• Viele wissen es nicht: Hodenkrebs ist die häufigste Krebsart bei Männern zwischen 25 und 45.
  • Aufklärung und Vorsorge sind hier lebensentscheidend: Denn bei frühzeitiger Diagnose sind die Heilungschancen exzellent.

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Es sorgte für mächtig Wirbel: In einem aktuellen Ratgebervideo der Techniker Krankenkasse (TK) erklärt eine Darstellerin von Sexvideos, wie Männer durch Abtasten Hodentumore erkennen. Die Art und Weise des Videos löste heftige Kritik aus: Es entspreche ganz der Klischee-Dramaturgie eines Pornofilms und sei sexistisch, hieß es etwa.

Die TK hatte mit einem regelrechten Shitstorm zu kämpfen und musste auf die unschönen Vorwürfe reagieren. Doch warum wird Aufklärung gerade bei dieser Erkrankung großgeschrieben und was sollte man auf jeden Fall über Hodenkrebs wissen?

Er gehört zu den Krankheiten, bei denen sich Vorsorge ganz besonders lohnt. Bei rechtzeitiger Früherkennung kann Hodenkrebs in fast allen Fällen geheilt werden. Doch die Zielgruppe aufzuklären – Männer zwischen 25 und 45 – ist eine Herausforderung. Deshalb setzen Krankenkassen und Krebsgesellschaften immer wieder auf aufmerksamkeitsstarke Informationskampagnen.

Warum ist Aufklärung bei Hodenkrebs so wichtig?

"Der Hodentumor gehört zu den wenigen Tumoren, die sich exzellent heilen lassen", erklärt Prof. Dr. med. Susanne Krege, Direktorin der Klinik für Urologie, Kinderurologie & Urologische Onkologie der KEM Evangelische Kliniken Essen-Mitte. "Aufklärung spielt deshalb eine große Rolle. Allerdings ist es insgesamt schwieriger, Männer in Sachen Krebsvorsorge zu erreichen als Frauen; da müssen Sie sich schon etwas einfallen lassen, damit das funktioniert. In den letzten Jahren gab es bereits einige regionale Aktionen, die viel Aufmerksamkeit erregten."

So warb im Jahr 2020 etwa die Schleswig-Holsteinische Krebsgesellschaft in ihrer Kampagne "Check dich selbst" mit wortwitzigen Plakaten ("Let’s talk about eggs" und "All for the Balls") für regemäßiges Abtasten der Hoden. Eine andere Kampagne in Neuseeland namens #GoBallsOut ermutigte Männer 2017, ihre Laufroute in Form eines Penis mit Hoden zu gestalten und diese anschließend über Social Media zu teilen.

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Zahl der Krebs-Neuerkrankungen in Deutschland gestiegen

Wie häufig kommt Hodenkrebs vor?

Hodenkrebs ist bei jungen Männern zwischen 25 und 45 die häufigste Krebserkrankung. Wird bei Personen in dieser Altersgruppe eine bösartige Veränderung des Körpergewebes erkannt, so ist es in 20 bis 30 Prozent Hodenkrebs. Jüngere und ältere Männer sind hingegen kaum betroffen.

In Deutschland erkranken jährlich etwas mehr als 4.000 Männer daran. Insgesamt hat Hodenkrebs mit 1,6 Prozent allerdings nur einen geringen Anteil an allen Krebserkrankungen. Deshalb gilt er insgesamt als selten.

Wie können Männer Anzeichen für Hodenkrebs erkennen?

Tatsächlich lassen sich Tumore in den Hoden leicht erkennen. "Einfaches Abtasten genügt", erklärt Prof. Dr. med. Mark Schrader, Urologie-Chefarzt am Helios Klinikum Berlin-Buch. "75 Prozent der Hodentumore werden im Anfangsstadium festgestellt, weil sie viel besser ertastbar sind als beispielsweise bei der weiblichen Brust. Sie fühlen sich an wie eine Verhärtung, ähnlich einem Knoten in der Brust."

