Friedrich II von Preußen ist bis heute umstritten. Die einen sehen in ihm einen schöngeistigen Menschenfreund, die anderen einen jähzornigen Kriegsfürsten. Der berühmte Preußen-König war eine komplexe Persönlichkeit, wie nicht zuletzt seine überlieferten Zitate zeigen.

Nicht ohne Grund ist Friedrich II von Preußen eine der bekanntesten historischen Persönlichkeiten der Neuzeit. Der absolute Monarch war ein leidenschaftlicher Anhänger der Aufklärung, der mit Geistesgrößen wie Voltaire verkehrte und zahlreiche Reformen durchsetzte, die seinen Untertanen ein angenehmeres und selbstbestimmteres Leben ermöglichen sollten.

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Den Namen "Friedrich der Große" erwarb er sich jedoch für sein strategisches Geschick auf dem Schlachtfeld. Im Verlauf von drei Kriegen entwickelte er das einst rückständige Preußen zu einer Großmacht.

Die Kindheit des 1712 geborenen Thronprinzen war der blanke Horror. Seinem Vater, dem als "Soldatenkönig" bekannten Friedrich Wilhelm I war die schöngeistige Ader seines ältesten überlebenden Sohnes zuwider. Der junge Friedrich interessierte sich für Literatur und Kunst, er war dem Geist der Aufklärung zugetan. Das versuchte der König ihm mit aller Brutalität auszutreiben. Er unterstellte den Thronprinzen einem strengen Erziehungsplan und züchtigte ihn hemmungslos.

Nachdem Friedrich in seiner Verzweiflung einen Fluchtversuch nach Frankreich unternahm, wollte ihn sein Vater sogar als Deserteur hinrichten lassen. Erst durch die Fürsprache von Fürsten aus dem In- und Ausland ließ er von seinem Vorhaben ab. Der junge Prinz wurde aber gezwungen, mit anzusehen, wie einer seiner Freunde wegen des Vorfalls enthauptet wurde.

Friedrich Wilhelm I scheiterte mit dem Versuch, seinen Nachfolger nach seinem eigenen Vorbild zu erziehen. Sein Sohn blieb standhaft seinen eigenen Prinzipien treu – auch nachdem er im Alter von 28 Jahren selbst den Thron bestieg.

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Friedrich II setzte als König zahlreiche Reformen durch. Zu seinen ersten Amtshandlungen zählte die Abschaffung der Folter.

In der Abhandlung "Über die Gründe, Gesetze einzuführen oder abzuschaffen" erklärte er einige Jahre später seine Motivation dafür: "Jemand wird angeklagt. Indizien sind vorhanden. Der Richter ist ungewiss und will sich Klarheit verschaffen. Der Unglückliche wird gefoltert. Ist er unschuldig — welche Barbarei, ihn solche Martern erleiden zu lassen! Zwingt ihn die Stärke der Qual zum Zeugnis gegen sich selbst —welche schreckliche Unmenschlichkeit ist es dann, einen tugendhaften Bürger auf bloßen Verdacht hin nicht nur den grausamsten Schmerzen auszusetzen, sondern ihn auch noch zum Tode zu verurteilen! Es ist besser, zwanzig Schuldige freizusprechen, als einen Unschuldigen aufzuopfern!"

Auch die strenge Frömmigkeit seines Vaters übernahm Friedrich II nicht. Während Friedrich Wilhelm I im engen Austausch mit Kirchenvertretern stand, äußerte sich Friedrich II auch offen kritisch gegenüber kirchlichen Institutionen. In der Vorrede zum Auszug aus Fleurys Kirchengeschichte schrieb er 1766: "Die Kirchengeschichte offenbart sich uns als ein Werk der Staatskunst, des Ehrgeizes und des Eigennutzes der Priester. Statt etwas Göttliches darin zu finden, trifft man nur auf lästerlichen Missbrauch mit dem höchsten Wesen. Ehrwürdige Betrüger benutzen Gott als Schleier zur Verhüllung ihrer verbrecherischen Leidenschaften."

