Die Ozeane unseres Planeten werden durch die zunehmende Menge an Treibhausgasen immer wärmer. Allerdings gibt es im Nordatlantik eine Stelle, die sich dem Trend hartnäckig widersetzt. Dort sinkt die Wassertemperatur sogar. Forscher haben nun mehrere Gründe dafür gefunden.

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Im Jahr 2015 haben Klimaforscher eine Stelle im Nordatlantik entdeckt, wo die Wassertemperatur - im Gegensatz zu den restlichen Ozeanen unseres Planeten - tatsächlich sinkt. Sie nennen dies ein Erwärmungsloch. Die komplexe Ozeanzirkulation hat es Forschern bisher schwer gemacht, das Phänomen einfach erklären zu können.

Eine neue Studie belegt nun, dass es mehrere Gründe für das Erwärmungsloch gibt. Forscher des Max-Planck-Instituts für Meteorologie haben zu diesem Zweck unterschiedliche Klimamodelle simuliert.

Aus den Ergebnissen konnten sie ableiten, welche Simulationen mit dem Temperaturabfall übereinstimmen. Ihre Studie haben sie im Fachblatt "Nature Climate Change" veröffentlicht.

AMOC wird langsamer

Die erste Ursache für die regionale Abkühlung des Nordatlantiks, die die Forscher ermittelt haben, wird durch eine Reihe früherer Studien gestützt. Demnach hat die atlantische meridionale Umwälzzirkulation (AMOC) in den letzten Jahren abgenommen. Dadurch hat sich das Erwärmungsloch den Autoren der Studie zufolge entwickelt.

Die AMOC hat einen großen Einfluss "auf das europäische Klima und Wetter". Sie transportiert warmes Oberflächenwasser aus den Tropen in der Nähe des Golfs von Mexiko nach Norden in Richtung der europäischen Küste. Es wird mit kaltem, frischem Wasser ausgetauscht, das durch schmelzendes Eis zugeführt wird.

Warum die AMOC langsamer wird, haben Forscher bisher noch nicht abschließend herausgefunden. Einige Modelle lassen allerdings den Schluss zu, dass eine Kombination aus mehr Schmelzwasser aus Grönland und steigenden Temperaturen dafür verantwortlich sein könnte. Direkte Messungen der AMOC sind erst seit 2004 verfügbar.

Wärmetransport in hohen Breiten nimmt zu

Paul Keil und seine Kollegen verdeutlichen nun mit ihren Simulationen, dass "der Zusammenhang zwischen der AMOC in niedrigeren Breitengraden und dem Erwärmungsloch" um einiges komplexer ist, als Forscher bisher angenommen haben.

Sie fanden heraus, dass die Beziehung zwischen der Stärke des Golfstroms und dem Erwärmungsloch erheblich vom Treibhausgasantrieb abhängt und sich mit der Zeit stark verändern kann. Während sich der Golfstrom südlich des Erwärmungslochs verlangsamt und weniger Energie transportiert, verstärkt sich im Gegenzug der Wärmetransport durch den Nordatlantikwirbel. Dadurch wird die Region noch kühler.

In niedrigen Breiten zeigen sich keine signifikanten Veränderungen der AMOC. Der Wärmetransport in hohen Breiten nimmt hingegen deutlich zu. Deswegen schließen die Autoren daraus, dass das Erwärmungsloch auf die Veränderungen in hohen Breiten zurückzuführen ist.

Wolken haben Einfluss auf Erwärmungsloch

Außerdem führten die Forscher Simulationen durch, in denen sie ausschlossen, dass sich die Wolken unter dem Einfluss der globalen Erwärmung verändern. Sie zeigten, dass diese Wolken ein etwas schwächeres Erwärmungsloch erzeugen.

Wenn sich die Oberfläche abkühlt, erzeugt dies mehr tiefliegende Wolken. Sie reflektieren mehr Sonnenstrahlung, was die Abkühlung der Oberfläche erneut verstärkt. Dementsprechend haben auch Wolken einen erkennbaren - wenn auch kleinen - Einfluss auf das Erwärmungsloch.

Verwendete Quellen:

  • Max-Planck-Institut für Meteorologie: "Mehrere Antriebe führen zum "Erwärmungsloch" im Nordatlantik"
  • Nature Climate Change: "Multiple drivers of the North Atlantic warming hole"
  • ScienceAlert: "There's A Place On Earth Getting Cooler, Not Hotter. A New Study Sheds Light On Why"
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