"Pegida" bewirbt und vertreibt im Internet eigenes Liedgut - eine Hymne. Hohn und Spott erhält das fremdenfeindliche Bündnis an gleicher Stelle dafür kostenlos.

Das musikalische Machwerk von Pegida heißt "Gemeinsam sind wir stark". Und weil man bei den Islamgegnern gerne am ganz großen Rad dreht, hat man das Lied gleich zur offiziellen Hymne erklärt.

Auf einen bedeutungsschwangeren Text wurde verzichtet, was auf ironische Weise die charakteristische Inhaltsleere von Pegida im Rahmen einer künstlerischen Selbsterkenntnis betont.

Pegida goes "Lalalala" und "Mmmmmmm"

Musikalisch präsentiert sich "Gemeinsam sind wir stark" als ein Hybrid aus Meditationsgesäusel, Kirchenglockengebimmel, etwas "Lalalala" mit "Mmmmmm, Mmmmmm" und ganz viel "Aaaaaaa, ahaaaaaaa".

Globalisierung, Flüchtlinge, Terror: Ängste nehmen zu. Mit Folgen.

Alles in allem also ein gelungenes Remix aus dem Esoterikgedüdel in Uschis Massagesalon in der Kalkwannenstraße 3, einem ordentlichen Einlauf (den von Henry Maske zu Vangelis), Big Ben für besorgte Bürger und einem misslungenen Soundcheck der Crash Test Dummies.

Das Intro scheint einer Gute-Nacht-Spieluhr von "Toys 'R' Us" entnommen zu sein und ist so wunderbar narkotisierend, dass dem marschierenden Wutbürger auf der Montagsdemo eigentlich die Füße einschlafen sollten.

Die Macher sind jedenfalls stolz auf ihre Kaufhaus-Hymne und drohen in Person von Pegida-Chef Lutz Bachmann: "Es werden noch weitere Versionen folgen."

In diesen könnte dann das "Lalala" durch "Uiuiuiui" und das "Aaaaaaa, haaaa, haaaa" durch ein griffigeres "Hahahaha" ersetzt werden, um abendländischer Kreativität sowie der einzigartigen Vielfalt deutscher Sprache gerecht zu werden.

Pegida-Hymne als Lachnummer

Das Lied wird zur Lachnummer.

Bei vielen kommt der patriotische Klangbrei jedenfalls super gut an - wenn auch nicht so, wie von Pegida erwünscht. Im Internet wird die Nummer zur Lachnummer.

Nun lässt sich ja bekanntlich gerade auch über musikalischen Geschmack trefflich streiten, weshalb man die Hymne natürlich auch richtig gut finden kann - aber auch das Gegenteil ist legitim.

Und wenn Pegida auf Kundgebungen schon mal aufs Übelste gegen Ausländer, Moslems und Andersdenkende austeilt, so dachten sich wohl viele der Hymnen-Rezensenten, dann darf dieser Hass auch gerne mal etwas Humor einstecken.

Pegida-Gegner beweisen Humor

Von bislang rund 700 Bewertungen auf Amazon verteilen über 400 gerade mal einen von fünf möglichen Sternen. Und die Kommentatoren beweisen dabei eine ordentliche Portion Wortwitz gegen rechtes Gedankengut.

"Leider funktioniert das Produkt nicht", bemängelt einer. "Ich habe das Lied mehrfach mit meinen Freunden angehört, leider wurden wir weder stärker noch deutscher. Es hilft auch nicht gegen Islamisierung. Allerdings stellten sich direkt beim ersten Hören qualvolle Ohrenschmerzen ein."

Weitere Kommentare zur Pegida-Hymne:

  • "Nützlich wie ein Kabelbrand im Herzschrittmacher oder ein Hamster im Ausguss. Eigentlich schade, dass man keine Minussterne vergeben kann."
  • "Wenn das die Kultur ist, die es zu schützen gilt, dann bleibe ich Kulturbanause. Au Backe, mein Zahn, ist das übel!"
  • "Da kauf ich mir doch lieber 'nen Döner!"
  • "Bach... Beethoven... Wagner... Mahler... So viel deutsche Leitkultur in der Musik! Von unseren Dresdner Kulturhengsten hätte man doch wenigstens Bohlen erwartet."
  • "Ich bin nicht sicher, ob das noch als Musik durchgeht, oder schon unter Folter fällt."
  • "'Gemeinsam sind wir hohl!' wäre der angebrachtere Titel dieses Machwerks."
  • "Hilft wunderbar gegen Menschlichkeit, Nächstenliebe und Schwiegermütter."
  • "Wo ist Helene Fischer, wenn man sie am nötigsten braucht?"

Eine weitere ausführliche Musikrezension bewegt sich eher auf einer philosophischen Metaebene und lobt den Synergie-Effekt des Pegida-Kunstwerks:

"Das Leben ist ein Geben und Nehmen. Mal übernimmt man sich, mal übergibt man sich... und manchmal tut man beides zur selben Zeit."

Bleibt am Ende also nur noch eine Frage offen: Wenn sich Pegida nur in der Gemeinschaft stark fühlt, wieso hat die Organisation dann so offensichtlich nur einer armen Seele das Komponieren überantwortet?