• Unter den Menschen, die vor dem Krieg aus der Ukraine flüchten, sprechen viele kein Englisch; die meisten ehrenamtlichen Helfer sprechen wiederum kein Ukrainisch oder Russisch.
  • Um sich ohne Dolmetscher zu verständigen, nutzen sie Übersetzungsapps, aber auch ganz klassische Symbol- und Wörtertafeln.
  • Im Netz gibt es darüber hinaus jede Menge Material, um schnell hilfreiche Wörter oder Sätze auf Ukrainisch zu lernen.

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Das Gesicht auf dem Zettel hat die Augen geschlossen und hält sich eine Hand vor den geöffneten Mund. Darüber steht in kyrillischen Buchstaben втомився, unter denen wiederum "müde" steht.

Erkannt hätte man die Bedeutung des Bildes auch so, ohne die Wörter. Augen zu, Mund auf, Hand davor - ein universelles Bild. Das müde Gesicht ist eines rund 100 Symbolen auf den sogenannten Metacom-Blättern, die Elke und Jens Braun bei ihrer Arbeit benutzen.

Elke Braun ist Leiterin des Kriseninterventionsteams (Kit) der Malteser in Norderstedt sowie Stadtbeauftragte der Hilfsorganisation in der schleswig-holsteinischen Stadt. Ihr Mann Jens ist jeweils ihr Stellvertreter. Sie haben derzeit viel mit den Menschen zu tun, die vor dem Krieg aus der Ukraine nach Deutschland flüchten.

Die Metacom-Symbole, die den beiden bei der Verständigung mit den Kriegsflüchtlingen helfen, wurden ursprünglich von Annette Kitzinger entwickelt. Deren Tochter kam wegen einer Behinderung mit anderen Symbolsammlungen nicht zurecht, wie die Metacom-Erfinderin auf ihrer Website schreibt.

Mittlerweile gibt es Symbolreihen in vielen Varianten, unter anderem eben für die Kommunikation mit Geflüchteten, zweisprachig in Arabisch-Deutsch, Farsi-Deutsch, Ukrainisch-Deutsch und einigen anderen Sprachen. Die Tafeln - ebenso wie die sogenannten Minisigns, die Gebärdensprache mit einbeziehen - sind gut, um etwa bei der Ankunft in einer Flüchtlingsunterkunft erste Informationen zu geben, wie: Wo ist die Dusche? Wo gibt es etwas zu essen?

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Helfer nutzen Google Translate und Say Hi

Neben diesen analogen Hilfsmitteln nutzen die Ehrenamtlichen aber auch digitale. "Viele Jugendliche sprechen Englisch, aber für komplizierte Sachverhalte und für die Kommunikation mit den Erwachsenen verwenden wir Übersetzungsapps wie Google Translate, wenn kein professioneller Dolmetscher oder eine Dolmetscherin da ist", sagte Jens Braun im Gespräch mit unserer Redaktion.

Eine andere unter den Helfern beliebte App ist SayHi von Amazon (kostenlos), die Spracheingaben übersetzt und ausgibt. "Wir arbeiten sehr gern mit SayHi", schreibt uns etwa die Leiterin des Migrationsbüros Mecklenburg-Vorpommern der Malteser, Charleen Brügmann.

Eine weitere gute Übersetzungsapp (ebenfalls kostenlos) ist Deepl. Hier gibt es ebenfalls Sprachein- und -ausgaben, allerdings nicht auf Ukrainisch, dafür auf Russisch, das viele der Geflüchteten verstehen. Besagtes Google Translate findet sich auch auf einer umfangreichen Link-Liste und Materialsammlung des Deutschen Lehrerverbandes.

Google Translate hat wie Say Hi eine Sprachausgabe. Gibt man ein Wort oder einen Satz auf Deutsch ein und lässt ihn auf Ukrainisch übersetzen, erscheint die Übersetzung aber nicht nur in kyrillischen, sondern auch in lateinischen Buchstaben, was beim Aussprechen hilft, wenn man keine kyrillischen Buchstaben lesen kann.

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Hilfsmittel für Kinder

Das ist auch bei den Bilderwörterbüchern der Tüftelakademie, eines Zusammenschlusses von Pädagogen, so. Ihre PDFs mit mehr als 40 Seiten, in denen die Begriffe jeweils nach Themengebieten wie Kleidung, Essen und Trinken, Krankheit oder Ausländerbehörde gruppiert sind, können kostenlos heruntergeladen werden. Etwas weniger bunt, aber nicht weniger informativ ist ein fünfseitiges Glossar der Stadt Hamburg mit den wichtigsten Wörtern und Sätzen auf Ukrainisch und Deutsch (ebenfalls mit Aussprachehilfe).

Vor allem die Bilderwörterbücher und Metacom-Tafeln eignen sich auch gut für jüngere Kinder, die noch nicht lesen können. Wenn es um Fragen geht, die Kinder zum Krieg allgemein haben, sind die Websiten des Kinderkanals Kika (ARD und ZDF) und der Kindernachrichtensendung Logo (ZDF) gute Anlaufstellen. Bei der "Sendung mit der Maus" gibt es sogar einen "Sprachkurs Ukrainisch mit Yulia"

Hemmnisse, die nichts mit Sprache zu tun haben

Abgesehen von der Sprache sind viele Menschen aber auch generell unsicher, wie sie auf die Kriegsflüchtlinge zugehen sollen. Jens Braun von den Maltesern sagt dazu: "Wichtig ist, die Menschen nicht direkt nach Flucht- oder Kriegserlebnissen zu fragen. Denn damit würden sie in diese schrecklichen Situationen zurückversetzt, wo sie doch eigentlich erstmal Abstand gewinnen sollten.

"Man kann und sollte sie aber fragen, ob man ihnen etwas Gutes tun oder wie man ihnen behilflich sein kann", fügt Elke Braun hinzu. Dabei müsse man damit rechnen, dass sie zunächst einmal zurückhaltend sind, weil es ihnen vielleicht unangenehm ist. "Ein gutes Mittel ist zu sagen: Ich gehe gleich zum Einkaufen, zur Behörde, zur Post, ins Restaurant - möchten Sie nicht mitkommen?"

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Verwendete Quellen:

  • Telefonat mit Elke und Jens Braun vom Malteser Hilfsdienst in Norderstedt und weitere Informationen von der Pressestelle des Malteser Hilfsdienstes
  • Website des Deutschen Lehrerverbandes "Materialsammlungen zum Thema Ukrainekonflikt im Unterricht"
  • Website: "Informationen und Links zur Unterstützung - Sprachverständigung und Umgang im Unterricht"
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