Für die einen ist sie eine Heilige, gar eine Prophetin, für andere im besten Fall ein Instrument ihrer Eltern, im schlimmsten Fall ein "plärrendes Kind" oder "psychisch sehr labiles Mädchen": Bei der 16-jährigen Greta Thunberg gehen die Meinungen auseinander, oftmals auch über die Grenzen des Anstands und der reinen Kritik hinaus.

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Eine kindlich wirkende Jugendliche, das Haar zu zwei straffen Zöpfen geflochten, die Stimme hell, aber ruhig und klar, steht vor den Politikern der Vereinten Nationen und spricht zu ihnen über Klimaschutz.

"Ich habe gelernt, dass man nie zu klein dafür ist, einen Unterschied zu machen", sagt Greta Thunberg. Und wird praktisch über Nacht zur Vorkämpferin in Sachen Klimaschutz.

Erfolg innerhalb kürzester Zeit

In kürzester Zeit hat die 16 Jahre alte Schülerin mit ihrem Einsatz gegen den Klimawandel eine große Anzahl an Befürwortern gefunden. Über 400.000 Menschen folgen ihr auf Facebook, gerade erst wurde sie in Schweden zur "Frau des Jahres" gewählt und für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen.

Seit ihrem ersten Schultag nach den Sommerferien, im August 2018 - damals war sie 15 Jahre alt - stellt sich die Schwedin jeden Freitag vor den Reichstag in Stockholm und protestiert still mit einem Schild in der Hand. Die Aufschrift: "Schulstreik für das Klima".

Mit ihrer Aktion hat sie andere Kinder und Jugendliche ermutigt, dasselbe zu tun. Weltweit schwänzen nun jeden Freitag unter dem Motto #fridaysforfuture zahlreiche junge Menschen die Schule als Zeichen für den Klimaschutz.

Ob tatsächlich alle von ihnen bei dem Schulstreik aus reinem Klimabewusstsein handeln, sei einmal dahingestellt. Greta Thunberg jedenfalls nimmt ihr Unterfangen ernst.

Ihr Engagement brachte sie bereits zur UN-Klimakonferenz in Kattowitz, auf das Weltwirtschaftsforum in Davos 2019 und den Kongress des Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschusses 2019 in Brüssel.

"Wenn Lösungen innerhalb dieses System so unmöglich sind, dann sollten wir vielleicht das System selbst verändern," sagte Greta bei ihrem Auftritt vor der UN. Ihre Standhaftigkeit zeigt, dass sie jedes Wort auch so meint.

Hass und Häme gegen Greta Thunberg

Mit ihren Aussagen zieht sie aber auch Hass und Häme auf sich, die in Zeiten des Internets ungefiltert auf die 16-Jährige einprasseln.

Ende Januar etwa regnete es Kritik, als sie auf einer Zugreise Nahrung aus Plastikverpackungen zu sich nahm und dies auf Twitter postete.

"Das ist aber eine ganze Menge an Plastik, die sie da haben, Miss Klimakämpferin", lautet etwa ein Kommentar unter dem Bild.

Zuletzt erfuhr Greta auch aus Kreisen von Klimaschützern Kritik. In einem aktuellen Posting schrieb sie: "Persönlich, bin ich gegen Atomkraft, aber laut dem IPCC kann sie einen kleinen Teil einer großen Kohlenstoff-freien Energielösung ausmachen."

Die Passage "Persönlich bin ich gegen Atomkraft" erweiterte sie im Nachhinein als Antwort auf Kritiker.

"Ich habe eine winzige Änderung an dem Text vorgenommen", kommentiert Greta ihren eigenen Post. "Denn einige Leute – sogar Zeitungen – klauben sich immer wieder die Rosinen heraus, wenn ich etwas schreibe, und lassen Teile der Sätze aus."

Der Beginn war einsam

Gehässige Worte bringen die Jugendliche nicht aus der Ruhe. Dabei stand sie zu Anfang ihres Protests alleine da.

Ihre Eltern waren laut Thunberg von dem Vorhaben, die Schule zu schwänzen wenig begeistert. In einem Spiegel-Interview stellt die 16-Jährige klar: "Manche Menschen behaupten, meine Eltern hätten mich gehirngewaschen. Aber es war umgekehrt: Ich habe meinen Eltern das Gehirn gewaschen."

Ihre Asperger-Diagnose sieht sie dabei als Vorteil: "Meine Diagnose ist eine Hilfe. Sonst hätte ich wohl einfach so weiter gelebt, wie viele andere Menschen." Das Asperger-Syndrom ist eine Autismusvariante.

In manchen Kreisen wird die Jugendliche beinahe als Heilige verehrt. Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckhardt verglich die Schülerin kürzlich mit einer "Prophetin". Während einer Kanzelrede äußerte sie sich laut dem Portal des evangelischen Kirchenkreises Duisburg folgendermaßen: "Mich erinnert Greta an die Stelle aus dem Prophetenbuch Amos, wo es heißt: Sie hassen den, der im Tor Recht spricht, und verabscheuen den, der die Wahrheit sagt."

Auch wenn Propheten landläufig meist als Heilsbringer betrachtet werden, die Hoffnung oder Erlösung verheißen, sind sie in der Bibel oftmals Unheilsverkünder.

Hoffnung will die Schülerin jedenfalls nicht schüren, wie sie vor dem Weltwirtschaftsforum in Davos klarstellte: "Ich will nicht eure Hoffnung, ich will, dass ihr in Panik geratet." Das sind wohl eher die kämpferischen Worte einer Jeanne d'Arc denn jene einer Prophetin.

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