• Ob neue Zimmerpflanze, die Gemüsesetzlinge oder der prächtige Kaktus – alle können ohne Erde nicht überleben.
  • In Gartencentern, Baumärkten und Discountern wird regelmäßig eine große Auswahl an verschiedenen Spezialerden angeboten.
  • Nur welche Erde ist die richtige und wie kann man das erkennen?

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Kräutererde, Anzuchterde, Gemüseerde oder doch Blumenerde? Mit oder ohne Torf? Mit Tonmineralien, Rindenhumus oder Lava-Granulaten? Und ist bio wirklich besser als herkömmliche Erde? Bei der vielfältigen Auswahl stehen Pflanzenfans oftmals vor dem Risiko, zum falschen Produkt zu greifen. Denn es gibt Pflanzengattungen, die ein spezielles Substrat bevorzugen. Auf einen Inhaltsstoff sollten Gärtnerinnen und Gärtner der Umwelt zuliebe besser verzichten.

Torf in der Blumenerde

Viele Blumenerden bestehen laut des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland überwiegend aus Torf – eine Art von Humus, die in Mooren entsteht. Jedes Jahr verbrauchen Menschen rund zweieinhalb Millionen Kubikmeter Torf aus Mooren als Pflanzerde in privaten Haushalten.

Pflanzenfans sollten der Umwelt zuliebe am besten zu torffreier Blumenerde greifen.

Moore sind stark bedrohte Lebensräume, die seit dem 17. Jahrhundert entwässert werden, um sie land- und forstwirtschaftlich zu nutzen und als Rohstofflager auszubeuten, so der Bund für Umwelt und Naturschutz. Und weiter: „Beim Torfabbau im Moor werden hoch spezialisierte Tier- und Pflanzenwelten unwiederbringlich zerstört. Seltene Pflanzen, wie der Sonnentau, das Wollgras und verschiedene Orchideen verlieren ihren Lebensraum. Nahezu zwei Drittel der Blütenpflanzen, die das Moor beheimatet, sind bereits vom Aussterben bedroht oder gefährdet.“ Ebenfalls betroffen sind Tierarten wie die Sumpfohreule, das Birkhuhn, die Große Moosjungfer und die Hochmoor-Mosaikjungfer, der Hochmoorgelbling oder der Torfwiesen-Scheckenfalter.

Substrat für Steinpflanzen und Kakteen.

Ein weiteres Problem: Moore speichern mehr Kohlendioxid als jedes andere Ökosystem der Welt. Der gebundene Kohlenstoff wird allerdings während des Abbaus von Torf wieder freigesetzt. Durch die Verwendung von torffreier Erde können Hobbygärtner und -gärtnerinnen zur Erhaltung von Mooren beitragen und damit Lebensräume und Klima zugleich schützen.

Beim Kauf von Erde sollte daher immer auf das Label „torffrei“ oder „ohne Torf“ auf der Verpackung geachtet werden. Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass Erde, die mit dem Hinweis „torfreduziert“ oder „torfarm“ beworben wird, noch immer jede Menge Torf enthalten kann.

Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann sich vorab informieren und einen Blick auf den Einkaufsführer für torffreie Erden des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland werfen.

Wie sinnvoll ist Spezialerde?

Hobbygärtner und -gärtnerinnen können aufatmen, denn für viele Pflanzen ist eine normale, gute Universalerde völlig ausreichend. Einige Gewächse benötigen allerdings speziell auf ihre Bedürfnisse abgestimmte Substrate.

Rhododendronerde: Anspruchsvoller sind beispielsweise Blütensträucher wie der Rhododendron. Um optimal zu gedeihen, benötigt dieses Gewächs einen lockeren, gut durchlässigen und nährstoffreichen Boden mit niedrigem pH-Wert. Der pH-Wert der Rhododendronerde sollte dabei zwischen vier und fünf liegen. Auch Hortensien fühlen sich in Erde mit niedrigem pH-Wert besonders wohl und bezaubern mit einer Blütenpracht.

Kakteenerde: Kakteen bevorzugen hingegen krümelige Erde, die den Pflanzen einen guten Halt gibt, durchlüftend wirkt und damit eine stabile Durchwurzelung ermöglicht. Die Kakteenerde eignet sich zudem auch für alle Sukkulenten, die aufgrund des hohen Sand- beziehungsweise Steinanteils lieber trockene Wurzeln ohne Staunässe bevorzugen.

Kräuter haben unterschiedliche Ansprüche an die richtige Erde.