Er rät, sich mindestens einmal im Jahr selbst zu untersuchen: "Wichtig ist, dass sich beide Hoden homogen anfühlen. Sollten Sie beim Abtasten eine Veränderung feststellen, klären Sie das Ganze bei Ärzten mittels Ultraschall ab."

Wie lässt sich Hodenkrebs behandeln und heilen?

Stellen Ärzte einen Hodentumor fest, so wird dieser zeitnah operativ entfernt; eine medikamentöse Behandlung ist nicht immer vonnöten. Die Überlebensraten der Betroffenen sind hoch: 95 Prozent überstehen die Krankheit, selbst wenn der Krebs gestreut hat und eine Chemotherapie zum Einsatz kommt. "Die Überlebensrate sinkt erst, wenn zum Beispiel auch Gehirn oder Leber bösartig befallen wurden", erklärt Prof. Dr. med. Mark Schrader.

Zur Behandlung von Hodenkrebs gibt es Leitlinien, an denen sich Ärzte und betroffene Patienten orientieren können. Sie geben Aufschluss, was je nach Krebsstadium zu tun ist und welche Therapie angebracht ist.

Ärzte können die geplante Therapie zudem über das Portal eKonsil – Zweitmeinung online mit Spezialärzten besprechen und so den Therapieplan verbessern. Ob Privat- oder Kassenpatienten – die Plattform steht allen offen und ist kostenlos. "Rund ein Drittel aller Hodentumor-Patienten wird bereits über eKonsil vorgestellt, um eine Zweitmeinung zu ihrer Behandlung zu erhalten", berichtet Prof. Dr. med. Susanne Krege, Mitglied im Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Uroonkologie (AUO) der Deutschen Krebsgesellschaft.

Welche Risikofaktoren begünstigen Hodenkrebs?

Hodenkrebs verhindern können Männer grundsätzlich nicht. Ein höheres Risiko ihn zu bekommen liegt insbesondere vor, wenn die Krankheit schon einmal in der Familie aufgetreten ist. Auch Männer, die als Kind unter einem Hodenhochstand litten, erwischt es häufiger.

"Betroffen sind aber auch oft Patienten mit kleinen Hoden sowie Männer, die in der Vergangenheit schon einmal Hodenkrebs hatten", so Prof. Dr. med. Susanne Krege.

Wirkt sich Hodenkrebs auf die Fruchtbarkeit aus?

Hodenkrebs trifft vor allem Männer in einem Alter, in dem Familienplanung ein Thema ist. Dennoch müssen Patienten ihren Kinderwunsch nicht automatisch aufgeben. Prof. Dr. med. Mark Schrader dazu: "Betroffene müssen erst einmal mit keinen Einschränkungen rechnen. Erst wenn eine große Chemotherapie notwendig wird, kann es zu Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit kommen. Grundsätzlich gilt: Anders als bei anderen Krankheiten ist Hodenkrebs sehr gut heilbar. Es gibt keinen Grund zur Panik."

Über die Experten:
Prof. Dr. med. Susanne Krege ist Direktorin der Klinik für Urologie, Kinderurologie & Urologische Onkologie der KEM Evangelische Kliniken Essen-Mitte sowie Mitglied im Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Uroonkologie (AUO) der Deutschen Krebsgesellschaft. Sie ist außerdem Mitglied in der Interdisziplinären Deutschen Hodentumorengruppe.
Prof. Dr. med. Mark Schrader ist Urologie-Chefarzt am Helios Klinikum Berlin-Buch und leitet das dortige Hodenkrebszentrum. Er ist außerdem Mitglied des Vorstands der Arbeitsgemeinschaft Uroonkologie (AUO) der Deutschen Krebsgesellschaft und Initiator des Nationalen Zweitmeinungsnetzwerkes Hodentumor eKonsil.

Verwendete Quellen:

  • Krebsgesellschaft.de: Hodenkrebs