Er glaubte, die Tochter von Natascha Kampusch gefunden zu haben: Ein Wiener Polizist steht vor Gericht, weil er illegale Ermittlungen an einer niederösterreichischen Volksschule durchgeführt haben soll.

Ein Wiener Polizist hat sich im Entführungsfall Natascha Kampusch für schuldig bekannt. Er soll versucht haben, an die DNA eines Mädchens zu kommen, um zu prüfen, ob es sich um die leibliche Tochter von Natascha Kampusch handelt. Das meldet der ORF Wien.

Tod von Frauenmörder Jack Unterweger jährt sich zum 20. Mal.

Laut Anklage führte der Beamte von Ende 2011 bis Anfang 2012 illegale Erhebungen in einer Volksschule in Wiener Neustadt durch. Mit neuen Hinweisen wollte der 63-Jährige demnach weitere Ermittlungen auf den Weg bringen und beweisen, dass das Mädchen von Mittätern von Wolfgang Priklopil missbraucht werden könnte. Seit Montag muss sich der Mann im Wiener Straflandesgericht wegen Amtsmissbrauchs und Urkundenunterdrückung verantworten.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur APA dürften die unerlaubten Aktionen des Polizisten durch den Kontakt mit Johann Rzeszut, pensionierter Präsident des Obersten Gerichtshofs (OGH), ausgelöst worden sein. Rzeszut war damals Mitglied einer Evaluierungskommission des Innenministeriums, die klären sollte, ob den Behörden im Fall Kampusch Fehler passiert sind. Rzeszut hatte in Interviews immer wieder angezweifelt, dass es sich bei Wolfgang Priklopil um einen Einzeltäter handelte. Zudem unterstellte er Natascha Kampusch, sie habe eine Schwangerschaft verheimlicht.

"Ich habe den Fall Kampusch wie jeder andere Staatsbürger mitverfolgt", zitiert der ORF den Beschuldigten. "Wirklich tätig geworden" sei er nach einem Vortrag eines FPÖ-Nationalratsabgeordneten, der über Ungereimtheiten gesprochen hatte. Dabei sei ihm zu Ohren gekommen, Kampusch habe ein Kind von Priklopil geboren, das nun statt ihrer missbraucht werde. "In meinem Schädel war immer wieder, dass da ein Kind missbraucht wird", sagte der Beamte vor der Schöffensenatsvorsitzenden Elisabeth Reich.

Der Polizist ist suspendiert - er hatte sich schon des Missbrauchs der Amtsgewalt für schuldig bekannt. (ank)