In der Tageszeitung studieren Sie als erstes die Stellenanzeigen und verbringen viel Zeit auf Jobportalen, doch Ihre neue Traumstelle haben Sie noch nicht gefunden? Statt auf die perfekte Ausschreibung zu warten, können Sie auch mit Initiativbewerbungen selbst aktiv werden. Karriereexperten geben Tipps, wie Sie dabei Ihre Erfolgschancen steigern.

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Wer auf der Suche nach einem neuen Job ist, hält in der Regel Ausschau nach passenden Stellenanzeigen. Das ist der leichtere und deshalb auch in der Praxis häufiger begangene Weg.

Der Bewerber kann sich in dem Fall sicher sein, dass der potenzielle neue Arbeitgeber tatsächlich jemanden einstellen möchte. Die Bewerbung kann er passend zur ausgeschriebenen Stelle gestalten.

Wenn ein Unternehmen keine Stellenanzeige veröffentlicht hat, sind diese beiden Aspekte nicht gegeben. Doch trotz dieser Unsicherheit sollte man bei der Jobsuche neben den klassischen auch auf Initiativbewerbungen setzen.

Initiativbewerbungen lohnen sich

Manche Unternehmen - große wie kleine - legen nach der Erfahrung von Karrierecoach Jessica Wahl Bewerberpools an und kommen selbst auf die Kandidaten zu, wenn eine entsprechende Stelle zu besetzen ist.

Wer mit seiner Bewerbung in solchen Pools vertreten ist, hat den klaren Vorteil, dass die Konkurrenz deutlich geringer ist als bei Bewerbungen auf ausgeschriebene Stellen.

"Wenn Sie eine sehr überzeugende Bewerbung schreiben, kann es sogar vorkommen, dass dem Unternehmen dadurch überhaupt erst bewusst wird, dass es jemanden mit genau diesen Qualifikationen braucht und dafür eine entsprechende Stelle geschaffen werden muss", sagt Wahl.

Grundsätzlich kann man es in jeder Branche mit einer Initiativbewerbung versuchen. Besonders üblich ist das laut dem Bewerbungsberater Jürgen Hesse in Bereichen, in denen häufiger gewechselt wird, wie beispielsweise in der Gastronomie.

Eine Initiativbewerbung erfordert gründliche Recherche

Eine gute Initiativbewerbung hat wenig mit einer Blindbewerbung gemeinsam, bei der der Bewerber einen Standardtext mit geringfügigen Anpassungen an mehrere Unternehmen versendet. Von einem solchen Vorgehen raten die Karriereexperten ab.

Aus dem Anschreiben sollte deutlich werden, dass der Kandidat sich mit dem Unternehmen befasst hat und warum er ausgerechnet dort arbeiten möchte.

Doch wie geht man vor, wenn keine konkrete Stellenbeschreibung vorliegt, an der man sich orientieren kann?

"Am Anfang steht eine sehr genaue Reflektion, was man sich wünscht und was man dem Unternehmen anbieten kann", so Hesse.

Man sollte sich ein möglichst klares Bild davon machen, in welchem Bereich und in welchem Unternehmen man arbeiten möchte. Anschließend überlegt man, welche eigenen Stärken und Qualifikationen dazu passen.

Um sich eine Vorstellung davon zu machen, was einem Unternehmen wichtig ist, braucht man nicht unbedingt eine Stellenanzeige. Jessica Wahl rät Bewerbern dazu, sich die Firmenwebseite gründlich anzuschauen. Wie stellt sich das Unternehmen selbst dar, wie ist die Firmenphilosophie, welche Begrifflichkeiten werden verwendet - all das sind der Karriereberaterin zufolge wichtige Erkenntnisse, die in die Formulierung des Anschreibens einfließen sollten.

Ein weiterer Tipp der Expertin ist, nach alten Ausschreibungen des Unternehmens zu recherchieren. Diese können Hinweise darauf geben, welche Anforderungen der Arbeitgeber grundsätzlich an Mitarbeiter hat.

Kontakt herstellen

Besonders wertvoll sind persönliche Kontakte ins Unternehmen. Es lohnt sich, im eigenen Umfeld nachzuforschen, ob man jemanden kennt, der mit dem potenziellen neuen Arbeitgeber zu tun hat und nützliche Hinweise für die Bewerbung geben kann.

Anrufen sollte man vor der schriftlichen Bewerbung nur nach einer ausführlichen Recherche. Wenn man am Telefon lediglich sagen kann, dass man sich initiativ bewerben möchte, ist es Glückssache, ob man gerade den richtigen Ansprechpartner erreicht hat, den man für sich interessieren kann.

Darum rät Wahl dazu, bei der Recherche zu einem Unternehmen einen Schritt weiterzudenken: "Schauen Sie sich an, welche Projekte das Unternehmen umsetzt, wie die Branche aussieht und welche Kunden das Unternehmen hat. Dann überlegen Sie, was das Unternehmen brauchen kann. Bei einer Werbeagentur beispielsweise können Sie überlegen, ob Sie eine bestimmte Art der Webseitenprogrammierung oder eine bestimmte grafische Darstellungsweise beherrschen, die das Angebot des Unternehmens sinnvoll ergänzen kann."

Wer darüber in ein Telefongespräch einsteigt, was er dem Unternehmen Interessantes anbieten kann, weckt bei seinem Gegenüber Interesse - und darauf kommt es an.

Ob schriftlich oder telefonisch: Aufzufallen und beim möglichen Arbeitgeber einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen, ist den Experten zufolge bei einer Initiativbewerbung das Wichtigste.

Jessica Wahl ist Founder und Managing Director des Instituts für Personal Performance in Berlin. Bewerbungstraining und -beratung zählen zu den Schwerpunkten ihrer Arbeit.
Jürgen Hesse leitet das Hesse/Schrader-Büro für Berufsstrategie, das auf Bewerbungs- und Karriereberatung spezialisiert ist. Der Diplom-Psychologe ist außerdem Co-Autor des Buches "Training Initiativbewerbung“ (ISBN 978-3-86668-985-5).
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