiter der Rechtsmedizin gestattet. Als normaler Bürger kann man eine Body Farm nicht besuchen. "Die Anwohner und die Gemeinde müssen zudem ihr Einverständnis geben", so Amendt weiter. Es darf sich bei dem Gebiet außerdem um kein Wasserschutzgebiet handeln.

Klimabedingungen in Deutschland sind anders

Doch warum reichen die Body Farmen in anderen Ländern nicht aus? Der Forensiker erklärt: "Viele der anderen Einrichtungen liegen in Klimazonen, die mit unseren mitteleuropäischen Bedingungen nicht zu vergleichen sind. Darüber hinaus kann ich meine eigenen Fragestellungen und Experimente nicht 'mal eben so' auf einer Body Farm in den USA bearbeiten."

Zurzeit nutzen die Frankfurter Forscher das niederländische Areal mit, doch das reicht inzwischen nicht mehr aus. Amendt: "Es ist so klein wie ein Tennisplatz, vier Stunden Autofahrt entfernt, wir müssen Nutzungsgebühren entrichten und die Körper sind alle vergraben – ein Szenario, das im forensischen Kontext eher selten vorkommt."

Die Leichen für die Body Farmen sollen übrigens von Spendern stammen, die ihren Körper nach ihrem Tod der Forschung zur Verfügung stellen.

Verwendete Quellen:

  • Hessenschau.de: "Bodyfarm" soll Todesfälle klären helfen
  • NTV.de: "Bodyfarm" für Leichen: Rechtsmediziner suchen Verwesungsgelände
  • FNP: Forscher suchen im Rhein-Main-Gebiet einen Ort, an dem sie Leichen verwesen lassen können
  • Dr. Jens Amendt, Biologe am Institut für Rechtsmedizin der Frankfurter Goethe-Universität
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