Bundespräsident, Kanzlerreserve oder Bürgermeister? Die Karriereplanung von Sozialminister Rudolf Hundstorfer ist derzeit unklar. Während ihn die SPÖ gern als Kandidaten für die Hofburg ins Rennen schicken möchte, liebäugelt Hundstorfer selbst angeblich mit dem Posten des Wiener Bürgermeisters. Immer wieder wird sein Name allerdings auch als Nachfolger von Kanzler Werner Faymann genannt.

Wer ist er?

Der 1951 in Wien geborene Rudolf Hundstorfer ist ein Paradebeispiel für den in seinem Ministerium entstandenen Slogan "Karriere mit Lehre": Als einer von nur drei Ministern der aktuellen Regierung hat er keinen Hochschulabschluss.

Hundstorfer absolvierte ab 1966 beim Wiener Magistrat eine Ausbildung zum Bürokaufmann und engagierte sich schon zu Beginn der 1970er-Jahre in der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten. Von 1990 bis 2007 war er Mitglied des Wiener Landtags und Gemeinderats, schied jedoch aus, nachdem er zum Präsidenten des Österreichischen Gewerkschaftsbunds gewählt wurde. Seit Dezember 2008 ist Hundstorfer Bundesminister für Soziales und Konsumentenschutz, seit Februar 2009 auch Arbeitsminister.

Hat er das Zeug zum obersten Staatsmann?

Außenpolitische Erfahrung hat Hundstorfer wenig, dafür ist er geübt im politischen Ausgleich. Die berühmte "Waage"-Handbewegung des derzeitigen Amtsinhabers Heinz Fischer dürfte der Sozialminister beherrschen. Zudem ist er nah am Volk und kennt keine Berührungsängste.

Seine Wahlkampftauglichkeit hat Hundstorfer im Sommer 2013 bei der "Bädertour" der SPÖ bewiesen. Zudem ist er trotz seiner 63 Jahre noch einer der jüngeren Präsidentschaftsanwärter.

Einer Umfrage zufolge sehen übrigens 79 Prozent der Österreicher im Bundespräsidenten eher eine moralische als eine politische Instanz. Eine Anforderung, die der stets beschwichtigende, empathische Hundstorfer sicherlich erfüllt.

Welche Positionen vertritt er?

Als langjährigem Gewerkschaftler steht für Hundstorfer der Kompromiss an erster Stelle. Bei Verhandlungen - beispielsweise 2012 beim Sparpaket - ist er stets bemüht, einen gemeinsamen Nenner für alle Beteiligten zu finden.

Zudem legt er großen Wert auf Transparenz: Politik muss seiner Meinung nach für die Bürger nachvollziehbar sein. Als Minister zählen die Anhebung des Pensionsalters sowie die Senkung der Arbeitslosigkeit in Österreich zu seinen größten Aufgaben.

Wie medientauglich ist er?

Schlagzeilen machte Hundstorfer zuletzt mit einem Skiunfall im Dezember, bei dem er sich das Becken brach und seine Amtsgeschäfte vorübergehend vom Spital aus führte. Der Minister gilt als offen im Umgang mit den Medien – seine entwaffnende Ehrlichkeit ("Ich wusste nicht, was ich da unterschrieb.") half ihm, die BAWAG-Affäre 2006 unbeschadet zu überstehen. Allerdings ist Rudolf Hundstorfer keiner, der wie FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache oder Niederösterreichs Landesfürst Erwin Pröll (ÖVP) das Rampenlicht sucht.

Wie stehen seine Chancen?

Im Vertrauensranking der Österreicher rangiert Rudolf Hundstorfer seit jeher im oberen Bereich. Im direkten Duell gegen die wahrscheinlichen Kandidaten Alexander Van der Bellen (Grüne) und Erwin Pröll (ÖVP) würde er Prognosen zufolge aber wohl dennoch den Kürzeren ziehen.

Noch ist allerdings unklar, ob Hundstorfer überhaupt antritt. Zwar gilt er in der SPÖ als Wunschkandidat, er selbst sieht sich angeblich jedoch eher als Nachfolger des Wiener Bürgermeisters Michael Häupl. Sollte er nach der Wahl im Herbst 2015 dieses Amt tatsächlich übernehmen, könnte er 2016 freilich nicht für die Hofburg kandidieren. Dann käme wohl SPÖ-Urgestein Franz Vranitzky wieder als Kandidat ins Gespräch.