Peter Pilz will sich nicht geschlagen geben: Er denkt über einen Rücktritt vom Rücktritt nach und kündigt Enthüllungen über seine ehemaligen Parteikollegen an. Er habe zudem nie eine Frau sexuell belästigt.

Peter Pilz überlegt bis Mittwoch, sein Mandat im Nationalrat doch anzunehmen. Das hat der Gründer der Liste Pilz im Ö1-Morgenjournal durchblicken lassen. Er ortet in den Vorwürfen gegen sich einen "politisch motivierten Anschlag auf eine neue Liste im Parlament".

Zuvor hatte der langjährige Grünen-Abgeordnete auf Facebook ein "Versprechen" abgegeben: "Bis jetzt kennt die Öffentlichkeit nur die Darstellung meiner Gegner. Ab heute wird das anders. Ich habe recherchiert. Und ich bin auf erstaunliche Fakten gestoßen."

Seit zwei Jahren hätten die Grünen Pilz eine Einsicht in Dokumente verweigert und "die rechtsstaatlichen Verfahren [verhindert], die ich fordere". Zudem hätten Parteikollegen ihm vorgeworfen, nicht zu einem Vorzugsstimmenwahlkampf bereit zu sein.

"Vorzugsstimmen für sexuelle Belästigung? Ich verstehe das nicht", schreibt Pilz. In die "Konstruktion und Verbreitung der Vorwürfe" gegen ihn seien "mindestens zwei Parteien verwickelt".

Pilz wütet gegen Ex-Partei

Pilz vermutet konkret Vertreter seiner ehemaligen Partei hinter dem Bekanntwerden der Vorwürfe - eine Ansicht, die auch langjährige Politbeobachter teilen.

Er habe sich auf die Arbeit im Parlament gefreut - und "nur mit einem nicht gerechnet: dass Grüne das mit allen Mitteln verhindern wollen. Mit allen."

Pilz schreibt, er habe "über den Fall im Grünen Klub ab Dezember 2015 monatelang Tagebuch geführt. Jetzt werde ich es veröffentlichen." Darin seien die Rollen von Ex-Grünen-Chefin Eva Glawischnig, Dieter Brosz und Lukas W. detailliert beschrieben. "Dann sollen sich alle ihr Urteil bilden."

Klubchef Steinhauser legt Anwaltsschreiben offen

Sonntagabend hatte der Grüne Klubchef Albert Steinhauser bei Facebook zwei Schreiben öffentlich gemacht. Der Grüne Parlamentsklub sei sehr wohl daran interessiert gewesen, die Vorwürfe gegen Peter Pilz zu klären - und habe ihm diese schriftlich zur Kenntnis bringen wollen.

"Peter Pilz weiß das. Als Arbeitgeber sind wir an den Betroffenschutz gebunden", schreibt Steinhauser. "Warum die Betroffene das nicht wollte, wird mit dem Antwortschreiben klar. Das ist zu akzeptieren."

Pilz: "Habe nie eine Frau sexuell belästigt"

In seinem Ö1-Interview betonte Pilz, er habe nie eine Frau sexuell belästigt. "Ich bin mir nicht der geringsten Schuld bewusst."

Er brauche Zeit, den Abend beim Forum Alpbach zu rekonstruieren. 2013 soll Pilz dort in angetrunkenem Zustand eine Frau begrapscht und verbal belästigt haben.

Zeugen des Vorfalls hatten sich bei "Falter"-Chefredakteur Florian Klenk gemeldet, der Pilz mit den Vorwürfen konfrontierte. Er habe nur eine Stunde Zeit gehabt zu reagieren, erklärte Pilz - und das habe gereicht, "um mit dem Vergewaltiger Weinstein auf eine Stufe gestellt zu werden".

Bei der Bekanntgabe seines Rücktritts hörte sich das noch anders an: Er könne sich zwar nicht daran erinnern, die Frau begrapscht zu haben, aber "persönliche Erinnerungslosigkeit ist keine Entschuldigung".

Pilz betonte bei der Pressekonferenz, er werde alles tun, damit beide Vorwürfe geklärt werden: jener, er habe eine Mitarbeiterin belästigt, hinter dem er eine politische Absicht vermute. "Und der Vorwurf, wo ich möglicherweise einer Frau wirklich unrecht getan habe und dafür Verantwortung trage. Und da geht es um persönliche und politische Verantwortung und die habe ich zu tragen wie es ist."

Zudem sagte Pilz wörtlich: "Ich bin dagegen, dass unser ganzes Leben von politischer Korrektheit dominiert wird. Aber ich bin sehr dafür, dass wir Männer in solchen Positionen darüber nachdenken. Nicht nur, wie unsere Absichten sind und wie wir persönlich etwas empfinden. Sondern wie das auch welche, die für uns arbeiten und in einer schwächeren Position sind - nicht nur, aber insbesondere, wenn es Frauen sind - wie sie das empfinden und wie es bei ihnen ankommt. Und ich glaube, da wird bei mir schon auch etwas gefehlt haben. Und da werden einige wie ich auch etwas dazulernen müssen."

n der "#metoo"-Debatte rund um das Thema sexuelle Belästigung bleibt Nina Proll auf Shitstorm-Kurs. Die Schauspielerin unterstellte bei Claudia Stöckl Männern, ihre Triebe nicht im Griff zu haben, und attackierte ihre Berufskollegin Gabriela Benesch frontal.