Die Kölner Polizei schließt nach der Geiselnahme im Kölner Hauptbahnhof einen terroristischen Hintergrund nicht aus. Der mutmaßliche Täter soll auch mehrere Gaskartuschen genutzt und in der Apotheke im Hauptbahnhof gelagert haben.

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Die Kölner Polizei schließt nach der Geiselnahme im Kölner Hauptbahnhof einen terroristischen Hintergrund nicht aus. "Wir ermitteln in alle Richtungen", sagte eine Polizeisprecherin in Köln.

Bei der Geiselnahme soll der Mann nach Angaben eines weiteren Sprechers auch geäußert haben, dass er zur Terrormiliz IS gehöre. Der Geiselnehmer habe zuvor einen Molotowcocktail in einem Bahnhofsrestaurant gezündet.

Es seien blaue Campinggaskartuschen und Brandbeschleuniger gefunden worden, von denen einige mit Klebeband verbunden gewesen seien, sagte ein Polizeisprecher bei einer Pressekonferenz in Köln.

Nach Ermittlerangaben hat es bereits eine Durchsuchung gegeben. Zum Ort und Zeitpunkt des Einsatzes machte die Polizei am Dienstagmorgen zunächst keine Angaben.

Geiselnehmer wurde angeschossen

Am Tatort wurden laut Kriminalpolizei Papiere eines 55 Jahre alten Syrers gefunden. Der Besitzer dieser Papiere habe eine Duldung bis Mitte 2021 erhalten. Der Geiselnehmer sei mit "hoher Wahrscheinlichkeit" der Passinhaber.

Die Ermittler betonten aber auch, dass die Identität des Täters noch nicht eindeutig geklärt sei. Der Inhaber des gefundenen Dokumentes sei seit 2016 umfangreich wegen verschiedener Delikte wie Diebstahl und Bedrohungen bekannt.

Etwa zwei Stunden hatte sich der Mann mit einer Frau als Geisel in einer Apotheke im Gebäude des Bahnhofs verschanzt. Die Polizei hatte schnell Kontakt zu dem Geiselnehmer aufgenommen. Das sagte Polizeisprecher Christoph Gilles dem Fernsehsender n-tv. Über Forderungen des Mannes wurde zunächst nichts bekannt.

Die Frau wurde bei der Geiselnahme leicht verletzt. Sie wurde ärztlich versorgt, schrieb die Polizei weiter. Der Täter sei ebenfalls in ärztlicher Behandlung, sagte eine Polizeisprecherin. Er sei bei den Zugriffsmaßnahmen schwer verletzt worden und musste reanimiert werden. Er wurde von einem Spezialeinsatzkommando angeschossen und wird weiterhin auf der Intensivstation behandelt.

Explosionen sind zu hören

Erste Notrufe hatten die Polizei am Mittag erreicht. Dort war zunächst nur von einer "Bedrohungslage" in einer Apotheke die Rede. Der Vorplatz des Hauptbahnhofs zum Dom wurde gesperrt und gesichert.

Es wurde dazu aufgefordert, "auf dem schnellsten Weg das Bahnhofsgebäude zu verlassen".

Auch den Breslauer Platz an der Rückseite des Bahnhofs, an dem die Apotheke liegt, sperrten Einsatzkräfte großräumig ab. Spezialeinsatzkräfte sammelten sich dort und bereiteten sich auf den Zugriff vor.

Am Nachmittag erfolgte dieser dann durch das SEK. Dabei feuerten die Beamten zwei Blendgranaten ab. Die Explosionen waren auf dem Breslauer Platz auf der Bahnhofsrückseite deutlich zu hören.

Hunderte Gutscheine wurden ausgeteilt

Der Bahnhof wurde evakuiert, Züge wurden weiträumig umgeleitet. "Die Polizei hat den Hauptbahnhof komplett gesperrt, dementsprechend werden die Züge großräumig umgeleitet - das gilt für den Fernverkehr", sagte eine Sprecherin von DB NRW.

Da auch die Schnellstrecke nach Frankfurt nach einem ICE-Brand gesperrt ist, stand nahezu der komplette Bahnverkehr rund um Köln still.

Am Dienstag erwartete die Bahn einen weitgehend reibungslosen Start in den Tag. "Der Nah- und Regionalverkehr kann planmäßig fahren", sagte eine Bahnsprecherin in der Nacht zu Dienstag.

Im Fernverkehr kann es jedoch teilweise zu Verzögerungen und Ausfällen kommen. Das Unternehmen bittet Reisende daher, sich vor Beginn ihrer Fahrt über ihre Verbindungen zu informieren.

Am Montagabend sei es noch möglich gewesen, Reisende mit Zügen nach Berlin und Frankfurt zu bringen. Kunden, die nicht weitergekommen seien, hätten Taxi- und Hotel-Gutscheinen bekommen.

Insgesamt seien mehrere Hundert Gutscheine ausgeteilt worden. Im Bahnhof sei niemand gestrandet, so dass der Infoschalter im Kölner Hauptbahnhof in der Nacht teilweise komplett leer gewesen sei. (mg/ff/dpa/afp)

Teaserbild: © Marius Becker/dpa