• Sogenannte Love Scammer nutzen Online-Partnerbörsen oder soziale Netzwerke, um mittels vorgetäuschter Liebe an das Geld ihrer Internetbekanntschaften zu kommen.
  • Opfer kann grundsätzlich jeder werden, da Love Scammer Sehnsüchte nach Liebe und Verbundenheit bedienen, denen sich die meisten Menschen hingeben würden.
  • Wann beim Kennenlernen im Internet Vorsicht geboten sein sollte, erklärt eine Expertin.

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Wer heutzutage auf Partnersuche ist, nutzt häufig Online-Partnerbörsen oder Dating-Plattformen, um Menschen kennenzulernen. Leider nutzen mittlerweile aber auch immer mehr Betrügerinnen und Betrüger diese Portale. Ihre Masche: Sie stellen über Dating-Plattformen Kontakt zu potenziellen Opfern her, überhäufen sie mit Aufmerksamkeit und Liebesschwüren, bis sie emotional abhängig sind.

Dann gibt die Betrügerin oder der Betrüger plötzlich vor, in einer Notsituation zu sein und bringt die Internetbekanntschaft beispielsweise dazu, sie oder ihn finanziell zu unterstützen. Diese Form des Betrugs über Dating-Portale nennt man "Love Scamming" oder "Romance Scamming", abgeleitet vom englischen Wort "scam", das auf Deutsch Betrug bedeutet.

Auch der weltweit bekannt gewordene "Tinder-Schwindler", Simon Leviev, nutzte diese Maschen und täuschte über die Dating-App Tinder zahlreiche Frauen, um sie im Laufe der Zeit um ihr Vermögen zu bringen.

Liebe und der Wunsch nach Nähe können blind machen

Außenstehenden fällt es oft schwer nachzuvollziehen, wie es möglich ist, dass sich Menschen so blenden lassen. Wir haben mit der Psychologin und Paartherapeutin Christine Geschke gesprochen, die weiß, wie es Betrügerinnen und Betrüger schaffen, andere Menschen schnell emotional an sich zu binden und Vertrauen aufzubauen:

"Indem diejenigen Sehnsüchte bedienen, die die meisten Menschen haben. Sehnsüchte nach Liebe, danach gesehen zu werden, eine Verbundenheit mit anderen zu spüren. Das sind essenzielle Bedürfnisse der emotionalen Art bei Menschen. Sie werden von Scammern bedient, indem die Betrüger sehr emphatisch und interessiert sind, einem Aufmerksamkeit schenken."

Typisch für Scammer ist, dass sie selbst eine interessante Geschichte über sich erzählen und vorgeben, den ein oder anderen Schicksalsschlag erlebt zu haben. "Das erzeugt Spannung und das Gehirn ist dann besonders aufmerksam. Gleichzeitig baut diese Offenheit Vertrauen auf, das emotional verbindet."

Was noch hinzu kommt: Das Kennenlernen findet in den meisten Fällen ausschließlich virtuell über das Internet statt. Die Opfer lernen die Täter nicht persönlich kennen und bauen sich deshalb gedanklich ein Idealbild des Chatpartners auf.

"Man kann es sich wie eine leere Projektionsfläche vorstellen, die man mit all seinen Sehnsüchten und seinem Wunschdenken bestückt. Es entsteht ein idealer Eindruck vom anderen, der keiner Überprüfung in der Realität unterliegt. Die plötzliche Aussicht, nun endlich die Person gefunden zu haben, nach der man sich so sehnt, das kann so unglaublich verführerisch sein, dass man tatsächlich ein wenig den Verstand ausschaltet", erklärt Geschke.

Um dieses ideale Bild nicht zu zerstören und das Gegenüber von einem abzuwenden, sei man dann tatsächlich bereit, Dinge zu tun, die man nicht für möglich gehalten habe.

Wen kann es treffen?

"Allem voran steht die Sehnsucht nach Verbundenheit, Liebe und Nähe. Deshalb kann es grundsätzlich jeden treffen", erklärt Geschke. Tendenziell seien aber vor allem Menschen, die hilfsbereit, feinfühlig und gutmütig sind, die einen Gemeinsinn haben, und es beispielsweise auch anderen recht machen wollen, eher anfällig dafür, Love Scammern zum Opfer zu fallen.

"Auch Menschen, die Selbstzweifel und kein starkes Selbstwertgefühl haben, haben ein höheres Risiko, sich blenden zu lassen, weil ihnen vorgegaukelt wird, endlich bedingungslos geliebt und angenommen zu werden, so wie sie sind."

Ob Frauen oder Männer häufiger betroffen sind und ob eher Frauen oder Männer die Betrugsmasche des Love Scammings anwenden, lässt sich schwer sagen, da hierzu konkrete Zahlen oder Studien fehlen. Meist wird aber davon ausgegangen, dass vor allem ältere, alleinstehende Frauen Love Scamming zum Opfer fallen.

"Frauen haben grundsätzlich eher die Tendenz sich über ihre Gefühle und Erlebnisse auszutauschen, so wird es möglicherweise mehr sichtbar, dass sie Opfer geworden sind. Männer machen tendenziell schmerzhafte Dinge eher mit sich aus, dementsprechend kann es sein, dass hierzu einfach Berichte fehlen und so der Eindruck entsteht, dass vor allem Frauen betroffen seien", sagt die Expertin.

