• Ein Mann bewirbt sich per Chat auf eine "Sekretärinnen"-Stelle und wird abgelehnt.
  • Laut Gericht hat der Bewerber – er sah sich wegen seines Geschlechts diskriminiert – Anspruch auf Entschädigung.
  • Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz gelte auch bei Bewerbungen über Internetportale.

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Über Ebay-Kleinanzeigen werden längst nicht nur Gebrauchsgegenstände verkauft. Die Plattform bietet auch Angebote für Wohnungs- oder Jobsuchende. Wer sich formlos über die Chat-Funktion des Portals bewirbt, genießt den Status eines Bewerbers im Sinne des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes.

Wer als Mann wegen seines Geschlechts für eine Sekretariatsstelle abgelehnt wird, kann dann Anspruch auf Entschädigung haben. Auf ein entsprechendes Urteil des Landesarbeitsgerichts Schleswig-Holstein (Az. 2 Sa 21/22) verweist der Verband deutscher Arbeitsrechts-Anwälte (VDAA) in Stuttgart.

Unternehmen: "Dame als Sekretärin" gesucht

In dem Fall hatte sich der Mann auf eine Stellenanzeige auf dem Internetportal Ebay-Kleinanzeigen beworben. In der Anzeige war ausdrücklich eine "Sekretärin gesucht". Über die Chatfunktion bewarb sich der Mann auf die Stelle, ohne weitere Unterlagen einzureichen.

Das Unternehmen antwortete, dass "eine Dame als Sekretärin" gesucht sei und sagte dem Bewerber ab. Der abgelehnte Bewerber sah sich wegen seines Geschlechts diskriminiert und machte gegenüber dem Unternehmen eine Entschädigung von drei Bruttomonatsgehältern geltend.

Nur auf Entschädigung abgezielt? Gericht lässt Argument nicht gelten

Das Unternehmen argumentierte, dass die Bewerbung nur auf eine Entschädigung abgezielt habe, sie sei also rechtsmissbräuchlich gewesen. Das Landesarbeitsgericht aber gab dem Bewerber recht. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz finde auch bei einer Kurzbewerbung über ein Internetportal Anwendung. Aus Sicht des Gerichts war also der Bewerberstatus gegeben, der erforderlich ist, um Entschädigung geltend zu machen.

Wer so ausschreibt, muss auch Chat-Bewerbungen einplanen

Wer eine Stellenanzeige in Ebay-Kleinanzeigen veröffentlicht, müsse damit rechnen, dass sich die Bewerber über die Chatfunktion bewerben und nicht auf klassische Weise schriftlich mit beigefügten Bewerbungsunterlagen.

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Nach Ansicht des Gerichts war es dem Arbeitgeber auch nicht gelungen, besondere Umstände nachzuweisen, die ausnahmsweise auf eine rechtsmissbräuchliche Bewerbung hinweisen könnten.

Im Hamburger Umland ist unter Beachtung der laufenden Stellenangebote für eine Sekretärin in Vollzeit ein monatliches Bruttogehalt in Höhe von 2.700 Euro zu zahlen, sodass die Klage in Höhe von 7.800 Euro nicht überzogen war. Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig. (dpa/af)