Eigentlich gilt der Dezember als guter Börsenmonat. Nicht jedoch in diesem Jahr. Seit Tagen rauschen die Kurse in den Keller, Börsianer ahnen Schlimmes für den letzten Monat dieses Jahres. Auslöser ist wohl nicht nur der ungelöste Haushaltsstreit in Washington.

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Nach dem Absturz und den Panikverkäufen an der Wall Street sind am Dienstag auch die japanischen Aktienmärkte auf Talfahrt gegangen. Der Nikkei-Index brach ein und schloss 5,01 Prozent im Minus bei 19,155.74 Punkten - das ist der tiefste Stand seit dem Frühjahr 2017. Der US-Aktienmarkt hatte am Montag trotz der Beschwichtigungsversuche aus Washington seine Talfahrt ungebremst fortgesetzt und ist ungewöhnlich stark abgesackt. US-Präsident Donald Trump rief am Dienstag dazu auf, Aktien zu kaufen. "Ich denke, es ist eine riesige Chance, zu kaufen. Wirklich eine großartige Gelegenheit", sagte er im Weißen Haus. Er habe "großes Vertrauen" in amerikanische Unternehmen.

Auslöser der Talfahrt an den Aktienmärkten ist vor allem der Haushaltsstreit zwischen Trump und den oppositionellen Demokraten. Investoren befürchten eine Schwächung der US-Wirtschaft. Hinzu kamen eine neue Attacke von Trump gegen die US-Notenbank Fed sowie kurzfristig angesetzte Beratungen von US-Finanzminister Steven Mnuchin mit Vertretern der Aufsichtsbehörden.

Am Montag sackte der Dow Jones Industrial unter 22 000 Punkte und verlor zum Schluss des verkürzten Handelstages 2,91 Prozent auf 21 792,60 Zähler. Marktteilnehmer berichteten über ein für Heiligabend ungewöhnlich schwankungs- und volumenreiches Geschäft. Der marktbreite S&P 500 sank um 2,71 Prozent auf 2351,10 Punkte, der Nasdaq 100 um 2,43 Prozent auf 5899,36 Zähler.

Der Dow hat damit innerhalb von drei Monaten gut 17 Prozent verloren, die Nasdaq in dieser Zeit 22 Prozent und der breiter gefasste US-Leitindex S&P 500 etwa 20 Prozent. Analysten befürchten, dass der Dezember dieses Jahres an der Wall Street der schlechteste Börsenmonat seit Anfang der 1930er-Jahre werden könnte.

Trump hatte die Notenbank Federal Reserve am Montag erneut angegriffen. "Das einzige Problem, das unsere Wirtschaft hat, ist die Fed", schrieb Trump auf Twitter. Die Notenbanker hätten kein Gespür für den Markt: "Die Fed ist wie ein mächtiger Golfspieler, der nicht punkten kann, weil er kein Gefühl hat - er kann nicht einlochen!"

Trump hatte den von ihm selbst nominierten Fed-Chef Jerome Powell wegen der Zinserhöhungen mehrfach ungewöhnlich scharf kritisiert. Trump glaubt, dass durch unnötig hohe Zinsen die US-Konjunktur abgewürgt werden könnte. Die erneute Erhöhung der US-Leitzinsen am vergangenen Mittwoch und der Ausblick der Notenbank Fed auf 2019 hatten die Börsen weltweit auf Talfahrt geschickt.

Am Dienstag legte Trump nach mit Kritik an der Fed. Auf eine Frage nach der Zukunft Powells säte Trump mit seiner Antwort eher Zweifel: "Na ja, wir werden sehen. Aber sie erhöhen die Zinsen zu schnell, das ist meine Meinung." Zugleich stellte er sich hinter seinen Finanzminister Mnuchin. Auf die Frage, ob er Vertrauen in Mnuchin habe, sagte der Präsident: "Ja, das habe ich. Sehr talentierter Typ. Sehr schlaue Person."

Mauer-Streit schlägt sich in der Börse nieder

Angesichts der erheblichen Kursrückgänge an den US-Finanzmärkten hatte US-Finanzminister Mnuchin versucht, die Märkte zu beruhigen. Er hatte gesagt, Trump habe nicht die Absicht, Notenbankchef Powell zu entlassen. Er habe zudem mit den Chefs der sechs größten US-Banken telefoniert, die ihm erklärt hätten, dass sie über ausreichend Liquidität verfügten, so Mnuchin. Händler werteten das als kontraproduktiv: Letzteres habe am Markt entgegen den Absichten des Ministers die Unruhe noch verstärkt, sagten sie.

Der teilweise Stillstand der Regierungsgeschäfte in den USA lastete ebenfalls auf der Stimmung. Dieser könnte sich nach Einschätzung des Weißen Hauses über Weihnachten bis ins neue Jahr hinziehen. Trump erklärte am Dienstag, er könne nicht sagen, wann der sogenannte Shutdown vorbei sein werde. Es könne kein Ende geben, wenn es nicht auch eine Mauer an der Grenze zu Mexiko gebe - eine Forderung, die die oppositionellen Demokraten bislang strikt ablehnen. Bewegung bei den Gesprächen zwischen beiden Seiten im Haushaltsstreit war zunächst nicht in Sicht. Von Experten hieß es, der Markt fürchte, dass sich diese Situation negativ auf die ohnehin schon eingetrübten Konjunkturerwartungen auswirke.  © dpa

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