Orchideensubstrat: Für viele Orchideensorten eignet sich spezielles Orchideensubstrat. Hierbei wird meist Pinienrinde verwendet, welche Feuchtigkeit speichert und den Wurzeln optimalen Halt bietet. Für Dendrobium-Orchideen ist dagegen ein feineres Substrat empfehlenswert. Herkömmliche Blumenerde sollte für Orchideen besser nicht verwendet werden, da die Wurzeln aufgrund der hohen Feuchtigkeit verfaulen würden.

Anzuchterde: Der niedrige Nährstoffgehalt von Anzuchterde eignet sich optimal für die Kultivierung von Stecklingen. Die jungen Pflänzchen können so in Ruhe kräftige Wurzeln bilden, anstatt zu schnell in die Höhe zu sprießen.

Teicherde: Für die Bepflanzung eines Teiches sollte aufgrund der festeren Substanz eine spezielle Teicherde genutzt werden, die sich im Gegensatz zu normaler Erde im Wasser nicht auflöst. Durch die spezielle Zusammensetzung aus Tonmineralien und Quarzsand ist sie besonders nährstoffarm. Wer herkömmliche Pflanzenerde nutzt, sollte sich auf die Bildung von Algen einstellen.

Das Gütezeichen RAL zeigt eine hohe Qualität von Pflanzenerde an.

Kräuter haben unterschiedliche Ansprüche an Erde

Gerade bei Kräutererde sollten Pflanzenfans vorsichtig sein, denn die Ansprüche verschiedener Pflanzen sind sehr unterschiedlich. Hier kann es sich lohnen, eigene Mischungen herzustellen, welche auf die verschiedenen Kräuterarten angepasst sind. Die Basis sollte hier immer torffreie Blumenerde sein.

Rosmarin: Das beliebte Gewächs gedeiht am besten an sonnig warmen und geschützten Standorten. Der Boden sollte durchlässig, trocken und kalkhaltig sein. Rosmarin wächst auch gut auf steinigen Böden.

Thymian und Salbei: Diese Sorten bevorzugen einen eher mineralischen, nicht zu feuchten Boden. Erhöhen Sie den mineralischen Anteil durch die Zugabe von Blähton, Steinmehl oder Quarzsand um knapp 20 Prozent.

Basilikum: Basilikumpflänzchen sollten immer mit etwas Abstand eingepflanzt werden. Besonders wohl fühlt sich das beliebte Küchenkraut, wenn Sie etwa zehn Prozent Blähton untermischen.

Minze, Petersilie, Kerbel und Dill: Diese Sorten mögen es nicht gerne trocken. Für ein optimales Feuchtigkeitsverhältnis einfach eine Handvoll Bentonit (Tonmehl) untermischen.

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Woran erkennt man gute Qualität?

Gute Blumenerde zu erkennen, ist gar nicht so einfach. Laut dem Bundesinformationszentrum Landwirtschaft zeigt sich die Qualität einer Blumenerde oft erst, wenn man den Sack öffnet beziehungsweise im Saisonverlauf.

Erde, die auffallend günstig verkauft wird, ist häufig von weniger guter Qualität.

Eine Orientierungshilfe für Verbraucher bietet das RAL-Gütezeichen. Entsprechend gekennzeichnete Blumenerden werden laut Bundesinformationszentrum für Landwirtschaft regelmäßig von unabhängigen Laboren auf eine gleichbleibend hohe Qualität kontrolliert.

Wichtige Kriterien seien beispielsweise ein für die ausgewiesenen Pflanzen optimaler pH-Wert, eine optimale Nährstoffversorgung, die Freiheit von Unkrautsamen und pflanzenschädigenden Stoffen sowie eine günstige Substratstruktur. Achten Sie beim Einkauf darauf, dass die Erde nicht vor Feuchtigkeit trieft. Ist das der Fall, greifen Sie besser zu einem anderen Beutel.

Vorsicht beim Kauf von "Bio"-Blumenerde

Laut der Verbraucherzentrale Hamburg ist der Begriff „Bio“ für Blumenerde nicht geschützt und wird von einigen Herstellern genutzt, um Produkte grüner aussehen zu lassen, als sie eigentlich sind. Checken Sie daher beim Einkauf die verwendeten Inhaltsstoffe, bevor Sie sich für das jeweilige Substrat entscheiden. Bei Zweifeln kann auch das jeweilige Fachpersonal des Gartencenters zurate gezogen werden.


Verwendete Quellen:

Verbraucherzentrale Hamburg: Blumenerde: Gutes fürs Grünzeug
Verbraucherservice Bayern: Torffrei gärtnern: umwelt- und klimafreundlich
Gartenjournal: Rosmarin liebt magere Erde
Mein schöner Garten: 10 Tipps zur Verwendung von Blumenerde und Pflanzsubstraten
Norddeutscher Rundfunk: Moore unheimlich und unheimlich wichtig
Norddeutscher Rundfunk: Spezialerde: Welche braucht man wirklich?