• Bereits in den 90er Jahren tauchten erste Berichte über sexuelle Misshandlungen durch den Sänger R. Kelly auf.
  • Vor einigen Jahren wurde er in Chicago freigesprochen, andere Verfahren wurden außergerichtlich beigelegt.
  • Im Sommer 2019 wurde der frühere Superstar festgenommen.
  • Nun geht der Prozess gegen Kelly in New York in die heiße Phase.

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Im Prozess unter anderem wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger gegen den früheren Pop-Superstar R. Kelly (54) sollen am Mittwoch (ab 15.30 Uhr MESZ) in New York die Auftaktplädoyers starten. Zuvor waren in der vergangenen Woche an dem Gericht im Stadtteil Brooklyn Dutzende potenzielle Geschworene befragt worden, bevor eine Jury bestehend aus sieben Männern und fünf Frauen von Richterin Ann Donnelly eingeschworen wurde.

Zudem wurden sechs Ersatzjuroren ausgesucht. Alle Mitglieder der Jury sollen anonym bleiben. Der Musiker verfolgte die Jury-Auswahl vor Gericht.

Kelly muss sich laut Anklageschrift unter anderem wegen Erpressung, Entführung und sexueller Ausbeutung Minderjähriger in den Jahren 1994 bis 2018 verantworten. Gemeinsam mit einem Team von Angestellten soll er jahrelang Mädchen und Frauen systematisch "rekrutiert" und zum Sex gezwungen haben. Der seit seiner Festnahme im Sommer 2019 im Gefängnis sitzende Musiker hat alle Vorwürfe immer wieder zurückgewiesen und seinen Kritikern eine Rufmord-Kampagne vorgeworfen. Er plädiert auf nicht schuldig.

R. Kelly stand bereits 2008 in Chicago vor Gericht

Der Prozess sollte eigentlich im Mai 2020 starten, wurde aber wegen der Corona-Pandemie mehrfach verschoben. Der 54-Jährige versuchte wiederholt, die Pandemie auch als Anlass zu nehmen, auf Kaution vorzeitig aus der Haft entlassen zu werden. Diese Anträge wurden aber immer wieder abgelehnt.

Das Verfahren soll mehrere Wochen dauern. Bei einer Verurteilung könnte dem "I Believe I Can Fly"-Sänger eine jahrzehntelange Haftstrafe drohen. Außerdem liegen auch noch in Chicago und Minnesota ähnliche Anklageschriften gegen ihn vor.

2008 hatte Kelly in Chicago schon einmal vor Gericht gestanden, damals wegen des Besitzes von Abbildungen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs, war aber freigesprochen worden. Andere Verfahren wurden außergerichtlich beigelegt.

Aufsehenerregende Dokumentation bringt Stein ins Rollen

Die ersten Anschuldigungen gegen den 1967 in Chicago geborenen Robert Sylvester Kelly waren bereits vor rund 25 Jahren bekannt geworden. Aber der Musik-Koloss schien unangreifbar auf seinem Pop-Thron - mit mehr als 50 Millionen verkauften Alben, mehreren Grammys und anderen Auszeichnungen gehörte er zu den erfolgreichsten Musikern des späten 20. Jahrhunderts.

Spätestens als auch im Zuge der #MeToo-Bewegung gegen sexuelle Belästigung die aufsehenerregende Dokumentation "Surviving R. Kelly" die Anschuldigungen 2019 zusammenfasste, wurde es um den Sänger immer einsamer.

Stars distanzierten sich von ihm, zudem Radiosender, Streaming-Dienste und dann auch sein Musiklabel RCA, das zu Sony Music gehört. Im Sommer 2019 wurde R. Kelly schließlich in Chicago festgenommen, als er gerade mit seinem Hund "Believe" spazieren ging. (ff/dpa/afp)

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