Ist man selbst auf eine Love Scammer hereingefallen, ist das für die Opfer häufig mit großem Schamgefühl und natürlich Enttäuschung verbunden. Dennoch sollte man die Schuld nicht bei sich suchen und nicht zu streng mit sich sein. Die Beziehungsexpertin rät Betroffenen zu Folgendem:

"Man sollte nicht zu hart mit sich selbst ins Gericht geht, es ist menschlich, dass man Liebe sucht und eine schöne Beziehung führen möchte. Deshalb sollte man es sich selbst verziehen, dass man dieser Sehnsucht nachgegeben hat, weil es eben menschlich ist."

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Diese Anhaltspunkte deuten auf Love Scamming hin

Auch wenn einige Betrügerinnen und Betrüger sehr präzise vorgehen und ihr Masche nicht immer sofort zu erkennen ist, gibt es ein paar Anhaltspunkte, die einen beim Kennenlernen über das Internet stutzig machen sollten:

  • Betrügerinnen und Betrüger nehmen häufig Kontakt in englischer Sprache auf, viele von ihnen sprechen aber auch gut Deutsch.
  • Scamm-Männer nutzen für ihr Profil oft Bilder von uniformierten Männern und geben sich als Arzt, Ingenieur, Soldat oder IT-Spezialist aus. Frauen, die Love Scamming betreiben, verwenden Profilbilder attraktiver Frauen, die meist leicht bekleidet sind.
  • Schon nach dem ersten Kontakt überhäufen Love Scammer ihr Opfer mit Liebeserklärungen und schmieden schnell Heiratspläne. Persönliche Treffen werden aber oft verschoben.
  • Sie erzählen von ihrem spannenden Leben mit vielen Schicksalsschlägen. In der Regel wird entweder von einer geschäftlichen oder privaten Verbindung nach Afrika, Osteuropa oder Südostasien berichtet.
  • Love Scammer sind charmant und zeigen großes Interesse an ihrem Gegenüber, sie wollen viel wissen, über frühere Beziehungen und Hobbys.
  • Im letzten Schritt geben die Betrügerin oder der Betrüger dann vor in einer Notsituation zu sein und bitten ihr Opfer um Geld, beispielsweise für ein Visum oder eine Hotelrechnung, die nicht bezahlt werden kann.

So schützen Sie sich vor Betrug beim Online-Dating

Haben Sie jemanden im Internet kennengelernt und sind sich unsicher, ob sie ihm oder ihr vertrauen können, helfen Online-Suchmaschinen die Identität der Bekanntschaft zu überprüfen.

  • Geben Sie den Namen der Person mit dem Zusatz "Scammer" bei einer Suchmaschine ein.
  • Existiert ein Profilbild, können Sie dieses über die umgekehrte Bildersuche hochladen und möglicherweise genauere Informationen zur Identität der abgebildeten Person erhalten.
  • Zudem sollten Sie für Online-Partnerbörsen oder den digitalen Schriftverkehr mit Unbekannten eine alternative E-Mail-Adresse verwenden. So müssen Sie im Falle eines Betrugs nicht Ihren Haupt-E-Mail-Account löschen.
  • Nutzen Sie Dating-Plattformen, bei denen sich Nutzerinnen und Nutzer verifizieren müssen. Das ist zwar kostenpflichtig, macht es Betrügerinnen und Betrügern aber schwerer.

Die Psychologin rät zudem dazu, ruhig kritischer zu sein und mehr nachzufragen. Auch sei es wichtig, sich selbst zu hinterfragen, ob man möglicherweise nur auf die eigene Sehnsucht hineinfällt und sich deshalb verführen lässt. Einen Schritt zurück zu treten und das Geschehen neutral von außen zu betrachten, sei deshalb wichtig.

"Je bewusster man sich seiner Selbst ist und je bewusster man sich seiner Bedürfnisse ist, desto geschützter ist man in der Tendenz. Man sollte sich selbst ein guter Freund sein, versuchen sein Leben mit schönen Dingen zu füllen und für sich selbst sorgen, Hobbys nachgehen, Freunde treffen, das ist ein guter Selbstschutz. Dann ist man nicht so verführbar von außen," sagt Geschke.

Haben Sie den Verdacht, dass Sie Opfer von Internetbetrug geworden sind, dann brechen Sie den Kontakt sofort ab und gehen Sie nicht auf Forderungen des Scammers ein. Geben Sie keine Kontodaten weiter und verschicken Sie keine Wertgegenstände oder Geld. Zudem sollten Sie Chatverläufe als Beweismaterial speichern und sich an eine Polizeidienststelle wenden.

Über die Expertin: Christine Geschke ist Diplom-Psychologin und Paartherapeutin in Hamburg mit eigener Praxis. Sie hat sich auf die psychologische Beratung von Paaren und auf Coachings hinsichtlich von Beziehungsfragen spezialisiert. Daneben bietet sie auch Psychotherapie und Burnout Beratung an.

Verwendete Quellen:

  • Interview mit Christine Geschke
  • MDR: Love-Scamming: So schützen Sie sich vor Betrug beim Online-Dating
  • Polizeiliche Kriminalprävention: Scamming: Vorsicht bei virtuellen Bekanntschaften
  • Bayerische Staatsregierung: Pressemitteilung 14. Dezember 2021 Vorsicht vor Love Scamming
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