Schon sein Vorgänger hatte den Katholizismus in Preußen geduldet. Friedrich II formulierte die Toleranz seines Landes für andere Bekenntnisse in einer Verfügung im Jahr seiner Thronbesteigung jedoch umfassend: "Die Religionen müssen alle toleriert werden und muss der Fiskal nur das Auge darauf haben, dass keine der andern Abbruch tue, denn hier muss ein jeder nach seiner Façon selig werden."

Die Eigenschaften seines Vaters, die jedoch auch Friedrich II in Fleisch und Blut übergingen, waren Disziplin und Pflichtbewusstsein. In seinem "Politischen Testament" von 1752 schrieb er: "Trägheit, Vergnügungssucht und Dummheit: diese drei Ursachen hindern die Fürsten an ihrem edlen Berufe, für das Glück ihrer Völker zu wirken. (…) Der Herrscher ist nicht zu seinem hohen Rang erhoben, man hat ihm nicht die höchste Macht anvertraut, damit er in Verweichlichung dahinlebe, sich vom Mark des Volkes mäste und glücklich sei, während alles darbt. Der Herrscher ist der erste Diener des Staates."
Zu den Mitteln, um für das Wohl seines Volkes zu sorgen, zählte für ihn jedoch auch, gegen andere Völker Krieg zu führen. Kriegerische Auseinandersetzungen gehörten in der Zeit zu den üblichen Mitteln eines Staatslenkers und Friedrich II erwies sich als König wenig zimperlich, militärische Handlungen für seine Ziele zu nutzen. Anders als andere Fürsten seiner Zeit stand er jedoch stets selbst auf dem Schlachtfeld.

Erst ein halbes Jahr an der Macht, nutzte er den Umbruch nach dem Tod des römisch-deutschen Kaisers Karl VI für einen Angriff. Im Dezember 1740 marschierte er in Schlesien ein und annektierte die wirtschaftlich starke Provinz. Mit diesem ersten Schlesischen Krieg erlangte Preußen ein ähnliches Gewicht wie das Haus Habsburg.

Die Aktion zog zwei Folgekriege nach sich, die dazu dienten, die Position Preußens zu erhalten und Racheakte gegen das Land zu verhindern. Während die ersten beiden Schlesischen Kriege von kurzer Dauer waren, entwickelte sich die dritte Auseinandersetzung zum zähen Siebenjährigen Krieg, in dem allein auf preußischer Seite 180.000 Soldaten ihr Leben ließen. Preußen war jedoch am Ende unter Friedrich zu einer Großmacht aufgestiegen, die gegnerische Allianz zerbrochen.

In den darauffolgenden Friedensjahren setzte Friedrich der Große seine Energie in den Aufbau des Landes. Er förderte die Metall- und Textilindustrie, schaffte durch die Trockenlegung von Flussniederungen zusätzliches Land zur Bewirtschaftung. Er ließ überall in seinem gewachsenen Reich Schulen bauen und trieb die Reformen im Rechtssystem voran. Unter anderem schaffte er die Verpflichtung der Bauern zum Frondienst ab.

Die Zufriedenheit mit seinem Lebenswerk brachte er in einem Brief an seine Schwester Wilhelmine mit diesen Worten zum Ausdruck: "Nunmehr, da der Ruhm und die Ehre meines Volkes gerettet sind, kann ich zufrieden ins Grab gehen. Wohl können wir noch Unheil erdulden, aber nicht mehr ehrlos sein".

Der "Alte Fritz" war beim Volk beliebt. Doch er zog sich in seinen letzten Lebensjahren immer mehr zurück und verbrachte seine freie Zeit am liebsten mit seinen Hunden. Neben diesen wollte er auch in einer Gruft vor dem Schloss Sanssouci beerdigt werden. Als er am 17. August 1786 starb, verwehrten ihm seine Zeitgenossen diesen Wunsch.

Doch auch Jahrhunderte später sind dem außergewöhnlichen Fürsten manche Menschen wohlgesonnen: 1991 wurden seine sterblichen Überreste nach Potsdam gebracht und in der schlichten Gruft beigesetzt, die Friedrich sich selbst erbauen ließ.