Das Masernvirus gehört zu den ansteckendsten der Welt. Der einzig sichere Schutz ist die Impfung. Trotzdem liegt die Impfrate in Österreich deutlich unter den von der Weltgesundheitsorganisation empfohlenen 95 Prozent.

Gerade sorgt ein österreichischer Masernfall für Aufsehen. In der Steiermark hat sich eine Erkrankung bestätigt: Eine Krankenpflegeschülerin steckte sich während eines Praktikums in der Kinderklinik Graz an - vermutlich bei einem infizierten Kind. Die Frau dachte, sie sei gegen Masern geimpft. Sie ist derzeit in Behandlung.

Die Folgen sind noch nicht abschätzbar - die junge Frau dürfte während ihres Praktikums in der Ambulanz mit rund 170 Kindern Kontakt gehabt haben. Die betroffenen Eltern wurden Medienberichten zufolge am Wochenende informiert. Bei 130 der Kinder reicht demnach der Impfschutz aus, 40 könnten sich indes infiziert haben: Sie sind nicht geimpft.

Aktuelle Brisanz bekommt der Fall, weil in Berlin vor Kurzem ein Einjähriger an den Folgen einer Masernerkrankung starb. Er war das erste Todesopfer der derzeit in Deutschland grassierenden Masernwelle, bereits der dritten seit 2011. Allein dieses Jahr wurden beim Robert-Koch-Institut deutschlandweit 507 Krankheitsfälle gemeldet - mehr als im gesamten Jahr 2014. Was den Fall so tragisch macht: Der verstorbene Bub war nicht gegen das Virus geimpft. Deutschland diskutiert nun eine Impfpflicht - und auch in Österreich warnen Behörden vor Rückschlägen im Kampf gegen die Masern. Eine Ansteckungswelle, wie sie Berlin erlebt hat, ist auch hierzulande jederzeit möglich.

Masern sind eine hochansteckende Infektionskrankheit, die neben einem roten Hautausschlag auch eine erhebliche Schwächung des Immunsystems bewirkt. Hohes Fieber, Entzündung der Schleimhäute und grippeähnliche Symptome sind typisch. Der Großteil der Erkrankungen verläuft problemlos und ohne Folgen, jedoch sind schwerwiegende Komplikationen wie Lungenentzündung, Hirnhaut- und Hirnentzündung nicht auszuschließen.

Im schlimmsten Fall droht sogar der Tod: Laut dem deutschen Robert-Koch-Institut stirbt einer von 1.000 Patienten. In Entwicklungsländern mit niedrigerer Impfrate liegt die Sterblichkeitsrate bei bis zu 25 Prozent. Hier treten meist Lungenentzündungen als zum Tode führende Komplikation auf.

Sind 95 Prozent geimpft, greift die "Herdenimmunität"

Schutz gegen Infektionskrankheiten wie Masern bietet eine einfache Impfung, die in zwei Dosen in den ersten beiden Lebensjahren verabreicht wird. Bei einer Durchimpfungsrate von mindestens 95 Prozent der Bevölkerung greift die sogenannte "Herdenimmunität": Die wenigen Ungeimpften sind durch den hohen Anteil an Geimpften indirekt geschützt, die Krankheit kann sich nicht ausbreiten.

In Skandinavien sind die Masern quasi ausgerottet – dank der hohen Impfrate. Die WHO hatte sich für 2015 die europaweite Ausrottung zum Ziel gesetzt, dieses ist angesichts der aktuellen Infektionszahlen schwer ins Wanken geraten. Wie schnell ein nahezu eliminiertes Virus sich wieder verbreiten kann, zeigte 2014 ein rasanter Anstieg von Polioinfektionen in Pakistan, Syrien und Kamerun, woraufhin die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den Notstand ausrief.

Impfen birgt Risiken

Bis zu zehn Prozent der Patienten reagieren nach der Immunisierung mit Fieber oder Gelenkschmerzen. Solche Begleiterscheinungen rufen Impfgegner auf den Plan, die die Belastung insbesondere für Kinderkörper kritisieren und sich gegen Impfungen aussprechen. Befürworter hingegen verweisen auf die verhältnismäßig schwachen Nebenwirkungen einer Impfung gegenüber den möglichen Auswirkungen einer Infektion.

Zudem würden die Risiken der Infektion unterschätzt, da schwerwiegende Erkrankungen in Europa gerade wegen hoher Impfraten sehr selten geworden sind – schnell wird fälschlicherweise der Umkehrschluss gezogen, Masern seien "nur" eine Kinderkrankheit, die schlicht ausgestanden werden könne.

Österreich ist in keiner akuten Gefahr

In Österreich liegt die Durchimpfungsrate bei rund 80 Prozent. Auch hier die Elimination der Krankheit in weite Ferne gerückt. Im Jänner wurden an das Bundesgesundheitsministerium 37 Masernfälle gemeldet, für Februar liegen noch keine Zahlen vor. Im gesamten Jahr 2014 waren es jedoch nur 114 Fälle, 2013 lediglich 74.

Österreich ist nicht nur aufgrund des aktuellen Falls von den Masern bedroht: Es besteht keine Herdenimmunität – ein einzelner Erkrankter kann den Erreger einschleppen und auch hierzulande eine Erkrankungswelle auslösen. Die letzte große Epidemie brach in den 1990er-Jahren aus, von 1993 bis 1997 wurden an die 30.000 Infektionen gemeldet. 2008 wurde die Krankheit aus der Schweiz eingeschleppt und hatte 442 Ausbrüche zur Folge.

Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser (SPÖ) setzt weiter auf Aufklärung und Impfaufrufe. Die Kampagne "Keine Masern" wird aktuell wieder verschärft gefahren und auch im Impfplan 2015 wird die kombinierte Impfung Mumps-Masern-Röteln dringend empfohlen.