• Seit Wochen wandert eine Herde Elefanten durch China und hat dabei bereits Hunderte Kilometer zurückgelegt.
  • Aber was treibt die Elefanten an? Ist ihr Leittier verwirrt oder ein Magnetsturm Schuld an ihrer Wanderung?

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China und die halbe Welt rätseln seit Wochen über eine wilde Elefantenherde, die die subtropischen Wälder ihres Naturschutzgebietes in Xishuangbanna an der Südwestgrenze zu Laos und Myanmar verlassen hat. Die Tiere haben sich auf eine Odyssee nach Norden aufgemacht und haben bereits mehr als 500 Kilometer zurückgelegt.

Auf ihrem Weg haben sie Felder verwüstet, Ernten geplündert und sind über Straßen sowie Dörfer gezogen. Bislang wurden einige Hundert Zwischenfälle gezählt. Die Schäden werden auf umgerechnet mehr als eine Million Euro beziffert.

Umherwandernde Elefantenherde: Ist der Mensch schuld?

Aber was treibt die Elefanten an? Ist das Leittier unerfahren oder verwirrt? Xie Can von Chinas Akademie der Wissenschaften, Experte für geomagnetische Felder, glaubt, dass etwas mit dem angeborenen Wandertrieb der Tiere passiert ist. "Es könnte sein, dass ein Magnetsturm, ausgelöst durch ungewöhnliche Sonnenaktivität, den Instinkt ausgelöst hat", wird er zitiert.

Wie so oft ist aber wohl eher der Mensch schuld. So sei das Naturreservat in Xishuangbanna um 40 Prozent geschrumpft, berichtet Professor Zhang Li von der Pädagogischen Universität in Peking. Landwirtschaft und Siedlungen verdrängen den Wald. Besserer Schutz der Elefanten - auch vor Wilderern - hat ihre Zahl in China aber immerhin von 180 in den 80er-Jahren auf heute 300 steigen lassen.

Konflikt zwischen Artenschutz und Entwicklung der ländlichen Wirtschaft

"Auf der einen Seite haben wir eine wachsende Population, auf der anderen verringert sich das passende Habitat", schildert der Ökologie-Professor im TV-Interview das Dilemma. "Das ist ein klassischer Konflikt zwischen Artenschutz und der Entwicklung der ländlichen Wirtschaft." Aus seiner Sicht ist es "der Schlüsselfaktor, warum die Elefanten aus ihrer Heimat auswandern". So dürfte es auch sehr schwierig werden, die Elefanten zum Rückweg zu bewegen.

Die großen Tiere, die aggressiv werden können, wenn sie sich bedroht fühlen, werden ohnehin als gestresst beschrieben. Schon wegen des Rummels. Hunderte Schaulustige versammeln sich, wenn ihre Ankunft erwartet wird. Flugkörper mit Kameras kreisen über ihren Köpfen.

Ein Krisenstab mit 300 Helfern verfolgt seit Wochen jeden Schritt. Informationen, wo die Tiere gerade genau sind, werden in Echtzeit an Dorfkomitees gegeben. Mit Lastern oder Müllwagen werden ihnen dann Straßen versperrt, um sie fernzuhalten.

Landwirtschaft füttert unfreiwillig Elefanten an

Die Elefanten haben längst gelernt, dass in der Landwirtschaft leichter gehaltvollere Nahrung zu finden ist als in den Wäldern ihres Reservats, wo sie meist nur kleine Pflanzen fressen, wie Experten schildern.

Dorfbewohner locken sie daher mit tonnenweise Nahrung wie Zuckerrohr, Bananen, Mais und anderem Getreide weg von ihren Feldern und Siedlungen. So finden die Tiere, die täglich 200 bis 300 Kilogramm fressen können, immer wieder ganz einfach Nahrung auf ihrer Wanderung - und entfernen sich damit weiter von ihrer natürlichen Lebensweise.

Stars in sozialen Netzwerken

Die "wahnsinnig süßen" und "niedlichen" Elefanten sind mittlerweile Stars in den sozialen Netzwerken. Drohnen filmen die Herde aus der Luft, wie sie mit ihren jungen Kälbern aneinander gekuschelt, aufgereiht zwischen Bäumen am Boden liegen und friedlich schlafen.

Chinas Medien informieren das Milliardenvolk täglich, schicken Eilmeldungen auf Handys: "Wilde Elefantenherde stoppt auf Weg nach Norden, während einsames Männchen zurückbleibt", informiert das renommierte Wirtschaftsmagazin "Caixin" etwa am Montag mit einer Push-Nachricht.

Seit mehr als einem Jahr sind sie schon auf dem Weg. Zuletzt drohten sie sogar, in die Sieben-Millionen-Metropole Kunming einzufallen. Es würde zu der 15. Weltartenschutzkonferenz (Cop15) passen, die in der Hauptstadt der Provinz Yunnan zusammenkommen soll - wenn auch erst im Oktober. (ff/dpa)

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