Ein Stanford-Professor kommt in seiner Meta-Studie zu einem überraschenden Ergebnis: Demnach liegt die durchschnittliche Infektionssterblichkeit des Coronavirus weit unter dem bisher in Deutschland angenommenen Wert.

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Das Coronavirus ist offenbar weniger tödlich, als bisher angenommen. Das ist das Ergebnis einer Meta-Studie der Stanford-Universität.

Stanford-Professor John Ioannidis wertete 61 Studien aus, in denen die tatsächliche Infektionsrate einer jeweiligen Bevölkerungsgruppe erforscht wurde. Die erhobenen Daten verglich Ioannidis wiederum mit den offiziell gemeldeten COVID-19-Todesfällen der jeweiligen Untersuchungsgebiete - und korrigierte seine Ergebnisse um die Anzahl der getesteten Antikörper-Typen.

Stanford-Professor errechnet Infektionssterblichkeit von 0,23 Prozent

Der Professor für Medizin und Epidemiologie untersuchte auch die Studie des Bonner Virologen Hendrik Streeck. Dieser hatte errechnet, dass Mitte April 15 Prozent der Bürger in der nordrhein-westfälischen Gemeinde Gangelt mit dem Coronavirus infiziert sein müssten.

Bei 12.000 Einwohnern entspricht das 1.800 Infizierten. Nach offiziellen Angaben lag die Infizierten-Zahl bis Mitte August jedoch weit darunter. Sieben Menschen kamen in der Gemeinde bis Mitte April ums Leben.

Aus diesen Zahlen und unter Berücksichtigung der Dunkelziffer kam Ioannidis im Ergebnis auf eine für Gangelt durchschnittliche Sterberate von 0,25 Prozent - mehr als zwei Todesfälle auf 1.000 Infizierte.

Damit liegen die Werte der Gemeinde knapp oberhalb der von Ioannidis errechneten durchschnittlichen Infektionssterblichkeit von 0,23 Prozent. Auffällig in der durch die Weltgesundheitsorganisation am Mittwoch veröffentlichten Studie ist auch, dass die durchschnittliche Infektionssterblichkeit von Bevölkerungsgruppen mit Menschen unter 70 Jahren lediglich 0,05 Prozent beträgt.

Drosten geht von Infektionssterblichkeit von rund einem Prozent aus

Demnach beeinflusst die Altersstruktur einer Bevölkerungsgruppe die Zahlen massiv. Die durchschnittliche Infektionssterblichkeit hängt aber auch von der Qualität des Gesundheitswesens und der Bevölkerungsdichte ab.

Für Deutschland ging das Robert-Koch-Institut Anfang Oktober von einer Infektionssterblichkeit von 3,1 Prozent aus. Christian Drosten, Virologe an der Berliner Charité, hingegen von "rund einem Prozent oder etwas mehr", wie er kürzlich im NDR-Podcast "Coronavirus-Update" sagte.

Ioannidis stellt in seiner Studie klar, dass die Ergebnisse einer Bevölkerungsgruppe keine Rückschlüsse auf die Gesamtsituation eines Landes geben. Dennoch rechnet er damit, dass die durchschnittliche Infektionssterblichkeit bei unter 0,20 Prozent liegt.

Verwendete Quellen:

  • who.int: Infection fatality rate of COVID-19 inferred from seroprevalence data
  • ntv.de: Covid-19 weniger tödlich als vermutet?
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