• Mit AstraZeneca hat ein weiteres Unternehmen einen möglichen Corona-Impfstoff vorgestellt.
  • Es ist eines der Mittel, auf das die EU große Hoffnungen setzt.
  • Wie ist der Stand bei den vielversprechendsten Impfstoffkandidaten?

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Mit dem britisch-schwedischen Pharmakonzern AstraZeneca hat am Montag bereits das dritte Unternehmen positive Daten zu einem Corona-Impfstoff vorgelegt. Wie steht es um die Mittel, auf die die Menschen weltweit Hoffnungen setzen?

Fragen und Antworten im Überblick

Welche Corona-Impfstoffkandidaten gibt es?

Als erstes Unternehmen weltweit stellte Biontech aus Mainz mit seinem amerikanischen Partner Pfizer am 9. November einen möglichen Impfstoff vor. Am 16. November folgte der US-Pharmakonzern Moderna. Nun zieht AstraZeneca nach.

Der gemeinsam mit der Universität Oxford entwickelte Wirkstoff gehörte bereits seit Längerem zu den vielversprechenden Kandidaten: Die EU hatte bereits vorab bis zu 300 Millionen Dosen davon bestellt. Insgesamt haben verschiedene Länder bereits Milliarden Dosen bei dem Pharmakonzern in Auftrag gegeben.

Welche Wirksamkeit versprechen die Impfstoffe?

Das Vakzin habe eine Wirksamkeit von im Mittel 70 Prozent gegen COVID-19, teilte AstraZeneca auf Basis von Zwischenergebnissen aus der wichtigen Testphase III mit. Berücksichtigt wurden Daten zweier klinischer Studien mit verschiedener Dosierung.

Die Wirksamkeit der Impfstoffe von Pfizer/Biontech und Moderna liegt für Doppelimpfungen nach vorläufigen Daten bei rund 95 Prozent.

Wie ist der Entwicklungsstand?

Experten erwarten, dass mehrere Impfstoffe eine Zulassung erhalten werden. Nur so wird es möglich sein, die Weltbevölkerung mit entsprechenden Mengen an Impfdosen zu versorgen.

Ein fixes Datum, wann ein erster Impfstoff voraussichtlich zugelassen wird, gibt es nicht. Doch mehrere der neu entwickelten Impfstoffe befinden sich derzeit in der letzten Studienphase und haben gute Chancen auf eine baldige Zulassung.

Biontech/Pfizer und Moderna planen, eine Notfallzulassung bei der amerikanischen Arzneimittelbehörde zu beantragen. Sie hoffen, dadurch die Impfstoffe noch dieses Jahr auf den Markt bringen zu können.

Über den AstraZeneca-Impfstoff sagt Gerd Fätkenheuer von der Uniklinik Köln, dass die "sehr vorläufigen Daten" schwer zu interpretieren seien - etwa das Ergebnis, dass mit einer geringeren Impfdosis eine größere Erfolgsrate zu erzielen war als mit einer höheren. "Das ist zunächst nicht einleuchtend und es müssen weitere Daten abgewartet werden, bis man das besser einschätzen kann."

Bestimmte Werte sprächen dafür, dass der AstraZeneca-Impfstoff etwas weniger effektiv sein könnte als die beiden mRNA-Impfstoffe, zu denen bereits Daten vorgestellt wurden. "Insgesamt ist es jedoch sehr erfreulich, dass jetzt bereits ein dritter Impfstoff kurz vor der Einführung steht."

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Welche Nebenwirkungen von Corona-Impfstoffen gibt es?

Neben der Wirksamkeit kommt es bei Impfstoffen auch darauf an, ob sie bei Geimpften Nebenwirkungen hervorrufen.

Dies sei bei dem Impfstoff von Biontech und Pfizer nicht der Fall - zumindest wurden bei 43.000 Probanden "keine schwerwiegenden Nebenwirkungen festgestellt", wie das Unternehmen kürzlich mitteilte. Die einzigen Nebenwirkungen dritten Grades, die häufiger als bei zwei Prozent auftraten, waren Erschöpfung mit 3,8 und Kopfschmerzen mit zwei Prozent.

Auch bei dem Mittel von Moderna seien keine wesentlichen Sicherheitsbedenken festgestellt worden. Geimpfte Probanden klagten in den Untersuchungen zwar über Muskel-, Gelenk- und Kopfschmerzen oder Müdigkeit, es traten nach ersten Erkenntnissen aber keine schweren Nebenwirkungen auf.

Über mögliche Nebenwirkungen beim AstraZeneca-Impfstoff ist bis dato wenig bekannt. Die Oxford-Forscher hatten erst kürzlich im Fachmagazin "The Lancet" berichtet, dass ihr Impfstoff in klinischen Tests der Phase II auch bei Älteren gut wirke.

In der Phase-II-Studie habe es bei Teilnehmern sowohl unter als auch über 56 Jahren eine gute Immunantwort gegeben, schrieb das Team. Das Vakzin sei von Älteren sogar besser vertragen worden als von Jüngeren. (msc)

Verwendete Quellen:

  • investors.biontech.de: Pfizer und BioNTech schließen Phase-3-Studie erfolgreich ab: Impfstoffkandidat gegen COVID-19 erreicht alle primären Endpunkte
  • Archiv
  • dpa

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