Plastik im Alltag vermeiden: Wann ist es sinnvoll - und wann nicht?

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Plastikmüll verschmutzt die Umwelt und bedroht Lebewesen. Immer mehr Menschen greifen daher zu Alternativen, um ihren ökologischen Fußabdruck zu reduzieren. Doch Bioplastik, Papier oder Glas erweisen sind häufig nicht weniger schädlich für die Umwelt. (kad)

Plastiktüten, Einwegflaschen, Trinkhalme: Kunststoffprodukte sind Teil unserer Alltags. Dabei versinkt die Welt in Plastik. Wurden in den 1950er Jahren weltweit knapp 1,5 Millionen Tonnen Plastik pro Jahr produziert sind es heute fast 300 Millionen Tonnen.
Ein Großteil davon landet als Lebensmittelverpackung oder industrieller Kunststoffabfall früher oder später im Müll – und im Meer. Die Folgen sind erschreckend: Vermüllte Strände, qualvoll sterbende Tiere mit Mägen voller Plastik …
… und Berge aus Plastikmüll in Entwicklungsländern. Außerdem wird ein Teil des Abfalls aus Europa dorthin transportiert, denn die Chemieanlagen in Deutschland kommen mit dem Verbrennen nicht mehr hinterher.
Landet Kunststoffmüll in der Umwelt, zerfällt er dort im Laufe der Zeit in Flüssen, Seen und dem Meer in kleinste Partikel, zu so genanntem Mikroplastik. Es wird von Kleinstlebewesen im Meer aufgenommen und kann in Kläranlagen kaum gefiltert werden. So gelangt es letzten Endes auch wieder in unsere Nahrungskette.
Plastikmüll ist ein Problem mit vielen Facetten. Daher versuchen immer mehr Menschen, auf Kunststoff zu verzichten und greifen zu vermeintlich umweltfreundlicheren Alternativen wie Glas, Papier oder Baumwolle. Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass diverse Produkte natürlichen Ursprungs teilweise sogar eine noch schlechtere Ökobilanz vorzuweisen haben als die verpönten Plastikprodukte.
Beispiel Glas: Aus Umweltgründen geht der Griff immer häufiger zur Glas- statt zur Plastikflasche. Doch die Herstellung von Glas ist ein sehr energie- und rohstoffintensiver Prozess – und damit nicht gerade umweltfreundlich. Zwar lässt sich Glas gut recyceln, doch für den Prozess muss das Altglas auf mehr als 1.000 Grad erhitzt werden. Durch diesen hohen Energieaufwand verschlechtert sich die Ökobilanz des Materials deutlich.
Auch Mehrwegflaschen sind hier nicht ausgenommen. Durch die erforderliche Reinigung wird ebenfalls viel Energie benötigt. Außerdem braucht der Transport mehr Energie als der von Plastikflaschen, da das Glas vergleichsweise schwer ist. Der Naturschutzbund Nabu empfiehlt daher, aus Umweltgesichtspunkten Getränke in Plastik-Mehrwegflaschen, anstatt in Glasflaschen zu kaufen.
Auch die Plastiktüte gilt als Sinnbild der Umweltzerstörung. Deshalb wird sie immer öfter durch Papiertüten ersetzt. Doch auch diese sind nicht so umweltfreundlich, wie man denken könnte. Papiertüten lassen sich zwar gut entsorgen, da sie aus dem natürlichen Rohstoff Holz hergestellt werden und deshalb biologisch abbaubar sind …
... allerdings müssen dafür viele Bäume gerodet und in ihre Einzelteile gespalten werden. Der Zellstoff wird dann in vielen Kubikmetern Wasser eingeweicht und mit verschiedensten Chemikalien angereichert. Anschließend muss das Material heiß getrocknet werden. Dadurch ist auch dieser Prozess sehr energie- und wasseraufwendig.
Auch der gute alte Stoffbeutel ist nicht immer die beste Wahl. Laut Nabu hat ein Baumwollbeutel eine deutlich schlechtere Ökobilanz als eine Plastiktüte. Er muss "über hundertmal so oft wie eine erdölbasierte Kunststofftüte genutzt werden, um die schlechtere Klimabilanz auszugleichen", so die Organisation. Mal schnell für einen Einkauf einen Stoffbeutel zu kaufen und nachher wegzuwerfen, sei daher nicht ratsam.
In Plastik verpacktes Obst und Gemüse sorgt bei Klimaschützern für viel Unmut. Doch aus ökologischer Sicht kann die Kunsthülle durchaus sinnvoll sein. Wenn Waren lange und weit transportiert werden müssen, sind sie durch die Verpackung besser geschützt und länger haltbar.
Eine verpackte Gurke hält beispielsweise im Schnitt drei Tage länger als eine unverpackte. Mehr Plastikverpackung bedeutet daher auch weniger weggeworfene Lebensmittel.
Biologisch abbaubare Kunststoffe, wie zum Beispiel aus Kartoffel- oder Maisstärke, sind ebenfalls keine ideale Plastik-Alternative. Ihre Kompostierfähigkeit wird häufig hervorgehoben und die nachwachsende Rohstoffquelle als nachhaltig und umweltfreundlich bezeichnet. Doch: "Wissenschaftliche Beweise gibt es für diese Aussagen nicht", so das Umweltbundesamt. Außerdem funktioniert ihre Kompostierung nur unter ganz besonderen Bedingungen.
Problematisch wird Plastik allerdings vor allem dann, wenn es nicht ordnungsgemäß entsorgt wird. Deshalb ist es wichtig, Müll nicht achtlos wegzuwerfen, sondern korrekt zu recyceln. Und wer trotz aller guten Vorsätze beim nächsten Einkauf den Jutebeutel vergessen hat, kann auch ohne schlechtes Gewissen zur Plastiktüte greifen – und sie zu Hause zum Beispiel als Mülltüte weiterverwenden.