Eine Maskenpflicht könnte helfen, die Ausbreitung des Coronavirus SARS-CoV-2 einzudämmen, wenn die Ausgangsbeschränkungen gelockert werden. Professor Christian Drosten erklärt in der aktuellen Ausgabe des "Coronavirus-Update"-Podcasts des NDR, was passieren müsste, damit eine Maskenpflicht den maximalen Effekt hätte.

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Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz teilte am Montag mit, dass die zur Eindämmung der Coronakrise (alle News hier im Live-Ticker) getroffenen Einschränkungen in der Alpenrepublik schon bald gelockert werden sollen.

Ab dem 14. April könnten kleine Geschäfte wieder öffnen, auch Restaurants sollen bald unter bestimmten Auflagen folgen. In Österreich ist es jetzt bereits Pflicht, dass in Supermärkten Masken getragen werden, dies soll auch auf die öffentlichen Verkehrsmittel ausgeweitet werden.

In Deutschland gab die "Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina" kürzlich ebenfalls die Einschätzung ab, dass nach den Osterferien die Beschränkungen gelockert werden könnten. Verbunden war dies unter anderem mit der Empfehlung, dass die Bevölkerung ebenfalls Mund- und Nasenschutzmasken im öffentlichen Raum tragen solle.

Nicht die besten Startbedingungen für eine Maskenpflicht

Professor Christian Drosten gehört der Leopoldina, in der sich neben Naturwissenschaftlern auch Psychologen und Gesellschaftswissenschaftler beraten, ebenfalls an. "Wir haben in unserer Gesellschaft sicherlich nicht die besten Startbedingungen, um alle Masken tragen zu lassen", erklärte der Virologe am Montag im "Coronavirus-Update" des NDR mit Blick auf die Empfehlung des Wissenschaftler-Rates.

Zum einen sei das Tragen von Masken in der Öffentlichkeit in Deutschland nicht kulturell verankert, führte Drosten in dem Podcast aus, zum anderen gebe es häufig das Argument, dass Masken derzeit nicht verfügbar seien. Bei dem Vorschlag der Leopoldina waren aber nicht medizinische, funktionelle Masken, die den Träger tatsächlich vor dem Virus schützen könnten, gemeint. Diese seien für einen breiten Einsatz ohnehin nicht geeignet, so Drosten, zum einen wegen ihrer eingeschränkten Verfügbarkeit, zum anderen, weil das Atmen mit diesen Masken schwierig sei und sie deshalb nicht jeder tragen könne.

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Masken sollen andere schützen – nicht den Träger

"Also sind wir eher bei einer anderen Art von solchen Gesichtsmasken, die man auch Mund- und Nasenschutz nennt. Das sind diese einfachen Operationsmasken, die man sich auch selbst nähen kann", erklärte Drosten: "Bei diesen Masken gibt es keine wissenschaftliche Evidenz für einen Nutzen für einen Selbstschutz." Aber es gebe sehr wohl erste wissenschaftliche Hinweise, dass diese Masken andere schützen könnten.

Neueste Studien aus Asien deuten darauf hin, dass das Virus SARS-CoV-2 über die Atemluft übertragen werden kann. Masken könnten deshalb ziemlich sicher dabei helfen, die Verbreitung des Virus über die Atemluft einzudämmen.

"Man muss jetzt nicht unbedingt in der ängstlichen Vorstellung leben, dass überall die Luft voller Viren ist", erklärte Drosten: "Aber es ist so, dass es den Übertragungsweg der Luftübertragung gibt."

Einen Mund-Nasen-Schutz selber nähen

Jeder muss mitmachen, damit Masken helfen

Dieser Übertragungsweg könnte durch eine Maskenpflicht vermutlich deutlich eingeschränkt werden. Allerdings nur unter einer Bedingung. "Das setzt voraus, dass wirklich jeder, jeder, jeder in der Gesellschaft, im öffentlichen Leben diese Masken tragen muss", erklärte der Direktor des Instituts für Virologie an der Berliner Charité.

Bereits die jetzigen Maßnahmen wie soziales Distanzieren, Schulschließungen und Versammlungsverbote zielen vor allem darauf ab, Tröpfcheninfektionen zu unterbinden. Von den Menschen in Deutschland werden diese Maßnahmen in überwältigender Mehrheit akzeptiert. Vielleicht ist dies auch schon bald für das Tragen von Masken in der Öffentlichkeit der Fall.

Professor Dr. Christian Drosten ist Leiter des Instituts für Virologie an der Berliner Charité und einer der führenden Virus-Forscher Deutschlands. Der 48-Jährige gilt als Mitentdecker des SARS-Virus. Unmittelbar nach dem Ausbruch SARS-Pandemie 2003 entwickelte er einen Test auf das neu entdeckte Virus, wofür er 2005 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde. In der aktuellen Corona-Krise ist der gebürtige Emsländer ein gefragter Gesprächspartner, täglich gibt er Auskunft zur aktuellen Lage.
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