Das tödliche Phänomen des Terrorismus ist nicht neu. Doch die unfassbare Perversion des "Islamischen Staates" ist Terror auf einem neuen Niveau. Die lebensverachtende Dimension macht fassungslos.

Ein Kommentar
von Michael Wollny, Schlussredakteur und stellvertr. CvD

Der Terror ist keine neuartige Geißel unserer modernen Gesellschaft. Er ist ein altbekannter Begleiter durch die Menschheitsgeschichte, das perfide Stilmittel im gewaltvollen Konflikt.

Von den Zeloten in der Antike, über die Assassinen im Mittelalter bis zum Terror des "Islamischen Staats" in der Gegenwart. In der Geschichte hat diese Methode eine tödliche Tradition.


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Deckmantel der Freiheit

Allein das vergangene europäische Jahrhundert kannte den Terror des Dritten Reiches von rechts, den der RAF von links. Und mittendrin ETA und IRA, regionaler Terror unter dem Deckmantel von Freiheit und einzig wahrer Konfession.

Politik oder Religion - so grausam dieser Terror auch war, so verirrt die Ideen, die ihn antrieben, so krank die Köpfe, die ihn erdachten und so brutal die Hände, die ihn verübten - immer gab es so etwas wie eine Ideologie. Ein Schwachpunkt der greifbar und somit angreifbar war.

Beim sogenannten "Islamischen Staat" verhält es sich anders.

Diesem Terror des IS fehlt ein Mindestmaß an Rationalität und damit die Möglichkeit, den Wahnsinn auch nur im Ansatz zu begreifen, um ihn angreifbar zu machen.

Es gibt hier nichts, was ein gesunder Geist erfassen könnte. Es bleibt nur diese unfassbare Grausamkeit, die in ihrer Perversion den Verstand überfordert.


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Der sogenannte "Islamische Staat" hat keine politische Agenda, noch nicht einmal eine religiöse Ideologie. Das weltweite Kalifat der Terroristen ist geopolitischer Größenwahn und ihre Religion heißt Terror.

Die reine Lust am Töten

Mit dem Islam hat das wenig zu tun. Den "Islamischen Staat" lenken keine Islamisten, sondern säkulare Mitglieder der Baath-Partei. Ehemalige Soldaten, Geheimdienstler und Offiziere unter Saddam Hussein.

Mit einem nihilistischen Zerrbild des Islam werden lediglich fundamental verirrte Dschihad-Touristen aus Europa und dem Rest der Welt geködert.

Die verbindende Kraft des IS ist nicht der Glaube, sondern die reine Lust am Töten. Das Machtgefühl entscheiden zu können, wer leben darf und wer sterben muss.

Terror ist die schärfste Waffe stumpfer Argumente - Töten, Einschüchtern, Verängstigen die bevorzugte Munition. Psychologie gehört zum Arsenal.


Mordlust als Exportgut

Der IS hebt diesen Terror mit seiner beispiellosen Mordlust auf ein neues erschreckendes Niveau und erklärt ihn zum Exportgut.

Sein Anspruch, jeden zu töten, der diesen Wahnsinn nicht teilt, ist totalitär und nicht verhandelbar. Weder in Beirut oder Paris, noch über dem Sinai.

Die Angrifssziele der Terrormiliz "Islamischer Staat" sind Gemeindezentren und Bäckereien. Flugzeuge und Fußballstadien. Konzerthallen und Cafés. Kirchen und Moscheen. Die Opfer sind Christen und Moslems. Kinder und Erwachsene - es ist das Leben schlechthin.

Man sollte nun diesem Terror mit Trotz begegnen, indem man weiter lebt, lacht und liebt.

Doch in Paris starb auch die Unbekümmertheit.

Wenn sinnloses Töten plötzlich erlebbar wird, dann wird der Trotz im Leben zur existenziellen Herausforderung.

Nehmen wir sie an?


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