Naturkatastrophen haben immer wieder den Lauf der Geschichte verändert. Das belegt ein neu erforschter Zusammenhang eindrucksvoll.

Mehr Wissensthemen finden Sie hier

Als der Feldherr und Diktator auf Lebenszeit Gaius Julius Cäsar am 15. März im Jahr 44 vor Christus während einer Senatssitzung erdolcht wurde, entbrannte in Rom ein fast zwei Jahrzehnte andauernder Machtkampf, in dessen Folge die römische Republik unterging.

Belegt sind Ernteausfälle und ungewöhnlich kaltes Wetter

Schriftliche Zeugnisse aus jener Zeit belegen, dass der Machtkampf von einer Periode ungewöhnlich kalten Wetters mit Ernteausfällen, Hungersnöten, Seuchen und entsprechenden Unruhen im Mittelmeerraum begleitet wurde. Nun haben Wissenschaftler die wahrscheinliche Ursache dafür ausgemacht, berichten sie im Fachblatt "Proceedings of the National Academy of Sciences".

Sie waren in Eisbohrkernen aus der Arktis auf Spuren einer gewaltigen Eruption des Vulkans Okmok im Jahr nach Cäsars Tod gestoßen. In dem ewigen Eis sind Gase und Luftpartikel eingeschlossen, die die Klimageschichte der vergangenen 130.000 Jahre bewahren.

Obwohl der Vulkan in Alaska liegt und damit Tausende Kilometer von Rom entfernt, kühlte das Klima durch den Ausbruch merklich ab. Missernten und Hungersnöte folgten, die die politische Lage weiter destabilisierten.

Asche aus Eiskernen deutet auf Ausbruch kurz nach Cäsars Tod hin

Die Asche in den Eiskernen aus Grönland und Russland deutet darauf hin, dass der Vulkan noch zu Lebzeiten Cäsars, im Jahr 45 vor Christus, gefährlich gebrodelt hatte. Der große Ausbruch folgte jedoch erst ein Jahr nach Cäsars Tod. Der Ausbruch war einer der größten in den vergangenen 2.500 Jahren.

Die Untersuchungen zeigten, "wie eng die Welt vor 2.000 Jahren miteinander verbunden war", so Studienleiter Joseph McConnell vom Desert Research Institute (DRI) im US-Bundesstaat Nevada.

Dass gewaltige Vulkanexplosionen zu abrupten Klimawechseln führen können, ist bekannt: Die in die Atmosphäre ausgestoßenen Partikel können die globalen Temperaturen über Jahre hinweg senken und zu mehr Regen führen.

Tatsächlich gehörten die beiden Jahre nach dem zweiten Okmok-Ausbruch der Studie zufolge zu den kältesten auf der Nordhalbkugel in den vergangenen 2.500 Jahren, das folgende Jahrzehnt war immerhin noch das viertkälteste.

Durchschnittstemperatur könnte um 7 Grad gefallen sein

Klimamodelle deuten darauf hin, dass die Durchschnittstemperatur im Sommer und Herbst nach der Eruption bis zu 7 Grad Celsius unter dem Normalwert lag. Gleichzeitig regnete es im Sommer in Südeuropa teilweise mehr als doppelt so viel. Die Niederschläge im Herbst waren sogar bis zu viermal so hoch.

"Die klimatischen Effekte waren ein schwerer Schock für eine bereits gestresste Gesellschaft zu einem entscheidenden Zeitpunkt in der Geschichte", sagt Historiker Joe Manning von der Yale University, der ebenfalls an der Studie mitgearbeitet hat. Die Ergebnisse bestätigen schriftliche Quellen über Hungersnöte aus der Zeit. Selbst das für die Landwirtschaft in Ägypten so wichtige Nilhochwasser soll zum Zeitpunkt des Vulkanausbruchs besonders niedrig gewesen sein.

Die vulkanischen Aktivitäten liefern auch eine Erklärung für die antiken Überlieferungen ungewöhnlicher atmosphärischer Phänomene rund um Cäsars Ermordung, die als Omen gedeutet wurden: So erzählen Aufzeichnungen von Ringen um die Sonne, von deren Verdunkelung oder von Lichterscheinungen wie Nebensonnen. Viele dieser Phänomene, so die Wissenschaftler, sind allerdings vor Cäsars Tod beobachtet worden und hingen vermutlich eher mit einem Ausbruch des Ätna im Jahr 44 vor Christus zusammen.  © DER SPIEGEL