Peter Pilz hat sich entschuldigt - und einen kurzen Rückzug aus der Politik angekündigt, "um das Geschehene aufzuarbeiten". Egal, wie die Causa letztlich ausgeht: Etwas ist kaputt.

Anita Klingler
Ein Kommentar
von Anita Klingler, Chefin vom Dienst (CvD)

Es ist ein tiefer Fall von der moralischen Instanz im Parlament zum mutmaßlichen Frauenbegrapscher. Und Peter Pilz hat sich mit dem Hickhack der vergangenen Tage nicht nur persönlich geschadet.

Jeden Tag sagt Pilz etwas anderes. Erst will er Vorwürfe nicht kommentieren, dann tritt er zurück, zwei Tage danach der angedeutete Rücktritt vom Rücktritt. Nur um wenige Stunden später zu erklären: "Aus. Schluss. Ich will nicht mehr."

Während der "Falter" weitere Vorwürfe publik machte, entschuldigte sich der Politiker auf Facebook und sprach von "privaten Fehlern".

Ja, Pilz hat sich entschuldigt. Mehrfach. Und sich gleichzeitig als Silberrücken inszeniert, der es einfach nicht besser gewusst hat.

In einer von den Weinstein-Enthüllungen und der #metoo-Bewegung aufgeheizten Debatte ist aber von einer selbst erklärten moralischen Instanz mehr zu erwarten als eine lapidare Entschuldigung - für den Fall, dass man etwas falsch gemacht habe.

Dabei geht es nicht darum, Pilz in einem Topf mit einem mutmaßlichen Vergewaltiger zu werfen, wie er selbst beklagt hat. Sondern darum, klar Stellung zu beziehen. Bisher eiert Pilz nur fürchterlich herum.

Im beinahe gleichen Atemzug mit seiner Entschuldigung fallen Sätze wie: "Ich bin mir nicht der geringsten Schuld bewusst." Und: "Ich habe in meinem ganzen Leben Frauen nie sexuell belästigt." Und: "Ich bin mir sicher, dass ich solche Grenzen in meinem ganzen persönlichen Leben noch nie überschritten habe. Mein Problem ist nur, dass ich derzeit das Gegenteil in diesem einen Fall [beim Forum Alpbach, Anm.] nicht beweisen kann."

Ja, was denn nun?

Das Ende der personifizierten moralischen Instanz

31 Jahre lang stand Peter Pilz als Aufdecker für das personifizierte moralische Gewissen im Parlament. Im Nationalrat wird er fehlen. Durch seine Arbeit genoss er höchste Glaubwürdigkeit. Aber die ist nun beschädigt.

Gerade weil er mit seinen politischen Gegnern so hart ins Gericht ging, unerbittlich recherchierte - und so oft recht behielt - misst man ihn an seinen eigenen Standards. Und würde ihm mehr Rückgrat wünschen.

Wenn die Vorwürfe aus der Luft gegriffen sind, braucht es keinen Rücktritt. Zumal, wenn man sich zwei Tage später "nicht der geringsten Schuld bewusst" ist. Es sei denn, Herr Pilz weiß selbst nicht genau, was seinem betrunkenen Ich zuzutrauen ist.

Und wenn sich die Vorwürfe bewahrheiten: Hohe moralische Standards lassen sich schlecht damit vereinbaren, selbst an anderer Stelle so danebenzulangen. Als "privater Fehler" ist es jedenfalls nicht zu werten, wenn ein Politiker am Rande eines öffentlichen Events eine Frau begrapscht.