Bei Planquadraten nimmt die Anzahl der Lenker, die wegen Alkohol am Steuer angezeigt werden, ab. Beim Fahren unter Drogeneinfluss sieht das allerdings ganz anders aus. Hier nimmt die Zahl der Anzeigen stark zu. Die ORF-Sendung "Thema" widmete sich in einem Beitrag diesem Phänomen.

In der Weihnachtszeit haben die Planquadrate der Polizei Hochsaison. Allerdings gehen den Kontrolleuren immer weniger Alko-Lenker ins Netz, es ist vielmehr die Anzahl der Autofahrer, die unter Drogeneinfluss ihr Fahrzeug steuern, die aufhorchen lässt.

Nach Angaben des Bundesministeriums für Inneres wurden im Vorjahr in Österreich 1491 Fahrzeuglenker wegen der Beeinträchtigung durch Drogen angezeigt, knapp 40 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Mit P.I.A. gegen Drogenlenker

Seit März steht der Polizei im Kampf gegen Drogenlenker das Speichelvortestgerät P.I.A. 613S zur Verfügung. Derzeit sind bundesweit neun Geräte im Einsatz.

Vermutet ein Beamter eine Beeinträchtigung durch Drogenkonsum, kann der betroffene Autofahrer mit dem Gerät via Mundhöhlenabstrich auf einschlägige Substanzen getestet werden.

Mit dem Vortestgerät können Verdächtige auf sechs chemische Hauptgruppen (Cannabis, Ecstasy, Kokain, Opiate, Methamphetamine und Amphetamine) überprüft werden. Schlägt es an, geht es zum Amtsarzt, der einen Bluttest durchführt.

Am häufigsten wird bei Autolenkern Cannabis festgestellt. "80 Prozent sind unter Einfluss von Cannabis unterwegs. Das ist derzeit unser Fokus", so Michael Takacs, Leiter der Landesverkehrsabteilung Wien. Bei einer Beeinträchtigung durch Suchtgift gibt es, im Gegensatz zu einer Beeinträchtigung durch Alkohol, keine Grenzwerte.

Ausschlaggebend für die Strafbarkeit ist gemäß den gesetzlichen Bestimmungen ausschließlich die durch einen dazu ermächtigten Arzt festgestellte Beeinträchtigung des Lenkers.

Verharmlosung von Cannabis

Für Suchtmediziner und Psychiater Kurosh Yazdi hat der Anstieg der Droge im Straßenverkehr auch mit vermehrter gesellschaftlicher Akzeptanz zu tun.

"Cannabis wird derart verharmlost, dass Menschen glauben, der Konsum sei sozusagen gesund und kann nicht schaden. Viele Cannabis-Patienten glauben auch, dass es beim Autofahren keinen Unterschied macht, so wie man früher dachte, dass Alkohol in bestimmten Mengen keinen Einfluss auf das Autofahren hat. Das Problem ist nur, dass man beim Cannabis nicht einschätzen kann, wann man wieder nüchtern ist", so Yazdi.

Cannabis bleibt viel länger im Körper als Alkohol, deshalb ist man auch länger nicht fahrtauglich, auch wenn man es subjektiv nicht merkt.

"Viele glauben, nur solange ich mich von Cannabis beeinträchtigt fühle, kann ich nicht Autofahren, aber fünf Stunden später oder am nächsten Tag schon. Das ist aber nicht der Fall. Man kann auch noch beeinträchtig sein in der Fahrtüchtigkeit, wenn man es selber nicht merkt", so Suchtmediziner Yazdi.

In einer Studie wird gefolgert, dass eine verminderte fahrrelevante Leistungsfähigkeit nach dem Konsum von 4 bis 5 ng/ml Plasma THC, einer Beeinträchtigung unter 0,5 Promille Alkohol entspricht.

Die höchsten Leistungseinbußen sind in dieser Metaanalyse durchschnittlich nach einer Stunde zu finden, Einzelstudien ergeben auch noch Hinweise auf Leistungsminderungen nach 48 Stunden.

Das Risiko, als Lenker verletzt oder getötet zu werden, ist laut Forschungen des EU-Projektes "Druid" unter Drogeneinfluss zehn Mal höher als im nüchternen Zustand.

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