Die Universität Wien lässt die von Sebastian Kurz beauftragte Studie über Islamkindergärten extern prüfen. Es habe "einige einschneidende Veränderungen" gegeben. "Falter"-Journalist Florian Klenk kommentiert: "Jetzt wird es richtig ernst."

Auf Außenminister Sebastian Kurz kommt neuer Ärger zu: Die Universität Wien hat eine externe Kommission damit beauftragt, die Kindergartenstudie von Ednan Aslan zu prüfen.

Konkret soll die Österreichische Agentur für wissenschaftliche Integrität (OeAWI) der Frage nachgehen, ob sich der Studienautor Aslan vom Auftraggeber - dem Integrationsministerium - beeinflussen hat lassen.

Es sei notwendig, den Fall "unter den gegebenen Umständen der politischen, medialen und gesellschaftlichen Aufmerksamkeit und Brisanz" zu untersuchen, teilte die Universität Wien mit. "Um den Anschein der Befangenheit von vornherein auszuschließen, habe ich mich der Argumentation der Ombudsstelle angeschlossen und die Prüfung nach außen, an die OeAWI, vergeben", wird Rektor Heinz W. Engl in einer Aussendung zitiert.

"Einige einschneidende Veränderungen"

Zuvor hatte die Ombudsstelle der Universität Wien zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis die Studie geprüft. Wie die Universität mitteilt, ist auch nach einer Vorerhebung nicht nachvollziehbar geklärt, ob "einige einschneidende Veränderungen der im Endbericht festgehaltenen Dateninterpretationen vorgenommen werden konnten, ohne die Grenzen guter wissenschaftlicher Praxis zu übertreten".

Ednan Aslan betont, jede Umformulierung nachvollziehen und begründen zu können.

Florian Klenk, der den Fall ins Rollen gebracht hatte, kommentierte den Schritt auf Facebook. "Jetzt wird es richtig ernst für Sebastian Kurz und Ednan Aslan", schreibt der "Falter"-Chefredakteur .

Kritik an Klenks Umgang mit Kindergartenstudie

Der Journalist hatte für seine Aussagen zur Aslan-Studie einige Kritik einstecken müssen. Unter anderem warf ihm der Wissenschaftler Heiko Heinisch "manipulative" Arbeitsweisen vor. Unter anderem stört sich der Historiker daran, dass Klenk die beim Integrationsministerium abgegebene Arbeit als "Originalstudie" bezeichnet.

Nach Ansicht von Heinisch ist nicht etwa ein Original nachträglich verändert worden, sondern höchstens ein Entwurf: "Wenn aber der Begriff Original bei einer Studie überhaupt zutrifft, dann einzig für die letztlich veröffentlichte Fassung. (...) Ein solcher Entwurf wurde von Beamten im Integrationsministerium bearbeitet, kein Original."

Zudem merkte Heinisch an, dass laut "Falter" gestrichene Passagen teils durchaus in der veröffentlichten Studie zu lesen seien - "nur halt an anderer Stelle".

Der Historiker nennt jedoch ein Beispiel, bei dem die Stoßrichtung der Passage verändert wurde: In einer früheren Version heiße es, muslimischen Eltern seien "Werte wie Respekt, Gelassenheit, Individualität des Kindes, Hygiene, Zufriedenheit der Kinder, Pünktlichkeit, Liebe, Wärme und Geborgenheit, Selbständigkeit und Transparenz der Regeln" wichtig. In der später veröffentlichten Version werden dieselben Werte den Erzieherinnen zugeschrieben.

Florian Klenk kontert Vorwürfe

Klenk führt auf Facebook eine Reihe weiterer Passagen an, die teils gestrichen, teils verändert worden seien. "Immer wieder kürzen die Beamten also ausgerechnet jene Passagen, die das Gesamtbild der Islamkindergärten ambivalent darstellen. Und immer wieder werden Sätze eingefügt, die die Lage dramatisieren", moniert der "Falter"-Journalist.

Alle bisherigen Versuche von Klenk, jene Beamten zu interviewen, die die Aslan-Studie umgeschrieben haben, sind gescheitert. Am Mittwoch bekam er eine Antwort des Pressesprechers: "Ich soll Ihnen ausrichten, dass sie keine Interviews geben möchten." Und das, obwohl ihr Chef am Montag vollmundig verkündet hatte, es herrsche volle Transparenz und es gebe nichts zu verbergen.