In der Arktis herrschen aktuell Temperaturen von bis zu 30 Grad, dort ist es viel heißer als am Mittelmeer. Ein Bericht des Arktischen Rates warnt, dass sich die Region dreimal so schnell erwärmt wie der Rest des Planeten.

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In der Arktis werden seit einigen Tagen ungewöhnlich hohe Temperaturen gemessen. Am Donnerstag zeigten die Messstationen im nördlichen Russland mehr als 30 Grad an. Gleichzeitig ist es in Resteuropa für die Jahreszeit zu kühl. In Marseille waren es heute nur 22 Grad, in Barcelona 20 und in Berlin nur 16 Grad.

Der britische Meteorologe Scott Duncan nannte die Temperaturen in der Arktis "überraschend hoch".

Grund für den hohen Temperaturunterschied zwischen Mittelmeerraum und Nordrussland sei die aktuelle Lage des Jetstreams - eines Windbands in der Atmosphäre, das im Bereich der Nordhalbkugel von West nach Ost weht, teils mit bis zu 500 Kilometern in der Stunde.

Arktis erwärmt sich schneller als mittlere Breiten

Das Windband hält laut Duncan gerade die kühle Luft über einem Großteil des Kontinents, während ein Hochdruckgebiet über Russland "blockiert" ist. Extreme Temperaturunterschiede seien in einigen Regionen der Arktis nicht ungewöhnlich, so der Meteorologe. Allerdings häuften sich diese Ausschläge seit einigen Jahren.

Auch der Deutsche Wetterdienst blickt erstaunt auf die Wetterereignisse in der Arktis: Dort sei es momentan für die Jahreszeit "ungewöhnlich warm", heißt es. Zwar gebe es noch keinen Monatsrekord, aber schon einige Tagesrekorde bei den Temperaturen. Derzeit werde von der World Meteorological Organization (WMO) der Hitzerekord von 38 Grad (in Werchojansk) geprüft. Allerdings wurde diese Temperatur im Juni gemessen.

"Das Besondere ist, dass diese Temperaturen so früh im Jahr erreicht werden", sagt auch Jörg Hartmann vom Alfred-Wegener-Institut dem "Spiegel". Temperaturen von 30 Grad Celsius würden im Sommer regelmäßig erreicht – allerdings sei es dafür eigentlich noch zu früh. "Wir wissen schon seit einiger Zeit, dass sich die Arktis stärker und schneller erwärmt als die mittleren Breiten", so Hartmann. "Rekorde dieser Art sind zu erwarten und auch für die nächsten Jahre vorprogrammiert."

Arktis erwärmt sich dreimal schneller als Rest des Planeten

Das bestätigt auch ein aktueller Bericht des Arktischen Rates, der am Donnerstag veröffentlicht wurde. Die Polarregion hat sich demnach seit 1971 dreimal schneller als der Rest des Planeten erwärmt. Zwischen 1971 und 2019 stieg die durchschnittliche Jahrestemperatur in der Arktis um 3,1 Grad Celsius, auf der Erde insgesamt dagegen um ein Grad Celsius.

Der Bericht wurde vom Arctic Monitoring and Assessment Programme (Amap) erstellt, einer Arbeitsgruppe des Arktischen Rates. Dem zwischenstaatlichen Gremium gehören neben Russland und den USA, Kanada, Norwegen, Dänemark, Schweden, Finnland und Island an.

Ein Hotspot des Klimawandels

Dem Bericht zufolge könnten die Temperaturen in der Arktis bis zum Ende des Jahrhunderts um 3,3 bis 10 Grad im Vergleich zum Durchschnitt im Zeitraum zwischen 1985 und 2014 steigen. Die Auswirkungen auf das gesamte Ökosystem seien riesig. Auch die vier Millionen Bewohner der Region bekommen die Konsequenzen des Klimawandels immer stärker zu spüren.

"Die Arktis ist ein echter Hotspot des Klimawandels", sagte der Glaziologe Jason Box, einer der Autoren des Berichtes. Die Region verzeichne auch immer häufiger und länger Warmzeiten im Winter.

Bereits am Mittwoch hatten Forscher in einer Studie zudem vor durch die Klimaerwärmung begünstigten sogenannten Zombie-Bränden in der nördlichen Hemisphäre gewarnt, die unter der Erdoberfläche überwintern.  © DER SPIEGEL

Giant's Causeway, Irland
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