Im vergangenen Jahr haben wir wieder Leserinnen und Leser in unsere Redaktion nach München eingeladen – diesmal junge Menschen bis 35 Jahre. Was sie bewegt, wie sie Nachrichten nutzen und wie wir ihnen gerecht werden, stand im Mittelpunkt unseres Lesertags.
Besonders in Erinnerung geblieben, schreibt uns Teilnehmerin Stefanie Scheider später, sei ihr der gemeinsame Austausch im Redaktionsraum, "als ihr die Beiträge der vergangenen Tage geteilt und mit dem ganzen Team offen diskutiert habt". Wie jeden Mittag trifft sich die Redaktion um 11:30 Uhr zur Konferenz. Mit dabei sind am 19. November auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Lesertags, einer Art "Tag der offenen Tür", zu dem die Redaktion einmal im Jahr nach München einlädt. Wie sonst am Freitag diskutieren die Redakteurinnen und Redakteure an diesem Mittwoch die Leserzuschriften der vergangenen Tage, darunter Lob und auch viel Kritik. Stefanie Scheider: "Eure konstruktive Feedback-Kultur hat mich beeindruckt."
Der Besuch der Redaktionskonferenz zählt jedes Jahr zu den Höhepunkten unseres Lesertags. Doch diesmal ist etwas anders als sonst: Wir haben gezielt junge Leserinnen und Leser eingeladen – Menschen, die nicht älter als 35 Jahre alt sind –, um zu erfahren, wie diese Generation Nachrichten konsumiert – und was sie von einem Nachrichtenangebot erwartet.
Begrüßt haben wir unsere Gäste am Morgen dieses milden Herbsttags im Foyer unseres Redaktionsgebäudes: zwei aus Berlin, vier aus München und Umgebung. Die jüngste Teilnehmerin ist 13 Jahre jung, die älteste 35. Es sind weniger Teilnehmende als im vergangenen Jahr – die damalige Krankheitswelle hat leider zu einigen Absagen geführt. Jedoch: Im kleinen Kreis bleibt mehr Zeit für Fragen, für ausführliche Erklärungen und Austausch.
Einblicke in unseren Redaktionsalltag
Nach einer kurzen Vorstellungsrunde übernimmt unser Chefredakteur Thomas Rebbe. Er gibt einen Überblick darüber, wie unsere Redaktion arbeitet: Wann beginnt unser Tag? Wie entstehen unsere Nachrichten? Wer liest uns überhaupt?
Anschließend haben die Teilnehmenden Zeit für Fragen. Besonders interessiert sind sie an der personalisierten Ausspielung von Inhalten auf unserem Portal, also daran, welche Nachrichten allen Nutzern und welche nur nach Interesse angezeigt werden.
Was wir von unseren Gästen wissen möchten
Anschließend folgt eine Fragerunde, bei der wir den Spieß umdrehen. Wir hatten unsere Kolleginnen und Kollegen im Vorfeld gefragt, was sie unbedingt von unseren jungen Lesern wissen wollen, und sie gebeten, uns ihre Fragen einzureichen.
Wir fragen unsere Gäste ganz spontan und unvermittelt: Möchten sie lieber geduzt oder gesiezt werden? Welche Form des Genderns bevorzugen sie? Und klicken sie Nachrichten eher wegen des Bildes oder der Überschrift an? Die Antworten sind vielseitig und differenziert – ein Format, das uns wertvolle Impulse für die redaktionelle Weiterentwicklung liefert. Eine erste Erkenntnis: Unsere jungen Leserinnen und Leser stören sich nicht am Du. Im Gegenteil: Für sie passt das Duzen besser zu einer Kommunikation auf Augenhöhe, auch zwischen Redaktion und Publikum.
Zu Besuch in der Redaktionskonferenz
Danach steht der Besuch der Konferenz an, den Stefanie Scheider so beeindruckend fand. Anderen geht es auch so. Die heutige Chefin vom Dienst – so wird im Journalismus die Rolle bezeichnet, die sich um das Tagesgeschäft kümmert, die Meldungen platziert und fortwährend die wichtigsten Themen im Blick hat – stellt vor, welche Nachrichten am Vortag und Vormittag am meisten interessiert haben.
Dann steht das Leserfeedback auf dem Plan. Bei einem Punkt interessiert uns auch die Einschätzung der jungen Leserinnen und Leser: Per Leserzuschrift erreicht uns manchmal die Kritik, die Redaktion verwende zu viele Anglizismen. Unsere Gäste aber sind sich einig: Sie stören sich nicht an englischen Begriffen, für viele gehören diese zum Sprachgebrauch.
Workshops: Mitgestalten, bewerten, ausprobieren
Nach einem gemeinsamen Mittagessen beginnen die Workshops. An zweien davon nehmen alle Gäste teil: Video und Design. Im Video-Workshop wollen wir unter anderem erfahren, welche Inhalte unsere Gäste interessieren und ob sie sich Untertitel wünschen. Im Design-Workshop werden die Teilnehmenden selbst aktiv und gestalten ihre ideale Startseite.
Für die letzten Workshops teilen wir die Gruppe auf. Ein Teil unserer Gäste diskutiert mit Vertretern der Redaktion, welche Maßstäbe sie an journalistische Qualität anlegen und wie viel Transparenz sie erwarten. Dabei geht es auch um einen verantwortungsvollen Umgang mit künstlicher Intelligenz.
Stefanie Scheider schreibt uns später: "Ich habe es sehr geschätzt, wie reflektiert Ihr mit den Themen Transparenz und Qualität umgegangen seid und wie bewusst Ihr dabei Eure Verantwortung bei der Veröffentlichung von Beiträgen angesichts der wachsenden Bedeutung von künstlicher Intelligenz und der Schnelllebigkeit wahrnehmt."
Die zweite Gruppe widmet sich unseren Leserformaten: Welche Aufrufe sind für junge Menschen relevant? Wie möchten sie eingebunden werden? Und welche Beiträge würden sie gerne lesen? In allen Workshops wird offen, kritisch und neugierig diskutiert. Und: Der Input fließt direkt in unsere Produkt- und Formatentwicklung ein.
Abschlussrunde: Was bleibt und was wir lernen
Zum Tagesabschluss kommen alle noch einmal zusammen. Wir sammeln Rückmeldungen zum Programm, reflektieren den Tag und diskutieren, wie wir junge Menschen dauerhaft besser erreichen können. Der Tenor ist eindeutig: Der direkte Austausch war für beide Seiten wertvoll.
Die Gäste konnten uns ihre Perspektive vermitteln und wir haben verstanden, an welchen Stellen wir transparenter, moderner und zielgruppengerechter werden müssen. Genau daran arbeiten wir nun weiter.