• Menschen, die einen unterbewussten Drang verspüren, Erwartungen anderer Menschen zu erfüllen, nennt man People Pleaser.
  • Außenstehende Menschen würden People Pleaser als besonders hilfreich beschreiben, aber die Betroffenen selbst leiden an einem anhaltenden Verpflichtungsgefühl.
  • Vier Tipps können davor bewahren, in eine gefährliche Stufe des Verpflichtungsgefühls hinein zu rutschen.

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Es ist ein ganz natürlicher, menschlicher Instinkt, anderen gefallen zu wollen, sich selbst von seiner besten Seite zu präsentieren. Es ist sogar eine sehr positive Eigenschaft, wenn die Gefühle von anderen eine große Rolle in deinem eigenen Leben spielen, denn das bedeutet schließlich lediglich, dass man eine sehr fürsorgliche Person ist – oder? Schwierig wird es dann, wenn die eigenen Gefühle und Bedürfnisse in den Hintergrund geraten, bis sie schließlich ganz verschwinden. Dann ist man ein People Pleaser – ein Mensch, der allen gefallen will.

People Pleasing? Was soll das sein? Zu Deutsch bedeutet der Begriff: "Menschen gefallen". Der Ausdruck beschreibt also ein Verhaltensmuster, bei dem Betroffene einen unterbewussten Drang verspüren, die Erwartungen von anderen zu erfüllen, auch wenn sie dabei selbst auf der Strecke bleiben. Je mehr man sich jedoch darin verliert, sich an andere Menschen, deren Gewohnheiten und Vorlieben anzupassen, desto weniger ist man man selbst. People Pleaser verlernen die Fähigkeit, authentisch zu sein. In einsamen, stillen Momenten fragen sie sich dann: Wer bin ich eigentlich wirklich? Welche Version von mir selbst entspricht der Wahrheit? Oder gibt es diese Version überhaupt nicht?

Woher kommt People Pleasing?

Wenn man sich selbst in dieser Beschreibung wiedergefunden hat, stellt sich die Frage, woher dieses Gefühl kommt? Wie fast alle angelernten Verhaltensmuster findet sich der Ursprung von People Pleasing in der Kindheit. Als Kind hat man verschiedene Bezugspersonen wie beispielsweise den eigenen Vater oder die eigene Mutter. Wenn jetzt eine Bezugsperson dazu neigt, schnell die Beherrschung zu verlieren und auszurasten, kann es möglich sein, dass man sich stark an die Gefühlswelt der Bezugsperson anpasst, um solche Ausbrüche zu verhindern. Schlussendlich werden deine eigenen Emotionen und Bedürfnisse aus Angst vor einem Fehltritt und der darauffolgenden Konsequenzen verdrängt und man selbst passt sich an. Dieser Zustand kann sich im Laufe des Lebens durch prägende Begegnungen verstärken. Wenn man sich selbst immer wieder in solchen Machtstrukturen wiederfindet wie in der Auseinandersetzung mit strengen Lehrern, einem toxischen Freundeskreis oder narzisstischen Vorgesetzten, kann sich die bestehende Psychostruktur des People Pleasers verfestigen.

Ist People Pleasing gefährlich?

Aus der Perspektive von anderen Menschen ist People Pleasing wahrscheinlich keine schlechte Charaktereigenschaft. Im Gegenteil, die betroffene Person wird als äußerst hilfsbereit beschrieben, die besonders auf die Bedürfnisse von anderen Menschen achtet – sozusagen eine sehr selbstlose Person. Selbstlos trifft es ganz gut, denn man selbst ist man wohl eher nicht. Zwar kann man auch ein guter Freund oder eine gute Freundin sein, ohne direkt People Pleasing zu betreiben, jedoch schließt das eine, das andere nicht aus. Man wird zwar von anderen geliebt, geschätzt und als unkompliziert eingestuft, aber zu welchem Preis?

Das anhaltende Verpflichtungsgefühl, allem zuzustimmen, obwohl man weder Zeit noch Lust hat, weil man von der ständigen Angst begleitet wird, der Auslöser für einen Konflikt zu sein, kann so weit führen, dass die Welt schlussendlich nur noch eine belastende Aneinanderreihung von Verpflichtungen ist. Sich selbst verzeiht man dabei keinen Fehler und der Hang zu Perfektionismus reicht so weit, dass die Betroffenen irgendwann zu der zerstörerischen Erkenntnis kommen, dass sie es selbst überhaupt nicht verdient haben, ihr Umfeld mit ihren Befindlichkeiten zu belasten. Die einzige Lösung: Gar nicht mehr über seine eigenen Gefühle sprechen und sich damit in einen gefährlichen Strudel aus Angst, innerem Konflikt und Unzufriedenheit zu begeben. Dass man so nicht sein ganzes Leben verbringen kann, liegt wohl auf der Hand, es muss also früher oder später zu einem großen Knall kommen, bei dem das Fass überläuft und die unterdrückten Bedürfnisse, Empfindungen und Ängste ans Licht kommen.

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Bekämpfungstipps

People Pleasing kann also durchaus in eine gefährliche Richtung führen, die definitiv nicht gesund für Geist und Körper ist. Damit man dem großen Gefühlsknall vorbeugen kann, folgen nun ein paar hilfreiche Tipps.

Das eigene Selbstwertgefühl pflegen

Man sollte versuchen, sich bewusst mit der Frage auseinanderzusetzen, welche Dinge einem guttun, die man aber nicht für andere macht. Man sollte sich Zeit nehmen, um sich selbst zu reflektieren und seine Bedürfnisse anzunehmen und umzusetzen. Am besten eine kleine Liste anfertigen, die man nach und nach abarbeitet.

Kein toxisches Umfeld!

Man sollte sich ein Umfeld suchen, welches einen bei der Entwicklung der eigenen Identität und des Selbstbildes bestärkt und unterstützt. Egomanen und Narzissten, die einen zusätzlich emotional unterdrücken, sollte man aus seinem Leben streichen. Diese Menschen werden einem weiterhin das Gefühl geben, dass die eigenen Empfindungen weniger wert sind als ihre.

Eine neue Perspektive zulassen

Manchmal hilft es, wenn einem klar wird, dass die Menschen, die sich jetzt im eigenen Umfeld befinden, nicht die sind, die einen in der Kindheit unterdrückt haben. Sie werden nicht aggressiv oder jähzornig, wenn man seine Meinung und die eigenen Bedürfnisse vertrittt. Und wenn doch, hat man heute die Möglichkeit, für sich selber einzustehen.

Nein sagen!

Mit kleinen Schritten zum Erfolg: Einfach mal Nein sagen ist wichtig, um aus der emotionalen Abhängigkeit auszubrechen. Aussagen wie "Lass mich darüber nachdenken" oder "Ich melde mich später bei dir" verschaffen einem Zeit, um gründlich darüber nachzudenken und die Antwort später aufzuschreiben, denn die Visualisierung macht sie realer, greifbarer und weniger emotional.

Sein wahres Ich ist die beste Version von einem selbst!

All diese Tipps sollen dazu beitragen, dass man schlussendlich zu seinen Emotionen und Bedürfnissen steht. Es wird immer Menschen geben, denen man nicht gefallen wird und die anders auf die Anliegen reagieren, als man es sich erhofft. Das sollte einen allerdings nicht davon abhalten, seine eigene Identität zu entfalten. Man sollte sich nicht hinter einer inszenierten Maskerade verstecken, sondern den Mut haben, einfach man selbst zu sein.

Dies ist ein journalistisches Angebot des Online-Magazins ZEITjUNG.