• Das MAN-Werk Steyr steht vor dem Aus.
  • Die Übernahme von Siegfried Wolf ist geplatzt - dies bedauert der Investor.
  • SPÖ-Chefin Landesrätin Birgit Gerstorfer fordert nun die Bundesregierung auf, zu reagieren.

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Investor Siegfried Wolf hat das abschlägige Votum der MAN-Mitarbeiter in einer Stellungnahme gegenüber der APA bedauert. Aber er müsse das Ergebnis zur Kenntnis nehmen.

Der Ex-Magna-Chef hatte das Werk übernehmen, aber nur einen Teil der Belegschaft behalten wollen. Die Mitarbeiter sprachen sich in einer Urabstimmung mit knapp 64 Prozent gegen diese Pläne aus, die Zentrale will das Werk, wo inklusive Leihpersonal rund 2.300 Leute beschäftigt sind, nun schließen.

Wolf: "Kann den Zorn vieler nur zu gut verstehen"

"Ich kann dieses Votum heute nur mit großem Bedauern zur Kenntnis nehmen", so Wolf. "Mein Team und ich haben unglaublich viel Herzblut in dieses Projekt investiert, weil ich überzeugt davon bin, dass mit diesem Potenzial an Know-how in der Fahrzeugproduktion an diesem Standort unter der Marke Steyr etwas Neues, Großes entstehen hätte können."

Leider sei es ihm nicht gelungen, genügend Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit zu leisten, um Missinterpretationen und Fehlinformationen entkräften zu können. "Dabei kann ich den Zorn vieler nur zu gut verstehen."

"Aber auch ich konnte das Rad der Zeit nicht zurückdrehen, sondern nur ein solides, durchdachtes Konzept für die Zukunft entwickeln", heißt es in der Erklärung. Wolf hatte stets betont, eine Zukunft "mit den Mitarbeitern" anzupeilen.

"Mein Team und ich haben uns in den letzten Monaten voll und ganz auf dieses Konzept konzentriert. Wir haben an neuen Produkten getüftelt und detaillierte wirtschaftliche Überlegungen entwickelt, unter welchen Bedingungen wir neue konkurrenzfähige Fahrzeuge auf den Weltmarkt bringen können."

Und weiter: "Wir müssen nun dieses Votum zur Kenntnis nehmen." Ob das nun einen endgültigen Rückzug bedeutet, blieb offen.

Wolfs Pläne hätten vorgesehen, die Marke Steyr wiederzubeleben. Die MAN-Zentrale in München ließ allerdings wissen, dass man nun die Schließung anpeile.

MAN-Steyr-Werk vor dem Aus

"MAN nimmt jetzt als Konsequenz die Pläne zur Schließung des Werks in Steyr wieder auf", ließ die Zentrale in München in einer Aussendung wissen, dass dies die einzige Alternative zu dem Übernahme-Angebot von Wolf sei.

MAN-Personalvorstand und Arbeitsdirektor Martin Rabe erklärte: "Wir sind vom Ergebnis wirklich sehr enttäuscht, da wir die angebotene Alternative zur Schließung als einen für alle Beteiligten sehr guten Weg angesehen haben." Offenbar habe es innerhalb der Belegschaft noch zu wenig Transparenz über "das wirklich gute Konzept der WSA Beteiligungs GmbH" geben, bedauerte Rabe.

Die Belegschaft habe das Konzept klar abgelehnt, sagte der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Helmut Emler zur APA. Das Konzept von Wolf sei zwar "schlüssig, die Einschnitte wären aber zu gravierend gewesen".

Dass MAN das Werk nun schließen will, ist für die Belegschaftsvertretung noch nicht gegessen: "Als Betriebsrat werden wir morgen beginnen, mit MAN das Gespräch zu suchen", so Emler.

Die Schließung sei erst für 2023 vorgesehen, die Kunststofflackiererei, wo rund 400 Mitarbeiter beschäftigt sind, hätte sogar bis 2027 weiter für MAN arbeiten sollen. Ziel sei eine Lösung wie in Deutschland, wo die ursprünglichen Sparpläne entschärft worden sind.

Man sei auch anderen Investoren gegenüber offen, sagte er auf das Konsortium rund um den Industriellen Karl Egger (KeKelit) angesprochen, das Interesse gezeigt hatte, aber von MAN nicht ernsthaft erwogen worden war.

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Wolf wollte das Werk übernehmen

Wolf wollte das Werk übernehmen, aber von der aktuell knapp 1.900 Personen zählenden Stammbelegschaft rund 1.250 Leute behalten. Zudem hätten die Verbleibenden mit Gehaltseinbußen rechnen müssen.

Daher wurden die Mitarbeiter von ihrer Vertretung zur Urabstimmung gebeten. Von 2.356 stimmberechtigten MAN-Mitarbeitern und Leasingkräften haben 2.215 an dem Votum teilgenommen. 27 Stimmen waren ungültig, 2.188 gültig.

Von den gültigen entfielen 773 (34,9 Prozent) auf "Ja" und 1.415 (63,9 Prozent) auf "Nein". Bei den Leasingkräften soll die Ablehnung mit 71,4 Prozent höher gewesen sein als bei der Stammbelegschaft.

Die Wahlbeteiligung lag bei insgesamt 94 Prozent. Investor Wolf hatte sich "ungeteilte Zustimmung" gewünscht, aber zumindest zwei Drittel angepeilt.

"Demokratische Entscheidungen - gerade auch in wirtschaftlichen Angelegenheit - sind nicht nur zu respektieren, vielmehr muss die betriebliche Mitbestimmung ausgebaut werden", reagierte SPÖ-Chefin Landesrätin Birgit Gerstorfer auf das Abstimmungsergebnis Steyr. Die Belegschaft in Steyr hat klar gemacht, was sie wolle. Sie stehe an "ihrer Seite".

Die Landesrätin sieht jetzt vor allem Landes- und Bundesregierung gefordert. Alle Verantwortlichen sollten an einen Tisch geholt werden, "damit Steyr zu einem zentralen Standort für nachhaltige, grüne Mobilität wird".  © APA