Die Klimaschutzbewegung "Fridays for Future" erhöht den Druck auf die Politik: Jetzt haben die Aktivisten in Berlin erstmals einen Katalog mit konkreten Forderungen vorgelegt. Darunter auch eine Besteuerung von CO2-Ausstoß. Ein Langstreckenflug etwa würde dadurch deutlich teurer werden.

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Mit konkreten Forderungen wendet sich die Schülerbewegung "Fridays for Future" an die Politik. Erstmals haben die Klimaschützer am Montag einen Katalog mit Forderungen vorgelegt.

Darin verlangen sie eine Steuer auf das Treibhausgas CO2, den Ausstieg aus der Kohleenergie bis 2030 und eine Verringerung der Emissionen bis 2035 auf "Netto-Null". Die Schülerstreiks sollen so lange weitergehen, bis die Politik konkrete Maßnahmen beim Klimaschutz ergreife.

"Fridays for Future": "Können nicht aufhören zu streiken"

"Solange das nicht passiert, können wir nicht aufhören zu streiken", sagte der Klimaaktivist Sebastian Grieme. Er war einer von vier Vertretern von "Fridays for Future", die bei einer Pressekonferenz die Grundsatzforderungen der Bewegung vorstellten.

Der Forderungskatalog war nach Angaben der Aktivisten in bundesweiten Arbeitsgruppen von Schülern und Studenten in Abstimmung mit Wissenschaftlern ausgearbeitet worden.

Schülerinnen und Schüler der Bewegung Fridays for Future trugen am Montag (08.04.19) auf einer Pressekonferenz im Berliner Naturkundemuseum ihre Forderungen an die Politik vor.

180 Euro pro Tonne CO2 fordern die Schüler als Steuer auf den Ausstoß des Treibhausgases. "Eine so hohe Steuer würde klimaschädliches Handeln schnellstens beenden", sagte Grieme. Nur durch konkrete und schnelle Maßnahmen könnten die Pariser Klimaschutzziele verwirklicht werden.

"Der Preis für den Ausstoß von Treibhausgasen muss schnell so hoch werden wie die Kosten, die dadurch uns und zukünftigen Generationen entstehen", schreiben die Klimaschützer auch in einer Pressemitteilung.

Laut Berechnungen des "Spiegel" würden sich aus den Forderungen einer derart hohen Besteuerung von CO2 folgende Preisänderungen für Verbraucher ergeben:

  • 1 Liter Benzin: CO2-Emissionen von 2,37 kg. Mehrkosten: 0,43 Euro
  • Kartoffeln, 1 Kilogramm: CO2-Emissionen von 0,199 kg. Mehrkosten: 0,04 Euro
  • Langärmeliges T-Shirt, Damen: CO2-Emissionen von 11 kg. Mehrkosten: 1,98 Euro
  • Flug München-Hamburg, Economyclass: CO2-Emissionen von 0,16 Tonnen. Mehrkosten: 28,80 Euro
  • Flug Frankfurt-Auckland über Dubai, hin und zurück, Economy Class: CO2-Emissionen von 11,71 Tonnen. Mehrkosten: 2107 Euro
Die Anteile am CO2-Ausstoß aus der Nahrungsmittelproduktion pro Kopf in Deutschland und der Anteil von Nahrungsmitteln pro Kilogramm.
Bus und Bahn sind die umweltfreundlichsten Verkehrsmittel für den Personenverkehr - auch wenn der dafür nötige Bau der Fahrzeuge sowie der Infrastruktur mit in die Gesamtbilanz einbezogen wird.

Boykott läuft seit Wochen

Seit Wochen boykottieren junge Menschen in Deutschland und etlichen anderen Ländern weltweit einmal pro Woche den Unterricht, um gegen ausbleibende Klimaschutzmaßnahmen zu protestieren. Ausgelöst wurde "Fridays for Future" durch die 16-jährige Schwedin Greta Thunberg, die im Sommer 2018 mit ihrem Schulstreik für den Klimaschutz begann. Inzwischen gibt es solche Freitagsdemonstrationen in aller Welt.

Vertreter der Opposition unterstützen den Forderungskatalog der Bewegung. Der klimapolitische Sprecher der Linksfraktion im Bundestag, Lorenz Gösta Beutin, sprach von einem "notwendigen Weckruf an die tatenlose Bundesregierung".

CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak kündigte an, Vertreter von "Fridays for Future" und andere Klimaaktivisten zu einem Gespräch in die Parteizentrale einzuladen. "Wir wollen so schnell wie möglich mit den jungen Menschen ins Gespräch kommen", sagte er. (dar/AFP)

Der FDP-Vorsitzende übt scharfer Kritik an den Schulstreiks für Klima. Besonders die Unterstützung des Schuleschwänzens aus der Politik mache ihn "fassungslos". Gleichzeitig übt er scharfe Kritik an der Klimapolitik der Bundesregierung zur Einhaltung der Klimaziele.