Immer wieder kommt sie auf: die Diskussion um den 12-Stunden-Tag. Die Wirtschaft pocht auf die Umsetzung von längeren Arbeitszeiten, die Arbeiterkammer spricht sich dagegen aus. Wie könnten sich die 12-Stunden-Dienste auf die Beschäftigten auswirken?

Die Arbeit jede Woche bis spätestens Donnerstag erledigen und öfter mal mittags in den Feierabend gehen: Der 12-Stunden-Tag klingt nach einem Modell mit viel Zuspruch. Allerdings gibt es von diversen Seiten Kritik.

Sieht man sich die Ergebnisse einer Studie des Ifes-Instituts (März 2017) an, scheint innerhalb der österreichischen Bevölkerung die Skepsis zu überwiegen.

In der Alterskategorie der 16- bis 29-Jährigen lehnen 88 Prozent eine Arbeitszeiterhöhung ab. Auch 75 Prozent der Menschen, die 50 Jahre oder älter sind, haben im Rahmen der Umfrage den 12-Stunden-Tag abgelehnt.

Tauziehen zwischen Wirtschaft und Gewerkschaft

Im Dialog zwischen Wirtschaftsvertretern, Gewerkschaften und Arbeitssoziologen findet seit einiger Zeit ein Tauziehen statt.

Georg Kapsch, Präsident der Industriellenvereinigung, forderte etwa Mitte Juli einmal mehr eine tägliche Höchstarbeitszeit von zwölf Stunden - in Verbindung mit Gleitzeitregelungen, gleichbleibender Wochenarbeitszeit und längeren Freizeitblöcken.

Der Soziologe Jörg Flecker von der Universität Wien sieht nicht bloß die Vorteile für Unternehmer. Beispielsweise könnten durch die Einführung des 12-Stunden-Tags Personalressourcen in dichten Arbeitsphasen gebündelt werden.

Wichtig sei auch die Frage nach der Qualität und der langfristigen Gesundheit der Arbeitnehmer. "Betriebe müssten zwar weniger genau planen, wenn die Arbeitszeit ausgedehnt werden kann, aber die abnehmende Leistungsfähigkeit wird zu wenig bedacht", sagt Flecker.

Dem Unternehmen sei nicht gedient, "wenn wichtige und qualifizierte Beschäftigte mit Burnout ausscheiden und ersetzt werden müssen", betont der Soziologe. Daher sei es nicht überraschend, dass einige Betriebe sogar einen 6-Stunden-Tag eingeführt - "und damit die Krankenstände gesenkt haben".

Die gesundheitlichen Folgen der 12-Stunden-Dienste würden oft übersehen: "Die Unfallgefahr steigt stark ab der siebten und achten Stunde." Wenn zu zehn oder zwölf Stunden Arbeit noch Autofahrten hinzukämen, könne die Ermüdung sehr riskant werden. "Es ist klar nachgewiesen, dass die Gesundheit unter langen Arbeitszeiten leidet", betont Flecker.

Kann der Chef entscheiden, wann ich zu arbeiten habe?

Eine weitere Sorge ist die Frage nach neuen Machtstrukturen im Anstellungsverhältnis. Kann ein flexibler Ansatz im Jobwesen dazu führen, dass es zu einem Mehr an unbezahlten Überstunden kommt? Kann der Chef entscheiden, wann ich zu arbeiten habe, wie es ihm beliebt?

Zu so einer Situation komme es meist gar nicht, erklärt Sozialwissenschaftler Flecker. "Arbeitszeitflexibilisierung heißt in erster Linie weniger Überstundenzuschläge. Es geht in Wirklichkeit um Geld."

Nach vorliegenden Untersuchungen würden flexible Arbeitszeiten überwiegend für betriebliche Zwecke, für die Erledigung der Arbeit und nur selten für private Bedürfnisse genutzt.

Mehr Urlaub für 12-Stunden-Zusage?

Trotz aller Kritik und Warnungen halten die Gewerkschaften unter bestimmten Bedingungen die geforderte Neuregelung dennoch für möglich.

Die Streitpunkte dabei: Längere Freizeitblöcke, um den gesundheitlichen Belastungen - und Folgekosten von etwaigen erhöhten Krankenständen - der Arbeitnehmer entgegenzuwirken.

Auch geht es um mehr Flexibilität in Sachen Kinderbetreuung und eine allgemein verkürzte Jahresarbeitszeit, zum Beispiel durch die Einführung einer sechsten Urlaubswoche. Besonders zugutekommen könnte das Eltern bei der Kinderbetreuung.

Was ebenfalls noch auszudiskutieren ist: das Recht auf (reale) selbstbestimmte Freizeit für Arbeitnehmer sowie die Beibehaltung von Überstundenzuschlägen.