Ihr Leben lang kämpfte Ute Bock für eine bessere Welt. Nun ist die Flüchtlingshelferin und ehemalige Erzieherin im Alter von 75 Jahren verstorben.

Österreich hat eine Große verloren: Ute Bock ist tot. "In tiefster Betroffenheit müssen wir Ihnen leider mitteilen, dass uns Frau Bock heute verlassen hat. Nach kurzer schwerer Krankheit ist sie heute um 4:40 Uhr im Kreise ihrer Schützlinge im Ute Bock Haus verstorben", heißt es auf der Website ihres Flüchtlingsprojekts.

"Ich habe einen Vogel, aber es gibt viele Leute, die meinen Vogel unterstützen", sagte Ute Bock einst. Unermüdlich setzte sich die ehemalige Erzieherin für das Wohlergehen geflüchteter Menschen ein. Ihr größtes Ziel war es, "eines Tages überflüssig zu werden".

Ein Dickkopf im Dienst der Menschen

Sie eckte an, stieß viele vor den Kopf - doch immer im Dienst der guten Sache. Wenige Tage vor ihrem Tod beklagte sie in einem Gespräch die aktuelle Situation. "Leider haben viele Menschen in Österreich noch nicht verstanden, dass Flüchtlinge in erster Linie Menschen sind. Menschen, die vor Hunger und Mord fliehen. Da kann man nicht einfach wegschauen und sagen, die sollen zurück, von wo sie her sind, so funktioniert das nicht!"

Seit einem Schlaganfall im Dezember 2013 konnte "Frau Bock" nicht mehr ganz so, wie sie wollte, saß eine Weile sogar im Rollstuhl. Ihrem Einsatz tat dies keinen Abbruch.

Ute Bock, die Unermüdliche

Ute Bock wurde 1942 in Linz geboren. Ab 1969 arbeitete sie als Erzieherin im Gesellenheim Zohmanngasse der Gemeinde Wien, das sie ab 1976 leitete.

Ab Anfang der 1990er-Jahre wurden vor allem Gastarbeiterkinder zu Ute Bock geschickt. Später kamen unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aus Kriegsgebieten hinzu.

Über Jahre war Bock die letzte Hoffnung für Jugendliche, für die es andernorts keine mehr gab. Wussten Sozialarbeiter oder Flüchtlings-Betreuerinnen nicht weiter, schickten sie die Jugendlichen "zur Bock". In der Zohmanngasse sollte niemand abgewiesen werden, der Hilfe brauchte.

Im Jahr 2000 gründete Bock den Verein "Flüchtlingshilfe Ute Bock" und kümmerte sich seither ehrenamtlich um Flüchtlinge und Asylwerber. 2002 folge die Gründung des "Ute Bock Verein - Wohn- und Integrationsprojekts".

2008 stand Bocks Verein vor dem Ruin. Mit der finanziellen Unterstützung des Unternehmers Hans Peter Haselsteiner gelang es, das Projekt weiterzuführen. Haselsteiner kaufte auch das Gebäude des ehemaligen Gesellenheims in der Zohmangasse, um es dem Verein zur Verfügung zu stellen.

Unterstützung aus der Kulturszene

Ute Bock gewann auch zahlreiche heimische Künstler für ihre Sache. Seit 2003 gibt es das Projekt "Bock auf Kultur", das von ihrem Verein ins Leben gerufen wurde. Das Motto: "Wir treten auf, solange Flüchtlinge auf der Straße stehen."

Österreichische Musiker, Kabarettisten und Künstler solidarisierten sich mit Bock und ihrer Idee. Dazu gehören etwa Robert Palfrader und Florian Scheuba, Hubsi Kramar, Peter Klien und auch die Wiener Symphoniker. Ziel des Projekts ist es, auf die prekäre Situation von Asylwerbern in Österreich aufmerksam zu machen und Spenden für den Verein zu sammeln.

Auch die Schriftstellerin Elfriede Jelinek gehörte zu Bocks Unterstützern. "Sie sind ein Mensch, eine von den Gerechten", sagte sie einst über Österreichs wohl bekannteste Flüchtlingshelferin.

In Wien erhielt sie zeitweise unter anderem Unterstützung durch eine Aktion "Bock auf Bier", bei der in Dutzenden Lokalen auf das Getränk ein Zehn-Cent-Zuschlag zugunsten ihrer Einrichtungen erhoben wurde.

"Mit ihrem unglaublichen Engagement, das oft Tag und Nacht beanspruchte, half sie Tausenden aus Notsituationen und ermöglichte damit vielen von ihnen einen Start in ein würdevolles und eigenverantwortliches Leben", würdigte Bundespräsident Alexander Van der Bellen sie.

Goldenes Verdienstzeichen für humanitäres Engagement

Bock wurde über die Jahre mit zahlreichen Preisen bedacht. 1999 erhielt sie von SOS Mitmensch den nach ihr benannten Ute-Bock-Preis für Zivilcourage, der seither vergeben wird.

Ein Jahr später ehrte sie die UNO mit dem UNHCR-Flüchtlingspreis. Es sollten viele weitere folgen.

2012 verlieh ihr der damalige Bundespräsident Heinz Fischer für ihr humanitäres Engagement das Goldene Verdienstzeichen der Republik Österreich mit den Worten: "Die Auszeichnung ist eine symbolische Geste, aber eine deutliche Geste, dass man Ihre außergewöhnliche und unorthodoxe Arbeit schätzt und weiß, wie viel Idealismus, Kraft und innere Energie dazugehören". Ute Bock wurde 75 Jahre alt.