Der Tod kommt vor allem für junge Menschen oftmals sehr plötzlich. Ob schwerer Unfall oder eine lebensbedrohliche Krankheit: Mit dem Sterben und den Folgen setzen sich viele zu spät oder gar nicht auseinander. Die App "LifeCompanion" möchte das sensible Thema in den Fokus rücken. Das hat es damit auf sich.

Franziska Fleischer
Meine Meinung
von Franziska Fleischer

Wie möchten Sie bestattet werden? Wer hat die Vorsorgevollmacht? Und wo liegen Ihre wichtigen Zugangsdaten? Das sind alles Fragen, die sich Ihre Angehörigen nach Ihrem Ableben oder im Falle eines schweren Unfalls stellen müssen. Zu diesem Zweck hat die Mobile Software AG für TomorrowBits die App "LifeCompanion" entwickelt.

Auseinandersetzung mit dem Tod

Leonhard Bichler ist Initiator der App, Gründer von TomorrowBits und Extremsportler. Er kam auf die Idee, als er selbst vor knapp drei Jahren mit dem Tod konfrontiert wurde. Sein Kletterpartner stürzte bei einer Tour in der Waidringer Steinplatte zehn Meter in die Tiefe. Er wurde mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Krankenhaus geflogen. "Dieses einschneidende Erlebnis bewirkte ein nachhaltiges Umdenken bei mir", erinnert sich Bichler. "Mir wurde schlagartig klar, dass ich selbst kaum auf meinen Tod vorbereitet war."

Seitdem hat er sich zum Ziel gesetzt, den Menschen bei dem bewussteren Umgang mit der eigenen Sterblichkeit zu helfen. "Dieser Prozess kann diffuse Ängste vor dem Tod abbauen. Und führt gleichzeitig dazu, sich über die eigenen Wünsche und Ziele klar zu werden", meint Bichler. "Dadurch kann die App auch dabei helfen, das Leben bewusster zu gestalten."

Jens Wehrmann, Geschäftsführer der Mobile Software AG, ist der Software-Entwickler der App und von "LifeCompanion" ebenfalls überzeugt: "Ich habe in der App zum Beispiel Nachrichten für meine Kinder hinterlegt. Darin geht es primär um meine Werte und meine Einstellung zum Leben, quasi ein emotionales Testament."

So funktioniert die App

Aber was beinhaltet die App genau? Zunächst können Sie Ihr Bild, Ihren Namen und Ihr Geburtsdatum angeben. Unter "Mein Profil" ist es Ihnen möglich, das Lied für Ihre Bestattung auszuwählen, einen Grabredner zu bestimmen und einen Bestattungswunsch zu äußern. Außerdem können Sie letzte Nachrichten an Ihre Lieben und einen Facebook-Post schreiben.

In der nächsten Kategorie müssen Sie einen Vertreter wählen, der der App Ihren Tod mitteilen wird. Damit Sie nicht einfach von einer Person für Tod erklärt werden, müssen Sie auch mindestens zwei Zeugen benennen, die zuerst Ihren Tod bestätigen müssen. Erst dann bekommt der Vertreter Zugriff auf alle abgelegten Informationen und Dokumente.

Es gehört auch zu seinen Aufgaben, die letzten Nachrichten abzuschicken und den Facebook-Post zu veröffentlichen. Der Vertreter kann den Post weder inhaltlich verändern noch die gesendeten Nachrichten einsehen.

Im nächsten Schritt unter "Dokumente" können Sie dem Vertreter dann Informationen über Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung, Testament, Lebensversicherung, Bestattungsart und vielem mehr hinterlassen. Auch Geheimzahlen, Zugangsdaten, Tresorkombinationen und dergleichen können angegeben werden.

Die App warnt ihre Nutzer allerdings vor der Preisgabe solcher sensiblen Informationen. "LifeCompanion" rät, nicht die Geheimzahl direkt anzugeben, sondern lediglich einen Ort, an welchem diese zu finden ist. So geraten solche sensiblen Informationen nicht in die falschen Hände. Wenn der Tod eines Nutzers bestätigt wurde, werden die Daten sechs Monate nach dem Ableben gelöscht.

Macht die App Sinn?

An sich ist die App eine gute Idee. Die Digitalisierung hält immer mehr Einzug in unser Leben und deswegen ist es auch nicht falsch, wenn man sogar dieses Thema auf das Smartphone mitnimmt. Aber ausgerechnet die älteren Menschen, für die der Tod auch im Bekanntenkreis eine große Rolle spielt, werden von dieser Idee ausgeschlossen. 70- oder 80-Jährige werden sich diese App nicht herunterladen, die meisten haben auch gar kein Smartphone.

Das zweite Problem: Besonders sensible Daten werden einem vollkommen unbeteiligten System mitgeteilt. Auch wenn "LifeCompanion" angibt, die Daten unter Verschluss zu halten, liegen doch irgendwo in einer Datenbank wichtige Informationen und Dokumente über das Leben fremder Personen. Selbst wenn nur der Ort einer Geheimzahl angegeben wurde, offenbart diese Information möglichen Hackern doch einiges.

Obwohl der Hersteller angibt, dass die Menschen auf diese Weise nicht mehr so viel Angst vor dem Tod haben werden und ihren Angehörigen viel Arbeit abnehmen, teile ich diese Meinung nicht. Nur, weil sich jemand mit dem eigenen Tod auseinandersetzt, bedeutet das nicht, dass derjenige auch gleichzeitig weniger Angst vor dem Sterben hat. Und vielleicht ist auch gerade die Auswahl des letzten Liedes, der Bestattungswunsch und Ähnliches ein Weg für Angehörige, mit dem Ableben eines Vertrauten abzuschließen.

Außerdem kann ich mir vorstellen, dass ein Angehöriger andere Dinge im Kopf hat, als der App mitzuteilen, dass jemand gestorben ist. Und auch die angegebenen Zeugen haben bestimmt etwas Besseres zu tun, als den Tod auch noch zu bestätigen. "LifeCompanion" benötigt mindestens drei sehr vertraute Personen, damit jemand für Tod erklärt werden kann. Wahrscheinlich werden nicht genügend direkt beteiligte Personen die App nutzen, damit sie funktioniert, wie sie vorgesehen ist.

Besonders überflüssig empfinde ich den letzten Facebook-Post, wichtige Personen wurden sowieso bereits über das Ableben eines Freundes informiert. Auf diese Weise bekommt das soziale Netzwerk nur noch mehr Kontrolle und Daten über die einzelnen Nutzer. Dazu muss ich aber auch sagen, dass ich niemand bin, der viel auf Facebook oder Twitter unterwegs ist. Auch die letzten Nachrichten sollten nicht einfach nur von einer App per E-Mail verschickt werden.

Fazit: Ich denke, dass die App wirklich eine schöne Idee ist, um sich mit dem eigenen Ableben auseinander zu setzen. "LifeCompanion" nennt einige Dokumente und Szenarien, an die viele Betroffene wahrscheinlich nicht denken würden. Diejenigen, die wirklich Vorsorge treffen wollen, werden das aber wahrscheinlich lieber persönlich erledigen - ohne Smartphone. Und ein handgeschriebener Brief ist auch viel schöner als eine E-Mail von einer App.

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    Ja, auf jeden Fall. Das ist wirklich eine tolle Hilfe.
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    Vielleicht schaue ich sie mir an. Ich bin aber noch nicht überzeugt.
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    Nein, ich werde die App nicht nutzen. So etwas regle ich außerhalb meines Smartphones.